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Mittwoch, 23. September 2015

Freestyle Performance

Wenn hier alles nach den Regeln der feinen Textstruktur, jene ich natüüürlich! dank Germanistikstudium in Perfektion beherrsche, ablaufen würde, dann könnte ich den heutigen Post nicht verfassen. Viel zu strubbelig. Kein roter Faden UND mit der App auf dem Smartphone getippt und das geht ja schon mal gar nicht. 

Aaaaaaaber hier sind wir ja in meinem Zuhause, in der durchaus sehr unkonventionellen Molekülwelt und da darf ich alles. Wirklich ALLES! Ich dürfte den Text hier nackelig im Schneidersitz verfassen, links ein Gläschen mit wasweißichwasAlkoholischem drin, rechts den Becher Ben&Jerry's parat. 
Oder mit einem riesigen Loch im Socken und einem optisch überaus grenzdebil machenden Propellerhut. So wie Karlson vom Dach. So könnte ich hier sitzen, wenn ich denn wollte und meine Posts verfassen. 

Und weil das so wunderbar ist, kommt jetzt hier einfach mal eine Sammlung von Kuriositäten/Lebenstatsachen und Wuschelichmachgedanken und ihr könnt euch ein kurzes Bild davon machen wie durchgeknallt es hier manchmal zugeht. Oder wie durchgeknallt ich deswegen drohe zu werden. Oder bin...ach, weiß der Geier. 

Die Anstalt 

Tja, wie soll ich es sagen ohne jemanden zu verletzen? 
Geht leider nicht. Denn es ist derzeit gruselig. Und lustig, ja verdammt lustig (wenn es nicht gerade traurig ist) ist es auch. Mit Abstand betrachtet. 

Die Tage sind vollgestopft mit dem Beseitigen diverser Unterrichtsstörungen. 
Oliver kommt zu spät in meinen Unterricht und sagt: "Ich war um füffzisch nach da!"
"Der Unterricht fängt allerdings um viertel vor an und es gibt kein fünfzig nach!"
"Dooooohooooch! Ich war ja dann da!"
"Wenn, dann warst du um zehn vor acht da!"
"Ey, Lüge, ich schwör so spät war das nich'. Es war erst fuffzisch..."

Nach Stundenende hält links neben mir - - kontinuierlich brabbelnd - Ayse mir ihr Smartphone ans Ohr: "Waaaalaaaaa, Frau Herzmoleküüühüüül, isch schwör Sie müssen das hören. Isch komponiere selba Lieders!", wiederholt sie ständig, während ich mir ihr überraschenderweise ganz angenehmes Klaviergeklimper anhöre, währenddessen Karl-Heinz zu meiner Rechten stehend auf mich einredet, er habe ein riiiiiiesiges Problem und ich müsse ihm dringend helfen. Das erörterte Problem besteht dann übrigens darin, dass er am Werkstattunterricht "auf gaaaaaar keinen Fall" teilnehmen kann, da sein noch in AirMax steckender Fuß urplötzlich eine "bis aufn Knochän" offene Stelle aufweist. Vom Loch in der Hollarittmaschine reden wir einfach mal nicht. 

Da ich die Pause mit den wunderlichen Geschöpfen und deren Wehwehchen zugebracht habe, hetze ich in die nächste Doppelstunde. Dort enttarne ich zunächst einen Unterschriftenfälscher, spreche Alibaba unter vier Augen auf sein Kifferproblem an: "Ali, lass uns mal reden. Du hast immer rote Augen und bist toootaaaaal verwirrt und schlichtweg offensichtlich zugekifft!", worauf mit einem herzerfrischend ehrlichem "Hiiiihiiii, ja, das ist kooooorreeeeeekt, Frau Herzmolekül", reagiert wird. 

Indes rastet Murat gerade im Nebenraum aus und verprügelt Sascha mit seinem Ledergürtel, weil der wiederum irgendwas mit Sex (ich frag nicht mehr genau nach) zu ihm gesagt hat. Und "Ich fi** deine Mudda" und sonstige Sprüche, tzzzz, das bleibt rein den Türken vorbehalten sich das gegenseitig stets an den Kopf zu döngen. Aber ein Deutscher, der sagt sowas nicht. Nicht zu einem Türken. Ne. Ne. 
Jedenfalls ist Saschas Arm knallblau verfärbt und gegen Murat wird eine angemessene Sanktion ausgesprochen. 

Derweil flippt Ibrahim aus. Verbal. 
Schließlich war er seit drei Wochen nicht da und stellt nun fest, dass er die Hausaufgaben ja gar nicht machen konnte, denn ihm fehlen die Arbeitsblätter. Nachdem ich ihn darauf aufmerksam mache, dass er durchaus bei mir nach den Materialien fragen könne, antwortet er pampig, dass das verdammte schei*e nochmal meine verfi**te Aufgabe sei, denn ICH bin die Lehrerin und müsse ihm die Blätter geben und daran denken, dass er krank gewesen sei. 
Ich entgegne, dass mir sein Ton nicht gefalle und er den gerne bei seinen Eltern Zuhause anschlagen könne, aber nicht bei mir, worauf ein: "Ne, vor denen habe ich ja Respekt" letztlich dazu führt, dass ich ihn bis auf Weiteres hinauskomplimentiere. 

So in etwa läuft es jeden Tag, in jeder Stunde und ja, es ist dementsprechend auch absolut nicht langweilig, aber ich bin ganz ehrlich: Wenn diese Verhaltensstörungen mal 6-8 Jahre nicht zugegen wären, dann wäre es auch schön. 

Schön ist es - man mag es mir kaum glauben - dennoch. Denn wenn sie da am Pult rumstehen, wenn sie sich öffnen und mir von ihren Sorgen und Nöten berichten und wenn dann beim Rausgehen ein "Besteeeeeee! Sie sind die Besteeeeeee, Frau Herzmolekül", kommt, dann hüpft mein Herz doch ein wenig. 
Das schmälert dann auch nicht mehr der Zusatz: "Isch schwör, isch würd für Sie töten!", denn wenn es auch übertrieben und unangemessen erscheint, so verstehe ich doch die Intention. 

Bei Herzmoleküls daheim

Unsere Fensterscheiben sind dreckig. Und zwar so dreckig, dass man NICHT mehr rausgucken kann. Das finde ich ziemlich deprimierend, aber ich KANN es nicht ändern. Klar, ich könnte sie putzen, aber ich hasse es so. Und sauber sind sie dann meist auch nicht. 

Ich möchte gerne herbstlich dekorieren und dann kommt da immer so ein sprechender Nikolaus, setzt sich auf meine Schulter, schiebt mir ein bis zweiunddreißig Vollmilch-Dominosteine in die Kauleiste und sagt: "Lohnt doch nicht, Penny!"
Und deswegen bin ich so etwas lethargisch. Das nervt mich. 

Ich instagrame jetzt. Wer gerne meinen Account wissen mag, schickt mir eine Nachricht hier über den Blog. Ich gebe mir auch echt Mühe eine gute Instagramdame zu werden...

Fußball. Fußball tut weh. Oder eher gesagt tut es weh dem SV WERDER in der heutigen Zeit zugewandt zu sein. Aaaaaber da machste nüscht, das ist eben so. Irgendwann geht es bergauf. Ich bleibe dran. 

Serien. Wir haben "The Affair" geschaut. Der gute Joshua Jackson, in den ich nur miniminimal bei Dawsons Creek verknallt war, spielt mit. Aber die Darsteller sind generell allesamt Arschlöcher und Arschlöchinnen. Wenn das so sein soll, bitteschön. Absolut gelungen. Ich finde es komisch, wenn man niemanden mag. 

Dann sind wir gerade bei der neuen Nashville Staffel. I like bisher. 

Die neuen Grey's Folgen sind dagegen kotzepopotze. Gruselig. Ganz, ganz übel. Hoffe das ändert sich noch. 

Und dann noch zu guter Letzt ein totaler Unbeliebtheitskommentar meinerseits zu HONIG IM KOPF!
Herrschaftszeiten, was für eine schlecht gespielte, langweilige Geschichte. 
Emma Schweiger ist derart talentfrei. Diese einstudierten Mimiken. Schauderhaft. Dieser ewiiiiig öde und unpassende Soundtrack, meine Güte was bei Zweiohrhasen noch irgendwo ganz nett ist, wirkt hier so künstlich und deplatziert. 
Mir egal wieviele Menschen gerührt und begeistert aus den Kinosälen taumelten, ich finde ihn ganz schlecht (obwohl ich große Diddi-Fanin bin!) und möchte das hier keinem vorenthalten. 

Sonst noch was? 

Ne, genug für heute. 
Das muss ja alles erstmal gut verdaut werden, nicht? ;)

Ich starte meinen persönlichen Countdown bis zu den Ferien (noch 7 Schultage, YEAH!) und verabschiede mich mit einem klassischen WINKE WINKE aus der Molekülwelt. 

Kommt bald wieder!

Eure Penny, deren Haare auf dem Lehrerjahresfoto verdammt nochmal ORANGE leuchten, aber was soll's! ❤️


*jegliche Namen sind frei erfunden. Die Geschichten hingegen nicht. 









Mittwoch, 16. September 2015

Herzflut

Nur kurz, weil's gerade echt irre ist. Also irrer als eh schon irre. 

Er spricht. 
Nach wochenlangem Mamamamamamama, schaut er mich an und sagt: "Mama!"
Wenn ich in die Küche gehe und er hinter mir herkreischt, sagt er ebenfalls: "Mama!" (und flippt solange ab, bis ich zurückkomme).

Und nach gestern noch zaghaftem "Baaaaabaaaaaa!", kam eben ein doch deutliches "Papa!", während er selbigen von meinem Arm aus anschaute und ihm zu"winke winkte".

Mir ist das jetzt egal, ob bewusst oder unbewusst, denn es sind zwei Wörter. Die ersten seines Lebens. Mit seiner kleinen Babyjungenstimme gesprochen. 
Und sie bedeuten ALLES! ❤️

Ich muss mein überflutetes Herz kurz in der Badewanne auskippen!

 Danke für eure Aufmerksamkeit und ja: mit IRRE ist selbstverständlich die Anstalt gemeint. Sehr bald mehr...

Eure voll irre Penny ❤️

Sonntag, 6. September 2015

Just another love letter

Kleiner Minimolekülmann,

der beste, süßeste, charmanteste, wundervollste, perfekteste, lustigste, cleverste, neugierigste, liebevollste, eigensinnigste, charakterstärkste, coolste und einzigartigste Babymann, der du bist, 

seit 9! Monaten hast du den Molekülplaneten aus seiner gewohnten Umlaufbahn gehebelt, damit er Neues kennenlernen durfte. Du katapultiertest uns in Sphären von denen wir zuvor nicht mal ahnten. 
Und nun sitzen wir zu dritt in unserem Raumschiff und du hinterlässt deine molekulargeladenen Spuren im Weltraum. Unvergesslich. Unvergleichlich. 

Ich kann dir nicht sagen wie sehr mein Herz mit Liebe für dich überschwappt. 
Ich kann nur versuchen dir das Tag für Tag zu zeigen. In jeder Sekunde unseres Zusammen seins. 

Was du in den letzten Monaten alles gelernt hast, ist ein Wunder. 
Mit deinen Zähnchen knabberst du gerne an allem. Alles, was wir essen, magst auch du haben. 
Derzeit - neben deinem Mittagsbrei, dem Obst und dem Abendbrei - liebst du es Banane und Brötchen zu mampfen. 
Du bist ein wahrer Genießertyp und zelebrierst die Mahlzeiten mit uns gemeinsam am Tisch. 
In deinem Hochstuhl bist du der King. 

Du kannst dich nicht nur superschnell fortbewegen, gehst an alle Schränke und Schubladen und sitzt und wendest dich so flink, als hättest du nie etwas anderes gemacht, sondern du stehst. Seit einer Woche ist nichts mehr spannender für dich als dich überall an allem hochzuziehen. Und da steht nun der kleine Minizwerg, der doch eben noch behütet in meinem Bauch kickte, es ist unfassbar. 

Du spielst gerade mit Vorliebe Ball und verstecken. Das findest du so faszinierend, dass du dabei laut lachst. 
Auch deinen Miniholzhammer findest du super, vor allem wenn du alles damit vermöbelst, was nicht wegrennen kann. 

Du streckst deine Ärmchen aus und zeigst ganz deutlich, wenn du auf unseren Arm willst. Manchmal verweilst du dort minutenlang, es kann aber auch nur ein Sekundenkuscheln sein, denn es gibt sehr viel für dich zu entdecken. 

Die verbotenen Steckdosen sind zwar gesichert, aber sie reizen dich dennoch so sehr, dass wir dich immer und immer wieder von ihnen wegholen. Wenn wir: "Nein! Nein! Nein!" rufen, lässt du kurz von ihnen ab, schüttelst den Kopf...grinst und gehst sofort wieder dort hin. 

Du bist noch immer kein Schlafbaby. Schlaf ist für dich eine seeeeehr komische, suspekte Sache, weswegen wir drei nachts manchmal 2-3 Stunden Party machen. Das sieht dann so aus, dass du zur Partyankündigung den Schnuller rausplöppst (wenn er nicht schon vorher rausgeworfen wurde!), du im Dunkeln lachst und dann im Bett turnst. Und zwar nur mit Protest, wenn wir deiner Partyeinladung - schlaftrunken wie wir oft sind - nicht direkt folgen. 
Du machst dabei zur musikalischen Untermalung gerne (bis ALLES NASS IST) : "BRUUUUUUUMMBRUUUUUUUMMBRUUUUUUMM!" und quatschst und quietschst, weil es nachts nämlich voll supi ist! 

Besonders gerne winkst du. "WINKE, WINKE!" ist ein so niedliches Spiel. Wenn deine kleinen Händchen sich öffnen und schließen, geht mir das Herz vor Rührung baden. 

Überhaupt bist du weiterhin das freundlichste Wesen der Welt. Zumindest, wenn alles nach Plan läuft. Du bietest jetzt gerne deine Sachen (Danke...Bitte!) und auch dein Essen an. 
Du lachst laut, wenn man dich fängt oder wir tanzen oder wenn wir die Treppe runterlaufen und einer von uns "verfolgt" dich. 

Du begrüßt jeden Tag liebevoll Guybrush Threepwood, der im Flur hängt und tätschelst sein Gesicht wie das eines alten Kumpels. 

Wenn du etwas nicht möchtest oder etwas ganz Bestimmtes haben willst, dann machst du das sehr, sehr deutlich, indem du nicht Erbetenes lässig arrogant wegwirfst und Gefordertes mit einem Wutblick samt Gemecker "herbeizitierst".
Und auch, wenn sich das ziemlich zickig liest, so feiern wir genau das ab. Denn du kannst dich mittlerweile sehr gut ausdrücken, mit deiner Mimik und Gestik zeigst du uns ganz genau, wie du drauf bist und es ist wunderbar dich dabei zu beobachten, du kleiner Wutbolzen, du! 

Ich könnte noch so viel über dich schreiben, doch am Ende zählt nur eines:

Ich danke dir für diese Monate. Für dich, du perfektes Wunder. Für dein Theater beim Zähneputzen, für deine nassen Knutschis (ja, du lerntest schnell:)), für dein Nackenkraulen und Haare ziepen. 
Für deine Umarmungen, dein Ankuscheln und deine tiefen, blauen Kulleraugen mit denen du uns so durchdringend ansiehst. 

Deine dich liebende Mama ❤️





 

 




Donnerstag, 3. September 2015

VORSICHT: Es kommt eine fette, grüne Kröte vor

Meine "P**melklasse" (an dieser Stelle bitte ein hässliches Gelächter wie von  Baron Ekel von Etzmolch, dem Widersacher von Danger Mouse, dazudenken) hat sich über die Art einer meiner dort unterrichtenden Kollegen empört. 
Das können sie sehr gut. Also sich über Andere empören. 
Wie dem auch sei, heute fand ein Gespräch zusammen mit betreffendem Kollegen in der Klasse statt. 
Er erklärte seine Verhaltensweisen und Reaktionen auf das Verhalten einiger "Schäflein" und schaffte es so, dass sie ihn und seine zynische Art etwas besser verstehen. 
Dachten wir...

"Kennt ihr das Sprichwort <<Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch wieder heraus>>?"

"ECHOOOOOOOO!", brüllt einer. 

"Nun, so in etwa. Kannst du das nochmal etwas besser erklären?"

Er deutet zunächst auf sein linkes, dann auf  sein rechtes Ohr: "DA REIN! DA WIEDER RAUS!"


So sindse. ;)

Seid auf der Hut, wenn euch mit einer galanten Redewendung beeindrucken will! 

Eure Penny, die im GoT Guckwahn ist. ❤️


Dienstag, 1. September 2015

Kanacke heißt Mensch

Ich möchte mich nicht der aktuellen Flüchtlingsdebatte in meinem Blog entziehen. Ich möchte diese ekelerregenden Widerlichkeiten mancher Rechtsknallköpfe als eben solche entlarven. Ich möchte, dass ihr wisst, dass das braune Pack, welches ich als Gesindel, als Nichtsnutze der Gesellschaft tituliere, denn sie NUTZEN niemandem, verachte - und zwar abgrundtief- für das was sie sind. Für das was sie tun. 
Denn sie tun nichts für ein solidarisches Miteinander. 
Sie hassen und hetzen, sie rufen ihre Dummheiten via klassisch-stumpfen Stammtischparolen in die Welt und ich werde nicht verstummen und dabei zusehen. 

Ich werde hier an dieser Stelle: "HALT! STOPP!" brüllen. Ich werde mich ganz öffentlich positionieren, indem ich euch von meinem Leben erzähle. Von meiner Arbeit, die davon geprägt ist, dass ich Tag für Tag mit Menschen arbeite, die geflohen sind. Die politisch verfolgt wurden, in deren Heimatland Krieg herrscht und deren Familien zersplittet sind. Die sich hier in einer ihnen völlig fremden Kultur auch so oft ängstigen, sich aber dennoch mutig durchs Leben kämpfen, die Schule besuchen und irgendwie versuchen durchzukommen. Die traumatischen Erlebnisse begleiten sie wie Dämonen Tag für Tag. Und nachts, so erzählen sie, ist die Dunkelheit kaum auszuhalten. Denn sie macht furchtbare Angst. 

E ist seit vier Jahren in Deutschland. Es hat einen ganzen Monat Reisezeit gedauert, bis er über viele Umwege (undv ebenso viele Länder) von Afghanistan hier herkam. Erschöpft, verängstigt und mutterseelenallein, denn die Eltern entschieden ihr Hab und Gut zu opfern, um dem Sohn die Option auf ein Leben in Frieden ermöglichen zu können. 
E hat eine Schwester. Sie blieb in Kabul bei den Eltern in der Lehmhütte. Vorletztes Jahr starb sie. Sie starb an einer Kohlenmonoxidvergiftung im Schlaf, weil sie in der Hütte im Winter zu nah am Kamin lag. E konnte sich nicht von ihr verabschieden. Konnte weder seine Eltern noch sich selber bis heute trösten. 
Er lebt in einem Wohnheim und versucht sein Bestes zu geben. 

A trägt jeden Tag ein gebügeltes Hemd, eine schicke Hose, blank geputzte Schuhe. Er hat noch nie gefehlt ohne mir vorher Bescheid zu geben, welchen Termin er hat. Er hat noch nie aus Krankheitsgründen gefehlt. Er tritt jedem gegenüber sehr wohlerzogen auf, macht immer seine Hausaufgaben und bemüht sich ehrgeizig die deutsche Sprache korrekt zu erlernen. 
Man merkt ihm nicht an, dass er weitere fünf! Geschwister hat. Dass er mit seiner Familie (immerhin stolze acht Personen) in einer winzigen Notunterkunft untergebracht ist, würde niemandem auf dem ersten Blick auffallen. Dass er erst seit zwei Jahren hier lebt und eine schlimme Tortour hinter sich bringen musste, um die Heimat, den geliebten und so tragisch unsicheren Kongo verlassen zu können, ahnt man nicht, wenn man sich nicht die Mühe macht mit ihm zu reden. Seine 16 Jahre alten Augen füllen sich mit Tränen, wenn er davon berichtet was war. Was er erlebt hat. 

Ich könnte hier an dieser Stelle beliebig weiterschreiben, denn die Zahl derer, die fliehen mussten und es glücklicherweise schafften, ist an unserer Schule groß.

Jeder von ihnen hatte schlimme Gründe weswegen er oder sie seine/ihre Heimat verließ. Niemand von ihnen hat Zuhause in Gold gebadet und ein sicheres Plätzchen zum simplen Dasein gehabt. 
Denn wer verlässt schon das eigene Land - dass ihm Bekannte - freiwillig, wenn es dort friedlich zugeht? 
Wer? 


Jeder, der auch nur ein menschliches Gen in sich trägt, sollte sich die Mühe machen und die Dummschwätzereien, die braunen Lügen, die Hetze und Gewalt öffentlich anprangern. 

Wir sind viel mehr Menschen mit Herz, als jenes Pack der verlorenen Seelen. 
Wir sind viel mutiger, weil wir unsere Arme öffnen und das Fremde Wilkommenheißen, anstatt die mit einem Hakenkreuz tätowierten Arme zu verschränken, wie die "Nichts gegen, aber..." Pannemänner und -frauen. 

Und wer demnächst wieder einen dieser klotzhohlen Einzeller-Spezies schwätzen hört: "Also diese vielen Kanacken [...]",möge einen Moment innehalten und  dann Folgendes tun: 

Baut euch milde lächelnd vor eurem intellektuelle unterlegenden Gesprächspartner auf, schaut ihm tief in die Augen und sagt: "Kanacke heißt MENSCH!"
Dreht euch dann um, lasst das Pantoffeltierchen in Menschengestalt LINKS liegen und geht forthin. 

Eure Penny, die ziemlich wütend ist. ❤️




Montag, 24. August 2015

P*MMELLING - Was für ein Ding

Hallihallo, ich melde mich auch mal aus meinem Moloch.

Und ja, es ist nicht über- sondern eher untertrieben, wenn ich das Wort Moloch verwende.
Die Schule, diese Lehranstalt, die zerrt gerade ein wenig an meinen Nerven und zwar so konsequent, dass die sechs freien Wochen wie weggeblasen sind. Also sowohl in meinem Hirn als auch körperlich vom Erholungsfaktor betrachtet.
Beim Schreiben des Wortes "weggeblasen" ertappe ich mich dabei, wie ich grenzdebil lache und dabei ein dümmlich-scheles "Hööööööhöööööö-GE-BLAAAAAA-SEN" kichere, weil es verdammt nochmal einfach abfärbt, was die da mit mir treiben.

Aber lest selbst...

Ein Tag in der Anstalt.

7:45 Uhr: Unterrichtsbeginn. Doppelstunde Deutsch.

Nach und nach trudeln die kleinen Frischlinge ein, ich erkläre nochmals geduldig, dass der Unterricht um 7:45 Uhr und nicht um 8:05 Uhr oder später beginnt.
Sie schauen verständnislos, sie zucken mit den Schultern. Sie haben ja alle gute und logische Erklärungen. Von "ich habe meinen Wecker nicht gehört" bis "die Bahn kommt erst um 7:45 Uhr" ist alles dabei. Wie immer.
Als um 8:15 Uhr mit einer Selbstverständlichkeit - nennen wir ihn - Leander hereinschneit, der mir mit dieser testosterongeschwängerten Arroganz entgegentritt und schmerzfrei sagt: "Ich habe meine Haare noch machen müssen", werde ich zum ersten Mal an diesem Morgen leicht böse.

Nachdem nun alle anwesend sind, klären wir die wesentlichen Fragen des heutigen Tages:

- Sind Sie verheiratet und ist Ihr Mann Deutschaaaaa?
- Ist Ihre Uhr äscht?
- Walaaaaaaa, wie alt sind Sie?
- Abba Sie haben noch kein Kind, odda?

Gegen 8:30 Uhr sind dann doch alle bereit ein wenig Deutschunterricht zu machen. Okay, alle bis auf Ömer. Ömer muss wissen, ob die Stunde "um dreißig nach" endet?
Ich erkläre Ömer, dass das jetzt keine Rolle spiele und klatsche mir in Gedanken so richtig derbe eine, weil ich ja schon das Bedürfnis verspüre ihm zu erklären, dass es keine "dreißig nach"-Uhrzeit gibt. Aber täte ich dies, wäre heute gar kein Unterrichtsstoff mehr möglich.

Ich bitte die Truppe sich mit Stift "keeeeeeeeeein Bleistift....Sami, DAS ist doch ein Bleistift....NEIN, du erkennst es daran, dass man den Bleistift wegradieren....neeeee....keinen Buntstift....ja einen Füller darfst du sehr gerne nehmen....ach, Fatih, ja Kugelschreiber geht auch...." und Papier "Ja, du darfst auch auf kariertem Papier schreiben, aber dann bitte ordentlich. Nein, ohne Linien und Kästchen möchte ich das nicht...neeee, du kannst jetzt nicht da mit dem Lineal Linien drauf ziehen, leih dir von jemand....Hammoud, du kannst doch nicht....Florian, jetzt gib ihm einfach seinen Stift wieder und Tom, du SETZT dich jetzt SOFORT richtig hin und nimmst die Füße vom Tisch, sonst haben wir gleich richtig Streit!" auszustatten und fange den Satz "Du kannst..." an, den Klaus-Mustafa mit "mir die Eier lecken" beendet.

-

Pause von 9:15 - 9:30 Uhr 

Um mein Pult versammeln sich drei Schüler. Der eine kennt mich noch vom letzten Schuljahr und muss unbedingt wissen, warum meine Haare jetzt "GOLD, Frau Herzmolekül, Sie hab´n GOLDHAAR" sind. Der andere entschuldigt sich für seinen Eierleck-Satz. Der dritte will einfach nur hören, dass er heute "BESTEEEEEER" war. "Ähm, Sami, du hast es bis zum Ende des Stunde nicht geschafft, dir einen Kugelschreiber zu besorgen und hast gar nichts mitgeschrieben!"
"Abba isch hab nisch gestört!"

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Um 9:30 Uhr hechte ich in die nächste Klasse. Wieder Doppelstunde Deutsch.
Doch zunächst müssen wir was klären. Der Mathelehrer hat sich bei mir beschwert. Da ich die Klassenleitung der 27 dynamischen Kinderlein habe, muss ich schimpfen.
"Herrje, wieso, sagt es mir, WIESO malt ihr immer Peni**e auf die Tafel?"
Die Pubertären kichern. Einige wenige sind peinlich berührt.
"Leute, ICH weiß wie die Dinger aussehen. Euer Mathelehrer sowieso. Und ich bin sehr, sehr traurig darüber, dass ihr das NICHT zu wissen scheint. Aber ich schwöööööööre, Peni**e wachsen nicht, wenn man riesige Kaktusdinger an eine Tafel malt. Kein Voodoo. Kein Zauber. Habt Geduld und der heilige Penissimo wird euch heimsuchen (oder auch nicht!)"

Jetzt versichern mir alle, dass sie das ja definitiv gar nicht waren.

Das abfotografierte Tafelbild sagt was Anderes. Was äußerst Pimm*liges nämlich.

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11 Uhr Pause

Ich benenne Pause in unterrichtsfreie 15 Minuten um. Und muss Pipi. Dringend. Kurz überlege ich die kompletten 15 Minuten im Klo versteckt zu verbringen, doch draußen höre ich "Frau Herzmoleküüüüüüüüüühüüüüüüüüüül, DIE ist da drinnen!"
Seufzend und mittlerweile echt mit Migräne im Anflug begrüße ich zwei zauberhafte Wesen: "Isch brauch DRINGEND Schulbescheinigung!" und "DVG! Sie müssen unterschreiben! SOFORT!"

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11:15 Uhr - 13 Uhr - Allroundstunde --> Stützkurs Deutsch bei den verwirrten Seelen

Günter hat ein Problem. Das sah der Jugendrichter ähnlich, definierte es aber mit dem Worten "Intensivstraftäter - Jugendknast oooooooooooder gaaaaaanz weit weg und zwar gaaaaaaanz lange!"
Günters Anwalt beriet ihn "gaaaaaaanz weit weg" sei doch besser und so flog er für knapp 2! Jahre nach Afrika um dort in einem Dorf Sozialstunden zu leisten. Auf einer Farm. Sozusagen eine reale Form von "den schlechtesten Eltern der Welt"!
Nun ist Günter 17 Jahre alt, frisch back in town und hat ein Ziel: Meine Kollegen und mich auf die Probe zu stellen. Vehement.

So machen wir heute eine Tabelle, in der wir Wortarten einsortieren. Zu guter Letzt soll jeder Schüler noch eigene Adjektive "Wiiiiiiiie Worte sind das, neeeeee?" und Verben "Das kannste tuuuuuuheeeeen" und Nomen "Naaaaaamenwörters" finden und ergänzen.
Nachtigall, ik hör dir trapsen, also: "Wir nehmen nur NORMALE Wörter. Nichts Versautes oder sonstwas Blödes!"
Alle sind emsig dabei, nur Günter bereitet mir Sorgen.
Also bewege ich mich in seine Richtung, er sieht mich kommen und verdeckt sein Blatt.
"Was machst du da?"
"Nix!"
"Darf ich mal deine Tabelle sehen?"
"Nein", sprichts und verschränkt die Arme weiterhin.
Ich erhasche aber doch einen Blick, lese Wörter wie "*otze", "le**en" und so weiter und so fort.
"Günter", sage ich bestimmend, "pack mal deine Sachen zusammen und verlasse den Klassenraum!"

Er tut wie ihm geheißen, wohl ahnend, welche Konsequenzen nun auf ihn warten.

-
13 Uhr Schulschluss

Auf dem Weg nach draußen, liegt dort eine Geldbörse. Natürlich ist kein Geld mehr vorhanden, lediglich eine Bankkarte sowie ein Führerschein deuten auf den Besitzer. Der Führerschein jedoch ist mit schwarzem Edding bemalt. Der Name des Besitzers wurde umgestaltet und man muss keine großartige Schnüffelnase sein, um zu erahnen, dass es irgendwas mit "F*cker" oder "Schw*nz" ist.


Als ich nach Hause fahre, stelle ich fest: "Nichts gegen Penisse, aber das heute waren defintiv genug P*mmel. Die reichen eigentlich für´s gesamte Schuljahr!"


Lasst euch nicht nerven, schon gar nicht von Gesäßen oder anderen Organen ;)


Eure Penny, die hier layouttechnisch seit Tagen immer mal wieder herumbastelt, also nicht wundern, ja? <3 



*alle Namen sind frei erfunden




bgfyrxxveyrws<w  <---- das sind liebe Grüße vom Minimolekülmann, der entweder auf uns klettert, krabbelt, Schubläden und Regale ausräumt oder wahlweise lustige Hochzieh-Stehaktionen vollbringt und zwischendurch halt bloggt! :))))


 














Sonntag, 16. August 2015

The Dark Penny returns. Not.


Dass die Dienstleiter dieses Planeten mich ziemlich gerne vergraulen, ist wohl bekannt. 
Dass ich dennoch nicht viel - oder sagen wir langfristig- daraus lerne, blieb bisher unerwähnt. 

Und so kam es dazu, dass ich so kurz vor Ferienende die Schnauze voll hatte. Voll von meinen Haaren. Voll von deren Gerupftheit. Und auch voll von der Farbe. 
Ich wollte was Neues. Was Anderes.
Ich wollte, dass die Friseurin eine wahre Künstlerin ist, die zu mir sagt: "Aber Penny, dein gerupfter Haarverlust oben an den seitlichen Stirnpartien, den mache ich dir wett. Das ist kein Problem!"
Denn es war so, dass ich Haare verlor. Von jetzt auf gleich. Ein gutes halbes Jahr  nach der Geburt des Minimoleküls, nach dem vollständigen Abstillen, da kam er. Gewaltig. Und wahnsinnig extrem. Büschelweise. Es war zum Haare raufen, wenn denn da noch welche zum Raufen gewesen wären. Dünn und gerupft lagen sie so herum und ich begann sie insgeheim sehr zu verfluchen. Wo waren der Glanz, das Dauerperfekte-Liegen und das Volumen? Ich kann ja nicht nur dauerschwanger herumrennen, um diesen Zustand zu erhalten. 

Jedenfalls machte ich einen Termin und ging zum Friseur. 
Ich warnte vor, dass ich bisher immer schluchzend einen Salon verließ, untermalte dies mit ängstlichem/furchterregendem Rehaugenblick ("Es ist immer gaaaaaanz, gaaaaanz schrecklich ausgegangen. Also für die Friseurin. Und für mich war es auch nicht leicht...") und die Haarkünstlerin verstand. 

So färbte sie ausgiebigst durchdiskutierte Farbe und schnitt!
Ich fragte sie beim Herauswaschen, wie denn so das Ergebnis sei und als sie erst zögerte und dann kurz und knackig "HELL!" antwortete, war mit klar, dass sie da gerade einen Satz nicht beendet hatte: "HELL YEAH! Du wirst mich töten. Wie all die Anderen vor mir. DAS ist mein ENDE. HELL YEAH!"

Ich spitzte die Lippen, denn die Position nach hinten mit dem Kopf gelehnt am Waschbecken zu liegen und einem Haarteufel, der sich vor Angst vielleicht ausmalt, dass man es ja nach einem Unfall ("Sie saß da so und machte eine ganz komische Bewegung und dann machte es KNACKS und das Genick war durch. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte...Es ist schrecklich!") aussehen lassen könnte, ausgeliefert zu sein, ließ mich vorsichtig vorgehen. 

Mit dem Turban auf dem Kopf geleitete sie mich zurück zum Platz. Mit dem Spiegel. Dem GROßEN! 
Sie trocknete die Haare mit dem Handtuch und das, was ich da sah, war eigentlich völlig normal und erwartet. 

"Wir fönen erstmal trocken", sprach sie hektisch, "ich hatte letzte Woche Ähnliches!"
"Häääh?" Meine Hirse ratterte und knatterte. 
"Das kann man nochmal drüberfärben!"
"Ja, herrje, sieht es so schlimm aus?"
Der Blick in den Spiegel war ungewohnt, der Schnitt war super, die Farbe war mir nicht unbekannt, so trug ich sie vor zwei Jahren fast ein Jahrzehnt. 
"Wir müssen das gleich mal im Tageslicht draußen sehen!"
Irgendwas war komisch an der Situation. Ich, die doch immer unzufrieden mit den Haarergebnissen war, war auf den ersten Blick total zufrieden (wenn es auch ungewohnt war!) und die Haarefrau wollte mich verunsichern. Oder sie wollte es nicht, aber machte es unbewusst, indem sie mir durch die Blume sagte: "Boar, sieht das scheisse aus."

Also wanderten wir in die Sonne. 
Sie hielt mir einen Spiegel hin und ich schüttelte den Kopf wie ein Haarshampoomodell. 
"Alsoooo ich finde es..."
"Ja, wir können nochmal drüberfärben!"
"Ääh. Wieso? Ich wollte gerade sagen, dass es mir gefällt!"
Sie schaute mich ungläubig an. 
"Finden Sie es denn so ungelungen?"
"Also..."

In dem Moment beschloss ist die Sache nun zu beschleunigen. Ich versicherte ihr, dass es mir gefiele, sie wiederrum versicherte mir, ich könne JEDERZEIT wiederkommen, denn dafür wäre sie da und dann würden wir nochmal färben und jetzt weiß ich zwar nicht, ob sie einen totalen Fusch gemacht hat, aber da die Farbe noch immer so aussieht und ich mich noch immer sehr wohlfühle, belassen wir es dabei, dass ich das erste Mal in meinem Leben zufrieden aus einem Friseursalon entschwand, währenddessen eine Friseurin sich vermutlich noch immer Abend für Abend in den Schlaf weint und bibbernd vor Angst in ihrem Laden steht, denn es könnte diese Penny doch wieder zurückkehren...


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Wir halten fest: Das mit dem Dienstleistungssektor und mir, das passt einfach irgendwie nicht zusammen. 


Ich kehre die Tage wieder mit einem Festival der guten Laune zurück, ich muss nur "verdauen", was uns da dieses Jahr an Schüler"potential" (höhö) geliefert wurde. 

Eure totaaaaaaal mutige NEUE-HAARE-Penny


❤️