Dienstag, 1. September 2015

Kanacke heißt Mensch

Ich möchte mich nicht der aktuellen Flüchtlingsdebatte in meinem Blog entziehen. Ich möchte diese ekelerregenden Widerlichkeiten mancher Rechtsknallköpfe als eben solche entlarven. Ich möchte, dass ihr wisst, dass das braune Pack, welches ich als Gesindel, als Nichtsnutze der Gesellschaft tituliere, denn sie NUTZEN niemandem, verachte - und zwar abgrundtief- für das was sie sind. Für das was sie tun. 
Denn sie tun nichts für ein solidarisches Miteinander. 
Sie hassen und hetzen, sie rufen ihre Dummheiten via klassisch-stumpfen Stammtischparolen in die Welt und ich werde nicht verstummen und dabei zusehen. 

Ich werde hier an dieser Stelle: "HALT! STOPP!" brüllen. Ich werde mich ganz öffentlich positionieren, indem ich euch von meinem Leben erzähle. Von meiner Arbeit, die davon geprägt ist, dass ich Tag für Tag mit Menschen arbeite, die geflohen sind. Die politisch verfolgt wurden, in deren Heimatland Krieg herrscht und deren Familien zersplittet sind. Die sich hier in einer ihnen völlig fremden Kultur auch so oft ängstigen, sich aber dennoch mutig durchs Leben kämpfen, die Schule besuchen und irgendwie versuchen durchzukommen. Die traumatischen Erlebnisse begleiten sie wie Dämonen Tag für Tag. Und nachts, so erzählen sie, ist die Dunkelheit kaum auszuhalten. Denn sie macht furchtbare Angst. 

E ist seit vier Jahren in Deutschland. Es hat einen ganzen Monat Reisezeit gedauert, bis er über viele Umwege (undv ebenso viele Länder) von Afghanistan hier herkam. Erschöpft, verängstigt und mutterseelenallein, denn die Eltern entschieden ihr Hab und Gut zu opfern, um dem Sohn die Option auf ein Leben in Frieden ermöglichen zu können. 
E hat eine Schwester. Sie blieb in Kabul bei den Eltern in der Lehmhütte. Vorletztes Jahr starb sie. Sie starb an einer Kohlenmonoxidvergiftung im Schlaf, weil sie in der Hütte im Winter zu nah am Kamin lag. E konnte sich nicht von ihr verabschieden. Konnte weder seine Eltern noch sich selber bis heute trösten. 
Er lebt in einem Wohnheim und versucht sein Bestes zu geben. 

A trägt jeden Tag ein gebügeltes Hemd, eine schicke Hose, blank geputzte Schuhe. Er hat noch nie gefehlt ohne mir vorher Bescheid zu geben, welchen Termin er hat. Er hat noch nie aus Krankheitsgründen gefehlt. Er tritt jedem gegenüber sehr wohlerzogen auf, macht immer seine Hausaufgaben und bemüht sich ehrgeizig die deutsche Sprache korrekt zu erlernen. 
Man merkt ihm nicht an, dass er weitere fünf! Geschwister hat. Dass er mit seiner Familie (immerhin stolze acht Personen) in einer winzigen Notunterkunft untergebracht ist, würde niemandem auf dem ersten Blick auffallen. Dass er erst seit zwei Jahren hier lebt und eine schlimme Tortour hinter sich bringen musste, um die Heimat, den geliebten und so tragisch unsicheren Kongo verlassen zu können, ahnt man nicht, wenn man sich nicht die Mühe macht mit ihm zu reden. Seine 16 Jahre alten Augen füllen sich mit Tränen, wenn er davon berichtet was war. Was er erlebt hat. 

Ich könnte hier an dieser Stelle beliebig weiterschreiben, denn die Zahl derer, die fliehen mussten und es glücklicherweise schafften, ist an unserer Schule groß.

Jeder von ihnen hatte schlimme Gründe weswegen er oder sie seine/ihre Heimat verließ. Niemand von ihnen hat Zuhause in Gold gebadet und ein sicheres Plätzchen zum simplen Dasein gehabt. 
Denn wer verlässt schon das eigene Land - dass ihm Bekannte - freiwillig, wenn es dort friedlich zugeht? 
Wer? 


Jeder, der auch nur ein menschliches Gen in sich trägt, sollte sich die Mühe machen und die Dummschwätzereien, die braunen Lügen, die Hetze und Gewalt öffentlich anprangern. 

Wir sind viel mehr Menschen mit Herz, als jenes Pack der verlorenen Seelen. 
Wir sind viel mutiger, weil wir unsere Arme öffnen und das Fremde Wilkommenheißen, anstatt die mit einem Hakenkreuz tätowierten Arme zu verschränken, wie die "Nichts gegen, aber..." Pannemänner und -frauen. 

Und wer demnächst wieder einen dieser klotzhohlen Einzeller-Spezies schwätzen hört: "Also diese vielen Kanacken [...]",möge einen Moment innehalten und  dann Folgendes tun: 

Baut euch milde lächelnd vor eurem intellektuelle unterlegenden Gesprächspartner auf, schaut ihm tief in die Augen und sagt: "Kanacke heißt MENSCH!"
Dreht euch dann um, lasst das Pantoffeltierchen in Menschengestalt LINKS liegen und geht forthin. 

Eure Penny, die ziemlich wütend ist. ❤️




1 Kommentar:

  1. ich drück dich meine liebe Penny.
    Ängste und Befürchtungen darf man durchaus haben - Veränderung liegt nicht jedem aber das was das braune Pack da regelmäßig rauslässt hat damit nichts zu tun und widerspricht jeder Logik.
    Wir sind alle Menschen BASTA!
    Bei uns in der Straße soll im Dezember auch eine Auffangstation kommen - ich bin mal gespannt ob die Legidas dann auch da lang maschieren werden...
    Es gibt auf jeden Fall mehr Menschen mit Herz - nur sollten sie sich öfters zu Wort melden...
    ich drück dich einfach nochmal!
    LG

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