Sonntag, 30. März 2014

Herzkompass/Jugendmoleküle

"Hey, heute ist wieder einer der verdammten Tage, die ich kaum ertrage und mich ständig selber frage, warum mich alle diese Gefühle plagen"

Während ich diese Zeilen schreibe, stehe ich übrigens rappend um eine brennende Mülltonne. Dabei trage ich einen meiner grauen Vespa-Hoodies, lässige Turnschuhe und habe ein Independence Skateboard unterm Arm. 
Okay, letzteres ist wirklich erstunken und erlogen. Erwischt. Aber der Rest, ja der stimmt natürlich. So etwas Abwegiges kann man sich nicht einfach ausdenken. 

Früher bin ich gerne aus reinen Coolnessgründen mit einem echten Skateboard im Eastpackrucksack durch die Gegend gerollert. Aber weil mir das allein nicht als extrem lässig genug erschien, habe ich zusätzlich noch meinen "Affen mit Ohr ab" mitgenommen. Und das ging so:
Rucksackreißverschluss etwas auf, Affenkörper rein, Reißverschluss wieder zu und Affenkopf oben aus der Öffnung schauen lassen. Dann Rucksack auf den Rücken. Das Skateboard nehmen und es waagerecht hinterm Rücken durch die Rucksackträger stecken, sodass es links und rechts sichtbar war. 
Aber selbst das war nicht stylisch genug.  
Es folgte ein Halstuch (die blauen oder roten oder grünen, mit den weißen Mustern!), welches ich wie ein Bandit als Mundschutz trug. Das war allerdings nicht nur als Modeaccessoires dienend, sondern hielt auch tatsächlich die Kälte etwas aus dem Gesicht. 
Und dann ging die Fahrt los. Manchmal ohne richtiges Ziel. Ich sagte meinen Eltern meist:"Ich drehe noch ne Runde" und sie ließen mich mit meinen durchgeknallten 16 Jahren gewähren. 
Einmal musste ich einer Umleitung folgen. Aber irgendwie stresste mich das ziemlich, weswegen ich dann irgendwo im Nirgendwo stand. 
Es war das Zeitalter der Telefonkarten und Telefonzellen und als ich eine fand, rief ich meine Eltern an. Es war gegen 23 Uhr. 
Ich erklärte meiner Mutter im verzweifelten Ton, dass ich mich verfranst habe. Ich hörte schon im Hintergrund meinen Vater toben "Was hat sie jetzt schon wieder gemacht?", "Wo steckt sie denn ungefähr?"
Dann kam er ans Telefon und meinte, ich solle ihm mal sagen, wo ich denn so ungefähr wäre. 
Der war vielleicht witzig. Wenn ich das gewusst hätte, was wäre der Grund gewesen meine Eltern nachts in Panik zu versetzen? Das erklärte ich ihm auch, mittlerweile in meiner pubertär gereizten und leicht arroganten Art. 
Er wollte das nicht verstehen und wurde immer saurer und lauter: "Penny!!!!! IST da IRGENDWAS? Ein Straßenschild? Ein Laden?"
Ich ließ den Hörer hängen, ging genervt einige Schritte von der Telefonzelle weg und sah nichts. "Nöö! Nichts! Da ist nichts! Wie komme ich jetzt nach Hause?"
Das fand mein Vater nun nicht mehr ein Fünkchen witzig. Vermutlich war es eine Mischung aus Sorge "Tochter allein verloren in der bösen Welt" und "Was zum Teufel denkt sie sich soll ich jetzt machen, wenn sie NICHTS sagt!"
Jedenfalls wurde das Gespräch dann auch prompt beendet; Telefonkarte leer!
Okay. Plötzlich fuhr ein Linienbus an mir vorbei. Ich hechtete auf meine blaue Vespa und klemmte mich an den Bus in der Hoffnung, dass er mich irgendwie zu einem bekannten Busbahnhof führen würde. Und das tat er und so kam ich letztlich Zuhause an. 
Meine Schwestern waren beide wach und meine Eltern beide verschwunden. "Die sind los, jeder in sein Auto, um dich zu suchen!"
Nach einer weiteren Stunde waren beide wieder zurück. 
Mein Vater war weiterhin stinkwütend, meine Mutter nur noch froh, dass ich zurück war. Sie lachte sich mittlerweile über meinen Orientierungsnichtsinn kaputt, während mein Vater nur ständig wiederholte:"UND da ruft sie an und sagt nichts. Gibt keinen Hinweis!"

Mein Vater war zwar wütend, aber er hat sich wie meine Mutter auf den Weg gemacht um mich zu suchen. Und letztlich konnte er nur nicht richtig zeigen, dass er Angst hatte und sich Sorgen machte. Genauso wenig wie er nicht zeigen konnte, dass er erleichtert war, als ich wieder Zuhause war. 
Heute verstehe ich das. Manchmal. 

Wenn ich mich heute verfahre, könnte ich es einfach haben und meine Google App befragen. 
Aber der einfachste Weg ist nicht der, der mir Sicherheit gibt.  
Statt mich der App zu bedienen, rufe oder spreche ich meinen Herrn Herzmolekül an. 
Und auch wenn er fragt, wo ich denn stehe und ich ihm wieder keine richtige Antwort geben kann, wird er mich suchen und finden. Wird er mich sicher nach Hause bringen. Ganz bestimmt. 
Und ich wünsche mir nichts mehr, als dass ich - trotz so schlechtem Kompass - sein Wegweiser bin, an dem er sich orientieren kann und immer nach Hause findet! 


Ich packe jetzt meinen Koffer und wünsche euch allen einen Kompass-Menschen für alle verwirrten Moleküle zur Seite! 

Penny

P.S.: Gutes Spiel, besonders Herr Prödl! Yiiiihaaa! 😃





Freitag, 28. März 2014

Brecht für alle. Und für mich einfach nur weiterhin Taubheit im Ringfinger. Danke!

Also:
Der Abendunterricht wurde überlebt. 
Nicht, dass ihr mich falsch versteht, gerade diese Klassen (die neben ihrer Ausbildung noch 1x wöchentlich abends kommen um ihre Fachhochschulreife zu bekommen) sind oft toll. Und manchmal auch eine notwendige Abwechslung zu meinem zwar wirklich schönen, aber auch sehr anstrengendem Tagesunterricht. Letztens konnte ich sogar eines meiner Lieblingsbücher, den "guten Menschen von Sezuan" dort mit Begeisterung besprechen.  
Aber ich bin donnerstags nicht hochmoviert, wenn ich erst bis halb drei in der Anstalt unterrichte, kaum Zuhause meinen Kaffee auf der Bank geschlürft habe und dann auch schon wieder zurück muss. 

Apropos gute Menschen und so. 
Spannendes Thema. Denn gestern habe ich doch mal wieder erleben dürfen, dass das Ergebnis und Seelenheil doch eine sehr untergeordnete Rolle in manchen "Instituten" spielt.

Und das hat mich emotional ziemlich aufgeregt und ließ mich etwas toben. 

Aber wisst ihr was?
Mein Mann, dieser Schelm, der ist mein Anker. Und wenn der sagt: Alles okay. Alles wird gut, dann stimmt das auch. 
Und weil er das sagt, bin ich jetzt auch etwas runtergekocht! Aber menschlich...ne...also da bin ich wirklich enttäuscht! Und die Sache ist nun durch: mit uns nicht mehr! Paaaah! 

So, und weil ich ein unheimlich aufregendes Wochenende haben werde, so mit Gartenbeetbuddelei (mein Herzmolekülmann macht das schon!) und Sonnenblumensäerei, Indischspeiserei, Grillanwerferei (machen wir uns auch hier bitte nichts vor, das übernimmt auch der Gatte. Hau! Feuer machen ist ja sooooowas von reine Männersache), Fußballärgerei, Eisesserei und Packerei (drei Tage Klassenfahrt mit meinen Tages-What's Appern, da gibt es sicherlich lustige Blogeinträge!), muss ich mich jetzt hier höflich verbeugen und ein unfassbar schönes Wochenende in die Runde wünschen! 

Legt eure Herzmoleküle ruhig mal ein Stündchen in die Sonne. Die mögen das! 

Penny

Donnerstag, 27. März 2014

Möchte ich nicht. Mag ich nicht. Mach ich nicht.

Nein. Nö. Nö. Ne. 
Ich fahre jetzt nicht los.
Will ich nicht. Ich bleibe hier. 
Tacker mich am Sofa fest. 
Werfe mich auf den Boden. 
Umklammere das Bein meines Gatten. 
Stöhne. Seufze. 
Drücke mir ein Kullertränchen aus dem Auge. 
Schluchze. 
Jammere. 
Klage. 
Und tobe. 
Aber auf!gar!keinen!Fall!setze!ich!mich!jetzt!ins!Phantom!und!fahre!zum!Abendunterricht. 
Nein. 
Ich bleibe! Hier!
Ich bin standhaft. 
Bockig. 
Mürrisch. 

Ich muss los. 

Mittwoch, 26. März 2014

Die Schlüpfrigkeit, die nichts mit dem Schlüpfer zu tun haben will!

Einer meiner Lieblingskollegen hatte einen Herzinfarkt. 
Das macht mich ziemlich traurig. 
Als ich es heute erfuhr, war ich erst einmal regelrecht entsetzt und fassungslos. 
Gerade er, der dynamische Sportlehrer, der Jogger, der Nichtraucher, der mehrfache deutsche - mittlerweile Senioren - Schwimmmeister, der mit seinen 59 Jahren so überaus fit erscheint, bekommt in seinem Auto nach dem Schwimmtraining einen Herzinfarkt. 
Da müssen die Herzmoleküle aber mehr als nur einen schlechten Tag erwischt haben. 
Was soll das bitte?
Fest steht jedenfalls, wenn der werte Kollege irgendwann wieder auf seinem Stammplätzchen in unserem Zweitwohnzimmer (wir nennen unser Lehrerzimmer liebevoll so) auftaucht, dann wird es hier keine Leckerlis mehr von der Penny geben. 
Ne, dann entfallen Kinder Pingui Naschanfälle für den Gutesten, ebenso wie es keine Kuchenstücke oder Weingummiangriffe mehr geben wird. 
Ich bringe ihm stattdessen dann einen drögen Reiscracker mit. Oder lasse ihn an einer trockenen Dinkelstange knabbern. 
Und dies nicht um ihn zu ärgern, sondern damit seine Bauchmoleküle so richtig angefressen sind. Und die können sich dann bei den Herzmolekülen, diesen kleinen elenden Versagern, beschweren. 
Mir ist das schnuppe. So geht es mal nicht! Nicht mit mir!

Und damit ihr jetzt nicht alle so bedröppelt und mitgenommen hier zurückgelassen werdet, schenke ich euch noch einen dieser ganz zauberhaften Unterrichtskurzdialoge (am Stundenende). Heute mal mit einer ganz aus Versehen schlüpfrigen Penny! 

"Frau Herzmolekül, darf ich schon mal mein Handy rausholen?"
"Solange du mich nicht fragst, ob du was Anderes hier rausholen darfst, meinetwegen!"

Stille. Grinsen. Oooops! 

Passt auf eure Moleküle gut auf. Die können manchmal echt verdammt dreist sein. 
Penny

Dienstag, 25. März 2014

Biete nackigen Molekültanz, erwarte Fakten!

Ich ziehe jetzt sooooo lange ne Schippe, bis sich irgendwer von denjenigen Lesern unter euch erbarmt und mir mein neuestes Bloggerproblem, welches mich fassungslos und wie gesagt ne Schippe ziehend schon den halben Tag beschäftigt, löst:

Ich gehe ins Layout. Nehme da das Gadget Blog-Liste, füge dort meine Leseblogs ein und die werden dann allesamt komisch gelb markiert, sind zwar da, aber sobald ich auf speichern klicke und sie auf meinem Blog anschauen möchte, sind sie weg!

Wieso ist das so?
Was mache ich falsch?
Warum geht das nicht? 

Also: Hüüüüülfe! 

Es bedankt sich jetzt schon mit einem nackigen Molekültänzchen

Die Schippe ziehende Penny, die wegen des einzigartigen SV Werder ohnehin schon schwer bestraft und schmollend ist! 

Dass mein linker Ringfinger taub ist, hat rein gar nichts mit Arschloch sein zu tun!

Du könntest mich heute fragen wie es denn in der Schule war?

Und dann könnte ich antworten:

Also zuerst musste ich Kollegen S in einer Klasse des 2. Ausbildungsjahres vertreten.
Die Kollegen im Lehrerzimmer, die das mitbekamen, hatten ein mitleidiges "Viel Spaß" oder ein Stirnrunzeln für mich übrig, andere zuckten nur mit den Schultern und zeigten mir ganz deutlich:"Gut, dass DER Kelch an mir vorbeigegangen ist."
Einer meiner Lieblingskollegen nahm mich beiseite und warnte mich:"Penny, die sind DIE Hölle!"

Eigentlich stehe ich auf solche "Vorwarnungen" überhaupt nicht. Ich möchte unbefangen und möglichst neutral in solche Klassen gehen können. Das macht alles immer von vornerein kompliziert. Und dies oftmals auch unnötig.
Also ging ich trotzdem frohen Mutes Richtung Klassenraum.
"Ooooohlaaalaaaaaaa...ey, können Sie uns Raum aufmachen?"
Klar konnte ich. Und ich fügte noch hinzu, dass ich sogar mit ihnen in selbigem etwas Zeit verbringen würde.
Is´S. nisch da?
Ne, war er nicht. Deswegen war ich es ja.
Kaum waren wir im Klassenraum, wurde gegrunzt und gegröhlt "Voll die Frau hier heute!"
Ja, echt voll krass so eine Frau. Da gebe ich euch recht. Man muss sich erst einmal sammeln.

Dies macht man übrigens üblicherweise am ehesten, wenn man direkt mal einige elementare Fragen loswird. Diese lauten zu 99 Prozent immer: Wie alt sind Sie? Sind Sie verheiratet?
Heute wurden sie noch ergänzt, von einem meiner - wie sich später herausstellen sollte- liebsten neugewonnen Freunde: Was machen Sie, wenn ich Ihnen jetzt sage, dass meine Religion 88 ist und dass ich ein Nazi bin?
Dem Jungen, dessen Migrantionshintergrund unverkennbar war, antwortete ich wirklich ganz ehrlich. Ich erklärte ihm, dass er - wenn er denn so etwas äußern würde - von mir gesagt bekäme, dass dies eine sehr, sehr dumme Aussage wäre. 
Das fand der Schüler dann irgendwie nicht witzig und schrie auf, dass ich ihn beleidigen würde.
Auch mein Versichern, dass nicht ich das täte, sondern er das ganz alleine machen würde, ließ ihn nicht weniger unruhig auf dem Stuhl hin und her zappeln.

Ich sollte noch hinzufügen, dass die gesamte, anspruchsvolle Unterhaltung, weiterhin mit Gegrunze, Gegröhle und generell sehr eigenartigen (waren es Brunstschreie?) Geräuschen von etwa 10 richtigen MÄNNERN untermalt war. Wunderschön. Ich liebe ja diese musikalischen Begleitungen. Die machen einen Moment erst besonders.

Der kleine "meine Religion ist 88" Türke wollte im Verlauf der Stunde dann irgendwann versuchen weiteren Kontakt aufzunehmen. Ob dies daran lag, dass ich ihm letztlich ankündigte, dass sein Verhalten nicht dem eines 19jährigen, sich in Ausbildung befindlichen jungen Mannes, entspräche und ich ihn ganz schrecklich einfältig finde, sei dahingestellt.
Jedenfalls verkündete er mir irgendwann, dass er bald Vater werden würde. Augen reiben. Durchatmen. Nochmal Augen nachreiben. Ähm, das meinst du nicht ernst?
Er kramte ein Ultraschallbild hervor. Und ich fragte nahezu hypnotisiert, wann es denn so weit wäre.
"Im 6. Monat!"
"Ist deine Freundin im 6. Monat?"
"Im 6. Monat kommt mein Kind."
"Weißt du nicht, was der 6. Monat ist?"
"Nein."
"Kann es sein, dass du im Juni Vater wirst?"
"Wenn das der 6. Monat ist, ja!"
Ich verabschiedete mich aus dieser Klasse mit den Worten, dass hier sicherlich zwischendrin ganz nette Menschen sitzen würde, ich aber zutiefst dankbar bin, dass ich das nicht konsequent erleben muss. Ich fand es besser direkt ehrlich zu sein und ihnen nicht im Nachhinein über die Klassenleitung dieses animalische unreife Verhalten vorzuwerfen.

Da machte es heute fast gar nichts aus, dass zwei Stunden später mein Lieblings-What´s Apperjunge (ihr wißt schon, der mit Schule ist besser und "isch hab Ausbildung!") mir stolz verkündete, dass er nun tätsächlich im achten Monat seine Ausbildung beginnen kann. 
Auch hier mahnte ich nochmal "Y, wir müssen echt dringend die Monatsnamen nochmal lernen. So, wie du das sagst hört es sich an als wenn du bald gebärst!"
Und es machte auch nichts aus, dass einer der Schüler in dieser Klasse - nennen wir ihn einfach den 24jährigen etwas zurückgebliebenen Cap-Träger - mir heute mehrmals erklärte, dass er sich ganz sicher sei, dass mein Mann ein ARSCHLOCH wäre.
Er fügte übrigens noch hinzu, dass Arschloch keine Beleidigung sei und er auch ein Arschloch zu Frauen wäre, während der Rest der Klasse beinahe auf ihn draufsprang und vehement schrie "Ey, du kannst sowas nicht zu Frau Herzmoleküls Mann sagen!"
Selbst als mein Kollege, der das ganze Spektakel im Vorbeigehen (wir haben oft die Türen offen) mitbekam dem "Kleinen" zur Hilfe eilte, um aus dem Redeschlamassel nochmal glimpflich zu entkommen, bestand er weiterhin darauf, dass viele Frauen auf solche Arschlöcher stehen würden. Aber, dass er nur ein kleines Arschloch meinen würde. (Entschuldigt, wenn ich hier so oft Arschloch schreibe, aber ich bemühe mich um einen authentischen Schreibstil).
Und was ist ein kleines Arschloch?
Das wollt ihr wissen?
Dann geht es euch so wie uns heute.
Definition:
"Ein kleines Arschloch schreibt nicht sofort zurück, wenn die Frau textet. Er lässt sich Zeit."
"Du meinst Männer sind unzuverlässig?"
"Nein, Männer sind Arschlöcher!"

Wie gesagt, ich könnte das dann erzählen.
Ich könnte stattdessen aber auch einfach sagen: Och, alles wie immer!


Heute schon ein Ar***loch gewesen? :)

Penny 


Montag, 24. März 2014

Der kleinste Schlitz im Fensterladen reicht/Für Wunder gibt es keineZeit

Manchmal muss man nicht wissen, dass alles gut werden wird. Oder kann.
Manchmal muss man sich nur die Mühe machen und den Vorhang ein klein Wenig mehr zur Seite schieben. Und dann geht man ganz nah an die Fensterscheibe, so nah, dass Nasenspitze und Stirn einen unerfreulichen, aber jetzt gerade so unsagbar notwendigen Dötschfleck hinterlassen. Denn nur so ist der Blick frei. 
Man kann dann die komische Alte, die tagein tagaus mit ihrem Gepäck die Straße entlangläuft ein wenig länger mit dem Blick verfolgen. 
Man hat mehr Zeit um ihren schlurfenden Schritt und ihre vom Alter gezeichnete Haut länger zu betrachten. 
Man hat einen Moment mehr, um sich in Gedanken zu verfangen, woher sie wohl kommen mag und wohin sie wohl so vollgepackt geht. Jeden Tag. Auf's Neue. 
Wenn man seinen Blick mitsamt der Nasenspitze etwas weiter unterhalb des Fensters richtet, dann kann man die in Kürze erblühende Lavendelpracht bestaunen. Man kann ihren Duft und die unzähligen Hummeln, die die Büschel bald gierig umkreisen werden, beinahe in der plattgedrückten Nase riechen. 
Und man kann in diesem Moment sagen, dass er so wie er ist, wundervoll ist. 

Manchmal muss ich nicht wissen, dass alles gut wird. 
Manchmal weiß ich einfach, dass es JETZT nicht nur gut, sondern schön und richtig ist. 
Und immer ist dann trotzdem natürlich sehr viel Zuversicht auf das was kommen mag tief im Herzen verankert. 
Aber das ist nicht beängstigend, sondern hinterlässt ein wohliges Gefühl der Vorfreude. Und es ist nicht spezifiziert. Nicht festgelegt auf den einen Moment. Nicht auf das eine Nun fixiert. 
Es ist eine gänzliche Freude auf all das weitere Schöne, was wir zulassen werden. 
Denn darum geht es doch letztlich immer:
Wie viel Glück und schöne Momente willst du deinen Herzmolekülen zumuten?

Ist es nicht viel mutiger an Träume und Wunder ganz fest, offensiv und bedingungslos zu glauben, als sich auf die finsteren Herzflecken zu konzentrieren? 
Ist es nicht viel riskanter auf das Glück zu vertrauen? Darauf zu setzen, dass auch an deinem und meinem Bahnhof, an der Endstation Sehnsucht der Zug einfährt und wir waghalsig auf einen seiner Wagons springen und versuchen einen der begehrten Sitzplätze zu ergattern?

Es ist mutig. 
Es ist das Mutigste und Gewagteste, was wir unseren Herzen zumuten können. 
Natürlich ist es das. 
Aber es ist auch der einzige wahrhaftige Weg, den ich immer gehen werde. 
Und dann werden wir dafür belohnt. 
So oder so. 

Freitag, 21. März 2014

Fluchtambitionen und der Karriereknick

Wenn ich schon anbiete vor dem Einschlafen noch einen Witz zu erzählen, dann sollte ich das beim nächsten Mal auch wirklich durchziehen.
Ich muss ernsthaft überlegen, ob meine Komödiantenkarriere eventuell etwas hochgegriffen ist.
Andererseits will ich ja kein Popsternchen werden. DAS wäre - so viel Selbstreflexion besitze ich wohl noch -  
tatsächlich etwas wahnsinnig.
Aber diese Stand Up Nummer, gut, heute war sie ja sowieso eher eine Lay Down Nummer, naja, daran muss ich noch etwas feilen. 
Leere Versprechungen...und selbst die enttäuschten Gesichter konnte ich nicht mehr sehen. Ich würde mein Eintrittsgeld zurück verlangen. Das habe ich denen aber nicht gesagt. Ne, ne, da muss man selber drauf kommen. 

Ich überlege mir nun also, ob und wie das mit meiner Gagleidenschaft weitergeht, werde dem Liebsten nun meine Vorstellung vom griechischen Abendessen gleich...Achtung: SCHMACKHAFT machen und lasse meinen schlaffen Körper weiter lässig auf der gemütlichen Couch herumlungern. 

Ach und lieber SVW: Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen, denn nachher bin ich topfit und beobachte dich! 

Ich wollt' ich wär ein Huhn,
ich hätt' nicht viel zu tun,
ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei. 


Mittwoch, 19. März 2014

Gib mir keinen Rat, gib mir 'nen Drink"/Am Anfang war das Ich

Während der *schmutzige_SMS_nicht_Vernichter Mann* neben mir ein Ründchen American Horrorstory schaut, nutze ich die Zeit für einen dieser Posts, in denen man so viel schreiben will und letztlich nicht weiß, was dabei rumkommt. 

Ich kann diese Horror Geschichten (wir sind gerade bei Staffel 3) gar nicht aushalten. Wenn ich dann nachts schon davon träume, also ne, da muss ich die Notbremse ziehen. 
Das ist da aber auch fies mit diesen Hexen und zusammengebauten Leichenteilen, die einen Busunfall-Jungen darstellen sollen...GRUSELIG!

Ich schweife ab. 
Denn das wirklich total absolut Aufregende, was sich heute ereignete, sollte noch erwähnt werden.
Ich habe es getan. 
Es war gar keine Überwindung nötig. 
Ich bin zum Kühlschrank. 
Habe die dort angebrachten Ruhrpott-Magneten freundlich angelacht, weil mir das das Gefühl vermittelte, dass es den Türmechanismus fast von alleine entriegeln würde (ähm, Moment, der Busunfall-Junge schleudert gerade seinen Kopf vehement gegen das Waschbecken. Blut. Überall Blut. Ich glaube das Hexenmädchen hätte ihn besser in seinen Teilen...ach, sorry, ich schweife wieder ab), ähnlich wie dem Sesam-öffne-dich-Ritual und solche Spinnereien finde ich manchmal ziemlich entzückend, und dann griff ich nach ihr. Sie war eiskalt. Es zischte beim Öffnen und ich trank und trank und setze erst wieder ab, bis sie leer war. 
Und jetzt kann ich ohne zu übertreiben ganz deutlich -ohne angeben zu wollen- behaupten: Ich habe mich gerade, völlig ausgeflippt und waghalsig wie ich nun mal bin, mit Vitamalz betrunken. Inklusive dezentem, aber aus tiefstem Herzen kommenden molekülgewaltigem und so gar nicht damenhaften Bäuerchen!
Und mein Herr Herzmolekül durfte das ganz exklusiv Live miterleben und hatte dabei eine Art von Bewunderung in seinem Gesicht, auch wenn er mir versicherte, dass das so gar nicht "ladylike" sei! Ich weiß, dass ich ihn damit beeindrucken konnte!

So, jetzt ist es raus, im wahrhaftigsten Sinne des Wortes! 
Tut mir leid, wenn ich jetzt die Damen und Anständigen unter euch pikiere, aber ich habe eine Theorie:
Man sollte sich beim ersten Date dieses ganze Chichi und Ooohoooo echt sparen. 
Als wir letzens unser Freitagsdate hatten und Essen gingen, saßen wir neben einem Pärchen, welches sein erstes Date hatte. Und wir kamen beide nicht umhin, dass wir lauschten. Und ganz ehrlich: Das war allein beim unbeteiligten Zuhören sooooo anstrengend.
"Magst du es scharf?"
"Ja, ich liebe es sogar! Kannst du auch kochen?"
"Ja, ich koche unheimlich gerne indisch!"
"Ich wusste gleich, dass wir viel gemeinsam haben!"

Am liebsten hätte ich denen gesagt: "Passt auf, Leute. Lasst dieses Geplänkel und geht stattdessen nach Hause. Nehmt euch auf dem Rückweg (neben der Flasche Champagner) noch jeder 0,5l Cola mit. Fahrt zu ihm oder ihr (je nachdem wo es UNORDENTLICHER ist), zieht euch splitterfasernackt aus und setzt die Flaschen gleichzeitig an. 
Und dann rülpst was das Zeug hält. Macht es inbrünstig, wetteifernd, mit Freude und Hingabe!
Dabei könnt ihr dann den Körper des Anderen ausgiebig inspizieren und dann macht ihr euch, wenn ihr euch nach den Bäuerchen jetzt wirklich richtig dufte findet, zunächst über den Champus und dann über euch her. Oder ihr macht beides gleichzeitig. Wie ihr mögt. Aber spart euch dieses Theater hier!"

Ihr mögt mich jetzt vielleicht für ziemlich rüpelhaft und unromantisch halten, aber da muss ich kurz meinen Finger heben und den Arm in die Luft strecken und ganz laut "Hier! Hier!" schreien, bis mich jemand dran nimmt. Und dann sage ich: Ne, ich bin wirklich ganz extrem romantisch veranlagt. Aber wirkliche Zuneigung und Liebe fängt doch erst dann an, wenn man die Hosen runtergelassen hat. 
Und dazu gehört auch mal ein Rülpser. 
Erst wer dann noch sagt: "WOW, grandios  und legendär "gesprochen", lass uns jetzt Liebe machen", der liebt. Bedingungslos! 

Deswegen plädiere ich für von Anfang an so sein, wie man ist-Dates!

Lasst eure Moleküle ruhig mal durchdrehen. Ob mit Vitamalz oder ohne. 

Penny


Dienstag, 18. März 2014

Donnerknispel, wenn der Wünschefrosch im Zwiespalt steckt

"Frau Herzmolekül, Sie sind verheiratet und haben noch keine Kinder, ne?"
"Das stimmt!"
"Wollen Sie denn welche haben?"
"Ja, klar."
"Aber Sie haben ja eigentlich uns. Da brauchen Sie doch keine eigenen Kinder!"
"Na ja, ihr seid ja schon groß, einige von euch regelrecht erwachsen!"
"Ich meine ja nur, können Sie bitte nicht in diesem Jahr schwanger werden? Das wäre ja blöd, wenn Sie dann nicht für uns da wären!"

...und so nett und liebenswürdig ich diesen egoistischen Wunsch auch finde, und so sehr ich mich auch davon geschmeichelt und herzgetäschelt und herrlich gefühlsmissbraucht fühle, so wunderschön finde ich auch den schelmischen Gedanken "Na, warte. Wenn's nach mir geht, erfülle ich dir diesen Wunsch eher nicht!"

Ich lächle in die Klasse:"So, Leute, holt das Politikbuch raus, wir starten!" und meine Moleküle tanzen! 

Montag, 17. März 2014

Lachmoleküle! 1kg frische Lachmoleküle. Treten Sie heran. Frisch geschlüpft. Ohne Zusatzstoffe.

What's App entpuppt sich gerade ein wenig als Running Gag auf diesem Blog. 
Aber was soll ich machen, als gute Komödiantin, die ich, wenn ich ganz groß und stark bin mal werden möchte, muss ich solche Dinge dann auch ausnutzen. 

Und deswegen präsentiere ich hier das, wovon die meisten von euch Lesern vermutlich nicht glauben konnten, dass es so ist. 

I proudly present einen soeben geführten Dialog, nachdem mich der Zögling heute Nachmittag leider vergebens telefonisch zu erreichen versuchte, da ich im Dienste der Wissenschaft "Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?" völlig unpässlich war.  

Und die Lebensweisheit und Erkenntnis, die in diesen kurzen Zeilen steckt, die zeigt mir mal wieder:

Schule ist eigentlich ganz cool. Auch für Schüler. 

Ach und zur heutigen Wissenschaftsfrage, ja, da schulde ich noch die Antwort:
Weder noch. Denn ich war zuerst da. Und dann das Ei. Und dann die Henne Tante Berta. Oder so. 


Was hat denn Stups, der kleine Osterhase, mit dieser Sache zu tun?

Meine Schwiegermutter: liebenswürdig. Ehrlich. Herzlich. Neugierig. Direkt.

Und so kam es dazu, dass sie - die überhaupt keine Ahnung von Dingen wie Mobiltelefonen oder sonstiger Technik hat - auf einen legendären Fund stieß: SMS zwischen Herrn Herzmolekül und mir.
Und dies nur, weil der Gatte seiner Mutter sein altes Telefon vermachte.
Und diese immer irgendwelche Dinge antouchte und so auf nicht gelöschte SMS-Verläufe stieß.

"Ich lese immer euer Liebesgeplänkel. Ich habe mal hier und da auf dem Display herumgewischt und plötzlich war ich in einem meterlangen SMS-Gespräch von euch! DAS wollte ich euch nur mal sagen!"

Dabei lacht sie sich kaputt, vermutlich eine Mischung aus "Hups, jetzt spricht hier der Wein wieder alles aus, was ich gar nicht laut sagen will" und "Endlich ist es raus. Wenn sie es wissen, kann ich weiter ungeniert dieser unterhaltsamen Lektüre nachgehen und brauche kein schlechtes Gewissen zu haben!"


Ich werde puderrot. Lache mich aber kaputt als sie hinzufügt:"Und Penny, mein Schatz, das tut mir leid, dass du nachts nicht schlafen kannst, weil du ihn so vermisst. DAS ist einfach wahre Liebe!"

Meister Herzmolekül bleibt gelassen.
In meinem Kopf geht es wild durcheinander:"Sie hat doch wohl nicht...oh mein Gott, sie kann doch wohl...da steht doch nicht etwa!"

Im Auto sage ich nachdem die Tür ins Schloss fällt: "Sag mal, du witziger Typ, wieso LÖSCHT DU so was nicht vorher?"
Er bleibt weiter ganz ruhig:"Ich dachte ich hätte das alles gelöscht. Ist doch egal!"
"Hallo???? Du weisst schon, dass wir uns auch gerne mal sehr heiße Dinge schreiben?"
"Ja, aber die stehen alle bei What´s App, nicht bei den normalen SMS. Und What´s App hat sie nicht!"

Ahhhhh ja. Da wissen wir jetzt Bescheid, nech?

Ansonsten muss ich sagen, dass mein Tischfeuerwerk gerade dabei war hochzugehen, als diese niederträchtige Person um die Ecke bog.
"Ach wie schön, die Fortbildung war schon zu Ende!"
Also ich habe das nicht begrüßt. Aber da kannste nichts machen.

Und dann wollte ich nur sagen: Die Tante Berta, die olle Henne, als die Stups, den Osterhasen versehentlich (oder eigentlich war es ja Absicht um ihn zu behüten) ihn begann auszubrüten, also ich verstehe die jetzt.

Ich brüte noch ein Ründchen weiter!

Ach, und ich vermisse ihn...aber das wisst ihr ja!


Gute Nacht

Penny




Freitag, 14. März 2014

Heute sind wir mal verrückt und hüpfen ohne Zott-Sahnejoghurt ins Weekend-Feeling

Wenn ich nicht in wenigen Minuten auf einer dieser ösigen oder nicht-ösigen Turnmatten meinen gebrechlichen Körper in die Hund-Krokodil oder Twistposition bringen würde...
Und wenn ich nicht dafür gleich beginnen müsste meine Kontaktlinsen in die Augen zu pfriemeln...
Und wenn ich nicht davor noch die restlichen Weingummis, die mich hier anlachen vernichten müsste...
Und wenn ich nicht zusätzlich an einer Art Frostschütteln leiden würde... 
Ja, wenn das nicht alles so wäre, wie es ist, dann würde ich jetzt sicher hochintelligente Dinge von mir geben und diese hier dann niederschreiben. 
Und dann müsstet ihr euch überlegen, ob ihr meine wirren Gedanken nun gut oder nahezu niederträchtig findet. 

Ich denke es würde in diesem Post dann um Menschen gehen. 
Insbesondere würde ich eine klitzekleine Party abfeiern (und mich dabei nicht lumpen lassen und ein gewaltiges Tischfeuerwerk hochgehen lassen) in Anbetracht der Tatsache, dass ich die "niedelichste" Person der Welt morgen NICHT ertragen muss. 

Aber da ich ja aus oben genannten Gründen gerade echten Stress habe (und  die Weingummis...Hey, nicht lachen! Was zum Teufel nochmal soll sonst gleich abtrainiert werden???), müsst ihr euch nur mit diesem kurzen, unnützen Post begnügen. 

Dafür wünsche ich aber jedem Einzelnen von euch ein grandioses Herzhüpf-Wochenende, das dürft ihr mir glauben. 

Auf dass eure Moleküle durchdrehen. 

Meine sind gerade "dezent" dabei...aber das habt ihr sicher schon bemerkt!? 

Liebe Grüße 

Penny

Donnerstag, 13. März 2014

Nachdem sich der Nebel verzog

Ich habe heute zwei Praktikumsbesuche gemacht. 
Einer davon war irgendwie...eigenartig. Besonders. Urkomisch. 
Zwei Schülerinnen zusammen in einem türkischen (Ja, ja!) Friseursalon. 
Die türkisch sprechende Ladenbesitzerin war freundlich und sprach unentwegt auf Türkisch mit mir. 
Die einzigen beiden Dinge, die sie auf Deutsch zu mir sprach waren: "Alles gut!" und "Immer vor Tür, wenn Laden noch zu!"
Damit war ich zufrieden.
Ich denke, hätte sie etwas zu meckern, wäre das auch mit Gesten verständlich geworden. 
Aber da sie dabei schon recht freundlich lächelte, kann es so schlimm nicht sein. 
Die beiden Mädels freuten sich richtig mich zu sehen, obgleich sie auch überrascht waren. 
Im Normalfall melde ich meine Besuche auch an, aber da das gestern telefonisch offenbar nicht geklappt hat (es ist nicht so, dass ich nicht anrief. Ne, wirklich nicht. Es war eher so, dass ich innerhalb von vier Telefonminuten 4x weitergereicht wurde, jedes Mal bruchstückhafter mein Anliegen erklärte - von "Ich komme von Schule XY. Kennen Sie S und G? Ich will sie morgen besuchen!" bis "Hier ist Schule XY. Ich komme morgen um 11:30 Uhr" - am Ende ein genuscheltes "Ja" bekam und davon ausging, das wird schon!), war es eine große Überraschung für alle Beteiligten. Macht nichts. 
Jedenfalls waren in diesem Raum - es wäre wirklich weit gegriffen ihn als Salon zu bezeichnen - zusammengequetschte 10 vorwiegend türkische Damen und schon als ich den Laden betrat, musste ich durch einen Nebeldunst versuchen meine "Kinder" dort ausfindig zu machen. 
Da saßen sie nun auf ihren Stühlen: Mütter, Großmütter und Töchter und allesamt hatten lässig eine Zigarette im Mund. Die eine bat gerade ihre Begleitung, während ihr die Haare eingeschäumt wurden, die Kippe anzustecken, die andere zog mit Kippe im Mund und Frotteetuch auf dem Kopf zurück auf ihren Stuhl und eine meine Schülerin trocknete ihr die Haare, während sie genüsslich rauchte. 
Seitdem ich den Raum nun betreten hatte, beäugten mich 10 Augenpaare. Alles verstummte. 
Was will diese Exotin denn hier? 
Die Mädchen kamen angestürmt und erzählten zurückhaltend wie es denn so wäre. Auch ihnen war es sichtlich unangenehm, dass die Damen in der Reihe sitzend uns anstarrten. 
Da stand ich nun an der Wellblechtheke in diesem völlig überfüllten "Lädchen" und da sprach die Dame, deren Haar gerade von S abgerubbelt wurde mit Fluppe im Mund zu mir:
"Isch kenne das Mädschen (das ihr die Haare trocknete) nisch gut. Isch schwör 
isch seh die heut zum ersten Mal. Aber sie hat gutes Läscheln. Is nett und lieb. Und bringt immer was zu trinken. Das muss isch Ihnen jetzt sagen!"
Ich bedanke mich bei ihr für diese Auskunft, verabschiede mich nach einiger Zeit des unbeholfenen Rumstehens und Angeschaut werdens artig von allen Menschinnen dort und verlasse den Ort. 

Draußen nehme ich einen tiefen Atemzug der frischen, unnikotinierten Frühlingsluft und bin mal wieder ob der Tatsache fasziniert, dass mitten drin, im Herzen des Ruhrgebiets ein für sich selbst bestehender mit eigenen Regeln existierender Kosmos gerade ein kleines Stück die Tür für mich geöffnet hat. 

Ich durfte hereinblinzeln. 
Ich durfte die ungeschminkten Fakten erleben. 
Und am Ende, ja da wurde mir sogar auf Deutsch von allen Anwesenden ein freundliches "Ihnen noch einen schönen Tag" hinterhergerufen. 

Lasst eure Moleküle ruhig mal eine andere Sprache sprechen oder hören. 

Das kann besonders sein. 

Penny




Dienstag, 11. März 2014

"Und wäre mein Leben ein Theaterstück, spielt der Versager heut´ mal den Propheten"

Manchmal begreifen Sie erst später, was ich von ihnen erwarte oder möchte.

Zum Beispiel am vergangenen Freitag:
Da habe ich zwei Klassen zusammengesetzt, um mit ihnen wenig später einen gemeinsamen Gang in den kleinen Stadtteil in dem unsere Schule steht zu machen.
Sie sollten dort die Gelegenheit bekommen mir schon einige Praktikumsstellen von außen zu zeigen (denn seit gestern sind sie alle im Praktikum) und zudem durften sie einen Abstecher in ihren Baguetteladen machen.
Und wie sie da alle so erwartungsfroh sitzen, gibt es ein türkisches Geplapper und Gelächter.
Ein Schüler (ich muss dazu sagen einer der wenig nicht Türkisch sprechenden) schaut mich genervt an und sagt:
"Boooooooooar Frau Herzmolekül. Die reden wieder nur Türkisch. Ich verstehe kein Wort!"
Ich stelle mich also in den Raum:
"Stopp. Stopp. Stopp. Stopp. Stoooooooooooopp! Leute, wir sind gerade IM Unterricht. Und auch wenn ihr euch untereinander privat gerne auf Türkisch unterhalten dürft, so gilt hier die Klassenraumregel: Wir sprechen alle unsere gemeinsame Sprache. Dann wird niemand ausgegrenzt!"
 S und Y schauen mich entgeistert an:
"Waaaaaaaaahlaaaaaaaa, Frau Herzmoleküüüüüül, wir grenzen gar nisch aus!"
"Doch. Redet doch einfach auf Deutsch. Dann verstehen es alle und haben auch die Möglichkeit mit euch zu lachen."
"Aba wir reden doch nisch mit alle gerade."
"Ja, ich verstehe. Aber so haben die Anderen immer das Gefühl, dass ihr auch über sie reden könntet. Und das grenzt sie aus. Bitte versucht es mal...."

Augenrollen. Unverständnis. Weiter auf Türkisch, gemischt mit zumindest deutschen Halbsätzen. Man kann nun erahnen...

Gestern Abend:
Y rief mich mal wieder an. Ich dachte mir nur:"Ooooooh je, erster Praktikumstag, was hat er ausgefressen?"
Aber es kam anders:

"Frau Herzmolekül, isch muss Ihnen was sagen."
"Schieß los!"
"Isch kann Ausbildung haben. Der Chef war heute begeistert. Isch war pünktlich. Vielleicht biete er mir Ausbildung an."
"Prima, Y. Dann stelle dich weiter gut an und dann hast du wirklich gute Chancen."
"Wissen Sie was misch abba da richtisch stört?"
"Erzähl!"
"Isch verstehe die da gar nisch. Die reden alle polnisch miteinander..."

Ich verwies auf letzten Freitag, sagte: "Jetzt weißt du was ich meine, oder?" und er lachte und meinte: "Abba Türkisch kann jeeeeeda! Das is leichter."

Und doch bin ich mir sicher, dass er wußte was ich meine!

Manchmal ist es einfach besser gar nicht zu reden.
Wir sollten öfter mit dem Herzen sprechen. Diese Sprache verstehen alle (auch wenn Türkisch volle Kanne leicht zu lernen ist, lan!).

Man muss es ja nicht übertreiben und gleich jeden Fremden abknutschen, aber irgendwie finde ich, dass dieses Experiment hier ziemlich schön und mutig und mit dem Herzen gesprochen ist, da will ich es euch nicht vorenthalten.




Küsst. Lebt. Lacht. Und weint. Und das alles mit euren Herzmolekülen. 
Die können das!

Derweil backe ich jetzt teuflische Schoko-Salzbrezel-Erdnussbutter-Muffins und denke darüber nach wie ich mein Bauchempfinden gerade bewerte!

Penny


Montag, 10. März 2014

Vom perfekten Unperfekt sein

Falls sich hier irgendwer in dieser ganz verrückten Welt auskennt, möge er mir doch bitte einmal erklären wie Folgendes geht und vor allem wie Folgendes wieder WEG geht:

Ich schrieb mit meinem iphone und der Bloggerapp einen Beitrag.
Und weil ich in Fahrt war (und meinen Lesern etwas bieten wollte), lud ich fröhlich ein paar Bilder mit hinzu.
Das Ganze wollte ich dann speichern, denn die weitere Bearbeitung sollte am Hans-Peter erfolgen.
Ich kann ihn zwar nicht mehr so ganz gut leiden, weil sein Akku, wie ich bereits mal erwähnte, total die Nulpe ist, aber weder auf meinem iphone noch auf meinem ipad gelingt mir eine ordentliche Textbearbeitung.
Entweder die Schriften sind eigenartig, vermischt oder beides. Oder die Schriftgröße lässt sich nicht ändern. Oder die Bildgröße ist sooooo dermaßen groß, dass beim Posten mein gesamter Moleküllabortisch davon überragt wird.
Also bearbeite ich mit Hans-Peter, dem Schlumpi.
Nachdem ich nun meinen Beitrag geschrieben hatte, wollte ich ihn also zwecks Weiterverarbeitung speichern. Tja, und da hängt sie nun weiter im Weltall rum, diese Post-Blödkuh und es steht seitdem unverändert dort, dass der Post sich "uploaded"!
Ganz ehrlich: Ich kann das Wort gar nicht leiden.

Und so muss ich nun von Neuem beginnen und kann mich nicht mal mehr des alten Geschreibsels bedienen, weil der Post sich nicht mehr öffnen lässt. Vermutlich auch logisch, also für die Nerds unter euch, denn was sich up...STOPP!

Eigentlich wollte ich euch auch bloß erzählen, dass ich etwas verrückt bin.
Ja, kann man fast gar nicht glauben, aber ihr solltet mir da schon etwas vertrauen.
Ich bin zum Beispiel eine ganz untalentierte Dekorateurin und eines der schlimmsten Konsumvictims weltweit.

So fuhr ich heute Vormittag also spontan in einen Dekoladen (Das Depot, falls es jemanden interessiert). Dort suchte ich nach Inspiration, nach Kreativität und nach dem Frühling.
Alle drei Dinge fand ich auch dort da. Sehr zuverlässig.
Was mich besonders reizte waren diese schönen Thementische. Nach Farben und Stil sortiert. Wundervoll dekorativ.
Ich wanderte also wie in Trance, verzaubert, voller wuseliger Gedanken im Kopf wie ein Huhn auf der Suche nach DEM einen Korn durch den Laden. Aber und hier unterscheiden sich das Huhn und ich dann doch, ich nahm fast ALLES, was mir als schön und verarbeitbar aussah und legte es in meinen Korb.
Ich lief hin und her und sah dies "Ahhhhh, das könnte gut aussehen" und jenes "Das mit dem Gläschen vom Tisch vorne rechts und der grünen Kordel...Wo war die nochmal? Irgendwo war doch so eine grüne...aaaaah, was für schöne Holzstücke, ob ich die mit den Wachteleiern...." und wirklich alles was mir so in den Sinn kam (und in die Hände fiel) wanderte fleißig in den Korb. Es sind recht große Körbe, falls ihr euch diesbezüglich wundert. SEHR große Körbe.

Und leider ist mein Einkaufsgehirn nicht kompatibel mit dem rationalen Teil meines Hirns, was mich dann an der Kasse etwas verzweifeln lässt. Und zwar immer, wenn es um Deko geht: "Was habe ich da eigentlich alles im Körbchen? Wachteleier in verschiedenen Färbungen. Wofür waren die gleich nochmal? Dieses gelbe Osterband, wofür wollte ich das doch gleich nutzen? Ähm, muss ich das jetzt alles nehmen oder soll ich was hierla...Ach was, das brauche ich. Alles."

Und so landete eine riiiiiiesige Tüte mit vielen Dingen im Kofferraum. Nicht ohne zuvor noch beim Blumenladen vorbeizuhuschen, denn ich wollte meine kleinen Väschen mit frischen Blumen befüllen. Kunstblumen sind nicht meins.

Zuhause angekommen ist es dann jedes Mal ein wenig so, wie wenn man nach Monaten ein Shirt entdeckt, an dem noch das Preisschild klebt und man sich freut wie toll es doch ist dieses nagelneue Shirt jetzt zu finden. (Keine Panik, das passiert mir jetzt nicht mehr oft. Seitdem wir ein Ankleidezimmer mit übersichtlichen Hängeregalen haben und all meine Oberteile und Kleider hübsch auf Bügeln hängen, da finde ich meine neuen Sachen IMMER sehr schnell. Versprochen!). 
Jedenfalls hatte ich dann nochmal was zu bestaunen: "Och, toll, dass ich drei verschiedene Dekobänder mitgenommen habe, dann habe ich Auswahl. Nein, wie pfiffig ist das denn, ich habe ja gleich zwei Moospakete..." und so weiter.
Ein Fest, sag ich euch.

Alles wird dann immer auf dem Tisch ausgebreitet, damit ich mir einen Überblick verschaffen kann (und zumindest ein Gefühl dafür bekomme, was als taugliche Deko wie zusammengestellt werden könnte!)

Das sieht dann so aus:

Das Einkaufsrauschgewusel

Und dann wird es wieder wirr. Ich stopfe und stelle und lege und mache einfach irgendetwas, ohne eine wirkliche Ahnung zu haben, was es wird. Ich bin wie im Wahn, renne nach oben und hole meine Heißklebepistole und ehe ich mich fragen kann, was es denn wird, ist es zu spät.



Kleine Gläschen befüllt mit Wachteleiern, echten Blütenzweigen und Moos

Die Heißklebepistole im Einsatz

Und letztlich: Auch das entzückende gelbe Osterband hat seinen Auftritt



Ich bin keine Dekoqueen. Bewundere diejenigen unter uns, bei denen immer alles so perfekt ausschaut. Die ein Händchen haben alles so zufällig gut aussehend hinzustellen und zu fotografieren.

Und dennoch gefällt mir mein Kreiertes. Weil es vielleicht nicht ganz perfekt und definitiv nicht schöner wohnen tauglich ist. Aber weil es so unperfekt perfekt gerade deshalb zu mir passt.

Und deswegen wollte ich an dieser Stelle eigentlich über einen kleinen Umweg bloß loswerden:
Bleibt möglichst so unperfekt wie ihr seid!
Denn dann seid ihr die perfekten Menschen. Für´s Leben und Lieben!

Fröhliche Frühlingsmoleküle an alle!

Penny

P.S.: Heute fängt DIE MISSION an. <Herz_hüpf>




Wenn der eigentliche Post in der Cyberwelt herumbummelt...

Upload läuft.

Eigentlich müsste hier gerade ein neuer Post stehen. Ja, der hier ist auch neu, aber nicht der eigentlich verfasste Post.
In dem geht es nämlich u.a. um eine Dekokaufwahnsinnige, hier genauer gesagt um eine Osterdekokaufverrückte.
Aber da ich genau JETZT zur Schule muss (auch das erklärte ich brav in meinem ursprünglichen Post!) und weil auf meiner Bloggerapp bloß seit Minuten steht, dass der Upload laufen würde (was ich ganz ehrlich gesagt als große Verhohnepiepelung meiner Wenigkeit erachte, denn da läuft nüscht!), müssen sich die Neugierigen unter euch noch ein wenig gedulden...
Ich will auch nicht zu viel versprechen, nicht dass ihr hinterher enttäuscht seid, aber wie gesagt: Es geht um Deko. Verrücktsein. Heißklebepistolen. Und ein kleines Bißchen auch um mich!

Bis irgendwann später...upload. IST KLAR, ne?

Samstag, 8. März 2014

Als ich die Regenwürmer husten hörte

Was ich an diesem Freitag besonders mochte, war, dass er eigentlich den Wochenendanfang einläutete. 
Er tat dies sehr diskret. 
So ist er manchmal. 
Und dennoch war er so, wie er war, perfekt. 
Weil er mit der Zusammenkunft mit einem Milchkaffee und einem Büsch Bienchen mit dieser besonders cremigen Erdnussbutter, die so samtig weich im Mund zergeht, ohne störenden Erdnusskrümelcrunch, ohne überhaupt etwas Störendes auf der Zunge zu hinterlassen, begann. 
Und auch wenn mir zunächst der Appetit darauf verging, nachdem du so mutig warst und Hiob kurz hineinließest, so kam er doch auch schnell wieder, nachdem Hiob sofort wieder nach draußen verbannt wurde. 
Ja, ich hätte mit ihm rechnen müssen. 
Das weiß ich. 
Aber dieser manchmal so bekloppte Optimismus, der ist mir ab und an da wirklich im Weg. Schweinebacke!

Doch trotz allem gelingt es mir seit nunmehr 34 Jahren nicht damit aufzuhören an ein gutes Ende zu glauben. Immerzu. 
Dafür werde ich oft belohnt. 
Aber wenn ich das nicht werde, dann fühlt sich das an wie 235685 Ohrfeigen. Peitschenhiebe, die mein Herz schrammen und meine Moleküle ganz durcheinander machen. 
Und dann bin ich traurig. 
Bis mir meine Tränen weggewischt werden. Oder ich das selber mache. Standesgemäß, mit meinem Ärmel. 
Und trotzdem mochte ich den Freitag, denn die Worte: "Es ist doch jetzt nicht anders. Nichts passiert!", bedeuteten für mich in diesem Moment genau das: Es ist wie es ist. Manches läuft eben schief. Aber dir nimmt niemand etwas weg. 

Und das ist, was niemals mehr passieren darf. 

Was ich an diesem Samstag mochte, waren einige Dinge. 
Ich sah gelbe Schmetterlinge, die mich überlegen ließen, ob sie ein Schmetterlingsgehirn haben?
Ich war an der Luft, trank in der Sonne auf der Terrasse -auf UNSERER schönen Holzterrasse - einen heißen Milchkaffee und durfte sie riechen: Die Frühlingsmoleküle, die so wunderbar dufteten. Die mein Herz erfüllten und sich mit meinen Molekülen mischten. 
Und so führten sie zusammen einen wirbelnden Tanz auf. Voller Vorfreude. 
Und ich dachte über warme Sommerabende nach. Über Feuerschalen und diese tollen Bäume in ihren schönen Übertöpfen. Über Hängenmatten und Tomatenranken. 
Über Sonnenblumenkerne und Wäschespinnen. 
All das mochte ich, ebenso wie ich es sehr genoss, dass wir -obwohl niemand außer mir daran glauben wollte, 2:0 gewonnen haben. 
Nein, dass genoss ich nicht nur, das feierte ich. 
Und da hätten wir ihn wieder, meinen unerschütterlichen Optimismus. 
Nicht tot zu kriegen. 
Niemals. 

Was ich an diesem Freitag nicht mochte, war, dass er auch bedeutete, dass der Samstagabend nahte.
Und was ich am gesamten Samstag nicht mochte, war, dass noch weniger Zeit blieb bis der Abend nahte. 

Was ich jetzt gerade nicht mag, ist, dass es Abend ist.
Aber was ich trotz allem sehr schön finde, ist, dass ich damit auch ganz sicher weiß, dass der Morgen nicht mehr weit ist. 
Und der Morgen wird gut. Und sicher. 

Was ich am Leben mag, ist, dass es ist wie es ist. 
Dass es so verstörend. So dunkel. So gemein und hinterhältig sein kann.
Dass es so tragisch. Komisch. Und tragisch komisch. So verzaubernd. Und hinreißend, einfach umwerfend sein kann. 

Denn auch wenn das Finstere sich in meine Moleküle einzuschleichen versucht, dann kommt es nur zur Türschwelle. 
Und dann wird es verscheucht. Von dir. Von mir. Und von meinem Optimismus. 


Donnerstag, 6. März 2014

Von der Leichtigkeit des Seins zum Türkisch für AnfängerInnen

Ich unterrichte an einer Schule mit etwa 90 Prozent männlichen Schülern. 
Es ist also demnach wirklich auffällig, wenn ich mal in einer Klasse mit gleich drei!!! Mädchen unterrichte. 
Heute sah ich Bs interessante Haarknotenform und wollte gleich mal wissen wie das geht, hatte ich mir doch neulich auch so einen seltsamen Haardonut gekauft und fragte ich mich seitdem fast täglich wie das Ding denn jetzt in meinem Haar verwurschtelt werden könnte?
"Sag mal, wie geht das mit diesem Knoten? Ich möchte das gerne auch mal machen, verstehe aber die Technik nicht!"
"Walaaaaaa, abooooo voll einfach Frau Herzmokekül: Zuerst müssen Sie Zopf machen. Wenn Sie wollen, dass es richtisch geil aussieht, können Sie vorne antoupieren. Hammer! Und dann machen Sie Kopf runter und legen alles um den Knubbelring (Donut!). Dann nochmal Haargummi drum und den Rest der Haare wickeln Sie drum. Fertisch! Isch schwör, beeeeesteeeeee Frisur. Dann machen Sie rote Lippen und ihr Mann..."
"Ähm ja, danke. Ich habe es jetzt verstanden!"
"Wenn Sie wollen, ich zeig Ihnen gleich noch ein YouTube Video. Da ist das voll haaaaaaammer gut erklärt!"
"Brauchst du gar nicht. Du hast es gut erklärt. Ich weiß jetzt wie es geht. Danke!"

Sie schaut mich verwundert an. 
Und ich bin es auch. 
Darüber, dass ich es tatsächlich verstanden habe...

Mittwoch, 5. März 2014

"Hey, I put some new shoes on/And suddenly everything is right

Hattet ihr schon einmal das Gefühl, dass ihr die Sachen eurer Jugend unbedingt jetzt haben wollt?

Zumindest mir (und auch Herrn Herzmolekül) geht das häufig so.
Und so hängen im gesamten Hausflur verteilt bespielsweise Hochglanz Poster mit alten Amiga/C 64 Spielen. 
Ihr könnt uns also besuchen und zeitgleich euch mit Zak Mc Kracken, Maniac Mansion oder Guybrush Threepwood treffen. Oder ihr schaut euch das neueste Bild an, nämlich das von Day of Tentacle und erfreut euch daran. 
Ich mag unseren Hausflur, weil er so wunderschön hell und bepostert ist. Natürlich auch mit anderen Lieblingsstücken aus der Gegenwart. 
Hier zum Beispiel liebe ich das Munch Wien Ausstellungsplakat gleichermaßen wie das Hamlet Poster der Schaubühne Berlin und und und. Alles tolle Erinnerungen. 
Und dieser Mix, der macht es in meinen Augen aus: Jugend und Gegenwart. Vergangenes und zu Erwartendes. 
Das ist das Leben. Und das spiegelt sich auch in unserem Flur. 

Und so hatte ich seit geraumer Zeit das Bedürfnis nach diesen geliebten Schuhen. In denen ich mich wunderbar auf meiner Vespa durch das Leben düsend fühlte. 
Die an Coolness für mich damals nicht zu überbieten waren. 
Die ein Lebensgefühl ausstrahlten, ähnlich dem, was die guten alten Chucks bewirkten: 
Hier sind wir. Die neue Generation. Wir rocken die Welt. 
Entweder war man damals ein Popper und rannte mit Chiemsee Pullovern durch die Gegend, hörte dazu damals Techno und war darauf bedacht, dass kein Teil, welches man trug nicht einen großen Schriftzug enthielt. 
Oder man gehörte zu der anderen Gruppe. Den Alternativeren. Zu denen, die sich lässig einen Armyrucksack mit Nazis raus und Bad Religion Aufnähern zutackerten. 
Die gerne ihre Cordhosen trugen und dazu eben lässige Treter wie eben Vans. 
Und egal welcher Gruppe man angehörte, so hatten wir doch eines gemeinsam: Wir liebten unseren Style, weil er für unsere damalige Entwicklung stand. Für ein Mittelding zwischen halb groß und erwachsen und ziemlich klein und "keine Ahnung was ich will" Gedanken. 
Und für Freiheit. Großes Drama. Einfach alles. 

Heute steht dieser Schuh für mich, wie ich schon in einem meiner letzten Posts erwähnte, für ein Stück mehr Lässigkeit. 
Vielleicht werden wir durch das Tragen wieder ein wenig cooler, was so manche Dinge des ernsten Erwachsenenlebens anbelangt?
Klar, vielleicht auch nicht. 
Aber dann ist es auch gleich, denn der Schuh als solcher ist und bleibt einer meiner Lieblinge. 
Als ich ihn vorhin anprobierte, da sagte ich noch zu Herrn Herzmolekül:
"Da sehen meine Füße aber riesig drin aus!"
"Klar, Penny. Du bist ja auch deine Pumps und Absatzstiefel gewöhnt!"
Und ja, er hat recht. Ich habe Platz im Schuh. Selbst mein Fuß erlangt dadurch ein Stück weit Freiheit. 
Und so werde ich sie direkt morgen ausführen und den bequemsten Schultag der Welt erleben. 

Habt ihr auch Dinge aus eurer Jugend, die euch auch noch heute so begeistern? 

Ich wünsche es euch!

Mit erquickten Herzhüpfmolekülen

Penny
Vans - Sk8-Hi

Montag, 3. März 2014

Et kütt wie et kütt/Heute mal mit Blitzen im Hirn

Nun ja: mit dem Wallstreetwolf lag ich wohl falsch. 
Oder wir sagen: ICH hatte einen doch ganz guten Geschmack. 
Den Sklavenfilm möchte ich übrigens unbedingt bald sehen.

Was ich eigentlich loswerden möchte:
What's app Nachrichten von Schülern sind ja gut und schön. Manchmal sogar beinahe putzig. Wenn zum Beispiel solche Verschreiber kommen wie von S. letztens: 
"Frau Herzmolekül, mir geht es gerade gut. Ich komme deswegen später!"
Das sind dann Momente, wo ich gerne meinen Witzesack aufschnüre, reinkrabble und die ulkigsten Ideen aus ihm ziehe:
"Kein Problem, liebe S. Man soll das machen, was einem gut tut. Nimm dir die Zeit und komm, wann es dir passt..."
Oder so ähnlich!
Schön sind auch "Ich suche einen Praktikumsplatz und du musst mir dabei helfen, Frau Herzmolekül" What's App Nachrichten. Die werden dann ganz gerne - wenn ich mich nicht sofort melde - mit Anrufen am Freitagabend unterstrichen!
Auch noch okay. Manchmal. 
Dass ich gestalkt werde, damit komme ich ebenfalls zurecht:
"Aboooooooooo, voll schönes Profilbild!"
"Warum schreiben Sie als Status, dass Sie eine Wassermelone getragen haben?"
Oder:
"Sie waren gestern früh im Bett!"
Was von mir dann - da noch verwirrt und naiv zu glauben, dass ich nicht gestalkt werde, mit einem riesen Fragezeichen beantwortet wurde und der Schüler dann ergänzte:
"Sie waren um 22:15 Uhr schon im Bett. Da waren Sie nämlich zuletzt online!"
Ah ja. Auch okay. 
Wenn die alle wüssten! Aber sie wissen nicht. Und das ist gut so. 

Wie auch immer mit solchen Nachrichten kann ich umgehen. Muss ich ja auch. 
Man könnte nun fragen: Warum gibt die ihren Schülern überhaupt ihre Nummer?
Pah, darauf kann ich nur sagen:
Wenn ihr alleine mit einer Horde Wilder einen Ausflug macht, ihr euch am Bahnhof trefft und für alle diese Jungspunde verantwortlich seid, dann gebt ihr auch eure Nummer gegen Kummer!
Und dann haben sie euch. Für immer. 
Und bei mir kommt das echt hin. Bin ich doch die mit der gleichen Handynummer seit nunmehr 14 Jahren!
Jedenfalls ist das noch alles irgendwie ...ja aushaltbar. Verständlich. Und wie mehrfach geschrieben: okay. 
Aber dann, wenn ich am karnevalistischen Rosenmontagabend, um 21:30 Uhr mit der Frage belästigt werde, wie denn die Wirtschaftslehrearbeit ausgefallen ist, ja dann bekomme ich aus folgenden Gründen die Pimpernellen:

a) Man fragt so etwas nicht spät abends. 
Da bin ich konservativ. So etwas gehört sich nicht. Und vor allem nicht mit diesem plumpen Ton. Ohne schnödes "Entschuldigen Sie mal.." oder sowas. 

b) Ich weiß das doch noch gar nicht! Hallo? Wir haben morgen einen beweglichen Ferientag und da ich ein Nachteulenkorrekturmensch bin, werde ich jetzt gleich mal anfangen zu korrigieren! 

Und c) Alleine diese Voraussetzung, dass ich nichts Besseres mit meiner Zeit anzufangen weiß, ist igittipfuibah!

So und nun bewege ich mich nach unten, hole den Packen Arbeiten hervor und zücke meine liebsten Rotstifte!

Dabei werde ich Konfettis stanzen, mir 'ne rote Nase aufsetzen und so tun als wäre ich richtig schlimm jeck. 
Vielleicht schreibe ich auch etwas Witziges unter jede Arbeit:
"Wie wäre es mit weniger What's Apperei?" oder so. 

Mit freundlich seufzenden Molekülen

Die korrekturlustlose und witzigste Karnevalsverächterin 
Penny

P.S.: Liebe Hirnblitze, ich finde euch - mit Verlaub - mächtig scheisse. 
Selbst meine Triptane kommen nicht mit euch klar. Und das ist ein Skandal! 
Lasst das bitte! 
Sonst gibt es ein Donnerwetter! 

Du hier! Und nicht in Hollywood.

Luxus ist: 
Mitten in der Nacht das allerallerallererste Mal die Gelegenheit zu haben die Oscarnacht live mitzuverfolgen. 
Braucht man ja jetzt nicht wirklich, aber wenn man es dann kann, ist es Luxus!
Wobei ich wirklich anmerken muss, dass dieses roter_Teppich_Gefasel mich gerade ziemlich nervt. 
Und wenn "Wolf of Wallstreet" der Abräumer wird (wovon ich insgeheim ausgehe), dann finde ich das öde. 
Selten habe ich mich in einem Kinofilm dermaßen gelangweilt. 
Gut, "Into the wild" war damals auch dröge, aber da hatte mein damaliger noch Freund Bloodflower ein Einsehen und mogelte sich noch in einen anderen Film mit mir. 
Dafür war ich ihm sehr dankbar, auch wenn ich ob der unerlaubten Handlung schon etwas aufgeregt war. 
Jedenfalls fand ich Leo natürlich gut. Aber eben auch nicht mehr. 
Der Charakter, den er verkörperte, soll angeblich, obgleich er widerlich ist die Menschen auf seine Seite ziehen. 
Bei mir hat es nicht die Bohne funktioniert. Ich habe immer mal wieder versucht - gemütlich im Kinosessel eingekuschelt - meine Augen auszuruhen, aber aufgrund der kontinuierlichen Herumschreierei im Film, war selbst das nicht möglich. 
Und so etwas kann ich ja mal gar nicht leiden. 
Außerdem, und das ist mein Hauptkritikpunkt, kann ich mit diversen Drogentrips gar nichts anfangen. 
Ich finde das albern. Nervig. Langweilig. 
Vielleicht ist das unverschämt, nachdem ich noch vor einiger Zeit hier über meine Nasenspraysuchtvergangenheit geschrieben habe, aber es ist, wie es ist!
Und auch wenn der Leo alles gegeben hat, sich dermaßen sabbernd und fies aussehend im Vollrausch ans Steuer setzt und alle das als wahnsinnig tolle schauspielerische Leistung abfeiern, bleibe ich dabei: Langweilt mich!
Herr Herzmolekül rollt an dieser Stelle wieder die Augen und wird denken:"Du findest fast alles öde!" 
Ich korrigiere: Ich finde das öde, was öde ist! 
Ist doch ziemlich einfach, oder?

Das schon. 
Einfach war auch heute bis in die Puppen das Haus auf Vordermann zu bringen. 
Es tat gut.
Ja, das sind alles einfache Dinge!

Andere Sachen wiederum sind es nicht. 
Beispielsweise tue ich mich schwer den Hörer in die Hand zu nehmen und das verkorkste Verhältnis in irgendeiner Weise unverkorkster zu gestalten.
Ich bin in dieser Hinsicht regelrecht gelähmt. 
Seit 3 Wochen habe ich nun kein Bild und Ton von mir gegeben und ich kann das sich nicht ändern. Da bin ich blockiert. 
Ich habe die Nase davok voll von diversen Wehwehchen zu hören. Ich habe generell keine Lust auf weiteren Small Talk. Keine Lust auf "Es geht so schlecht!".
Als letztens die Frage kam, die mich dermaßen auf die Palme brachte, da wusste ich einfach: Es gibt derzeit einfach nichts mehr zu reden. 
"Was gibt es denn Neues?"
Ich bin froh, dass in unserem Leben alles ruhig verläuft. Wir leben. Und das ziemlich gut. Und sehr schön. 
Und da gibt es keine Neuigkeiten!
Und wenn ich nur nach den aktuellen News gefragt werde und das Interesse direkt abebbt, wenn ich sage:"Was soll es geben? Alles wie immer!", dann läuft etwas falsch. 
Ich war gereizt. Und schnippisch. 
Und auch das ist ein Zeichen, dass etwas falsch läuft. Aber gehörig. 
Ich wünsche mir, dass ich mir mein Herz und mein Interesse an Menschen, die ich liebe, niemals nehmen lasse. 
Ich wünsche mir, dass ich trotz vieler emotionaler Verkorkstheiten, die ich ertragen musste, niemals so werde!
Manchmal habe ich Angst davor. 
Ich will unter keinen Umständen so sein oder werden!
Viele wissen oft nicht, wenn sie über derzeitige unangenehme oder problematische Situationen nachdenken, wie es überhaupt angefangen, dass es nun so ist wie es ist. 
Wenn ich es mir so recht überlege, gibt es keinen richtigen Anfang. 
Es war im Grunde schon immer da. 
Zeitweise war es mal besser oder einfach unterdrückt. 
Man könnte es auch anders sagen: Wenn ich funktioniert habe, ohne meine eigene Meinung zu sagen, dann war alles ganz okay. 
Wenn ich nichts hinterfragte, nicht diskutierte, dann war es ganz okay. 
Leider gelang mir das nie gut. Und wenn dann nicht lange. 
Ich wollte reden. Meine Meinung vertreten. Beim Essen mich unterhalten und nicht gesagt bekommen, dass ich mich anders hinzusetzen hätte, weil mein Kopf die Sicht auf den TV versperrt. Ich wollte gelobt werden. Dass jemand stolz auf mich ist. Anerkennung. Bestärkung. Einfach das, was man so erwartet, wenn man dabei ist erwachsen zu werden. 
Stattdessen war alles selbstverständlich. 
Gutes Abi? Normal! 
Gratulieren? Auf die Schulter klopfen und sagen: "Hey, wir sind stolz auf dich!"
Nie!
Studium. Gleiches Spiel. 
Immer. 
Und so nabelte ich mich schon früh ab. 
Auch das passte nicht.
Aber ich suchte einfach das, was für so viele Andere in meinem Umfeld so selbstverständlich war: die bedingungslose Liebe!

Ja, das ist traurig. 
Es ist auch heute noch bitter, wenn ich meine Anfälle bekomme und mich bei meinem Herzensmann darüber auslasse. 
Aber so elendig und unrichtig dies auch alles ist, so macht es heute nichts mehr aus. 
Ich habe einen Mann an meiner Seite, der mir das Gefühl gibt, dass ich so wie ich bin wirklich okay bin. 
Der stolz auf mich ist und mir das zeigt. 
Der mich aufmuntert. Stets bestärkt und immer mehr an mich glaubt als ich es selber mache.

Ich brauche nicht angestrengt versuchen anders zu sein. 
Das hat nie funktioniert und würde es auch niemals. 
Ich darf trotzen. Stampfen. Wüten. Und lieb sein. Gleichermaßen. 
Das heißt nicht, dass er alles wortlos hinnimmt. Aber ich weiß, dass er mich so liebt wie ich bin. 

Und deswegen ist klar...

The Oscar goes to

Dir. Meinem Herrn Herzmolekül! 


Samstag, 1. März 2014

Abklatschhoffnungen

Es geht um die Wurst. 
Und auch ein wenig um den Ball!
Ja, richtig, um dieses Lederteil. 
Jenes, was heute ganz bestimmt dahin rollen sollte, wo es hingehört!
Und zwar auf der richtigen Seite. 
Nordderby!
Und Abstiegskampf!
Etwas zu viel für meine herzigen Nerven. 
Aber ich liebe ja genau das:
Mit Herrn Herzmolekül schimpfen. Toben. Fluchen. (Und manchmal, wenn es auch ganz selten geworden ist, dann können wir uns abklatschen. Das geht dann so: Tor. Ich juble. Grinse Herrn Herzmolekül an. Er schaut mürrisch. Freut sich dann aber auch. Wir klatschen ab. Küssen uns. Ich falle ihm um den Hals. Wir schauen weiter!) 
Auch DAS sind wir!
Das sind wir genauso wie wenn wir zusammengekuschelt auf der Couch gemeinsam aus diesem unfassbar leckeren Eispott (Ben&Jerry's!) löffeln. 
Oder wenn wir diese ganz bestimmten Vans kaufen. Die uns an unsere Jugend und Coolnesszeiten erinnern (und uns auch ein wenig glauben lassen, dass wir in unserem Alter trotzdem noch recht cool und lässig sind!)
Und weil ich jetzt langsam noch ein wenig hibbeliger bin als am Anfang dieses Eintrags, schaue ich jetzt zur Ablenkung ein bisschen Shopping Queen, und dann geht es auch schon los...hoffentlich mit oben beschriebenem Abklatschritual! 

Herzmolekülige Grüße
Penny