Freitag, 27. Februar 2015

...weil es auch lustig zugeht. Und das ist gut.

Berta schlägt große Wellen. 
Ich werde weiter berichten. 
Wem das aus diversen Gründen zu viel ist, der überliest einfach die nächsten Posts mit Berta-Titel, okay? 

Und weil die Woche irgendwie so voll war - voll mit Emotionen - will ich heute einfach nur etwas vielleicht dann doch Erheiterndes schreiben: 

1. Lachepisode

"Nennt mir mal einige Sehenswürdigkeiten für die Touristen nach Deutschland reisen?".
Grübel, grübel. Denk, denk.  
"Goldene Leiter!".
"Ääähm...<ratter> wo geeeeenau soll die sein?".
"Ja, hier. Forum!".

2. Lachepisode (gleiche Stunde!)

"Schloß Neuschwanstein ist eines der imposantesten Schlösser, die es gibt!"
Ein Schüler schreit sich weg. Kippt fast vom Stuhl. 
Ich blicke ihn verwundert an und frage, was denn jetzt so witzig sei?
"Wie das Schloß ist!".
"Was meinst du?".
"IM PO SAND! Das ist lustig!".

3. Lachepisode

Alle Schüler bis auf einer sind längst in der Pause, während ich an der Klassenraumtür warte und warte, dass auch der letzte Schüler sich endlich bequemt und ich abschließen kann. 
"Mach doch bitte mal etwas schneller. Ich   habe Aufsicht. Du bist vielleicht eine Transuse!".
Er erstarrt und erhebt seine Stimme: "HABEN SIE MICH JETZT TRANSE GENANNT???".
"NEIN! Traaaaaaaaansuse!".
"MEINEN SIE MICH? Sie dürfen mich nicht Transe nennen!".
"Ich nenne dich ja auch nicht so, sondern Transuse! Weißt du was das ist?"
"Nein!".
"Es ist ein anderes Wort für...Lahmarschigkeit!".
"Ach sooo...das ist keine Beleidigung. Dann ist ja gut", sprichts und zuppelt gemütlich in die Pause. 


Und das solltet ihr auch: Macht mal Pause. Halblang. Dieses Wochenende. 

Eure sehr müde Penny ❤️


Mittwoch, 25. Februar 2015

Der Tag, an dem Bert(a)-Balkenbraue die Wahrheit sagte

Ich habe Berta heute gesprochen. 
Allein. 
Sie wollte es so. 
Kein Kollege, nur sie und ich. 
Sie saß da auf ihrem Stuhl, klein, beinahe zusammengefaltet. 
Ich kann nicht viel dazu schreiben, weil ich es sehr, sehr schwer finde das überhaupt zu verschriftlichen. 
Aber ich nenne euch die Fakten. 
Sie tun weh.

Schwanger mit 17. Nun gerade 18 Jahre alt. Entdeckt in der 14. Woche. 
Sie wollte es nicht. 
Ließ sich beraten. 
Dann war es zu spät für eine Abtreibung. 
Sie wohnt noch Zuhause. 
Bei Mama. 
Bei Papa. 
Mit dem ein Jahr älteren Bruder. 
Der Vater des Kindes?
Ein "Volltreffer"!
Ein Jahr Beziehung. Schwanger. Freund weg. 
Während ich diese ganzen Informationen aus ihr hole, bleibt sie mir gegenüber ganz freundlich. Und so sachlich. 
So verdammt, verdammt sachlich. Nüchtern. Kalt. 
Ihren Entbindungstermin kann sie nicht auf den Tag genau nennen. 
Ende Juni. Punkt. 
Hast du einen Mutterpass? 
Ja. Sie hat. Natürlich. 
Der ist Zuhause. 
Ich erkläre ihr wie wichtig es ist, den immer dabei zu haben. 
Sie nickt als verstünde sie. Fast glaube ich, sie findet es erstaunlich logisch. 

Wir befinden uns mitten im Ruhrgebiet. 
Im sozialen Brennpunkt. 
Im 21. Jahrhundert. 
In einem Jahrhundert, in dem nunmal Mädchen weiterhin ungewollt schwanger werden. 
Leider. 

Tritt das Baby? 
Spürst du es? 
Ja, das tut sie. 
Sie findet es "komisch"!
Nicht mehr. Nicht weniger. 
Sie reagiert als hätte sie ein lästiges Geschwür im Bauch. 
Das "Geschwür" ist ein kleiner Junge. 
Ein Junge. 
Mein Herz weint. 
Es gibt keinen Namen. 
Es gibt nichts. 

Es gibt Eltern, die es NICHT wissen. 
Sie ist mit einem 600 Gramm schweren Baby im Bauch daheim und keiner weiß es! 
Ich schlucke. Und unterdrücke weiter meine Tränen. Meine Traurigkeit. 

Was machst du mit dem Baby? 
Die Tante. 
Die Tante, die in Italien wohnt. 
Die Tante, die selber keine Kinder bekommen kann.
Diese Tante wird Ende Juni/Anfang Juli einen kleinen Jungen mitnehmen. 
Nach Italien. 
Berta will ihn nie mehr wiedersehen. 
Die andere Tante nimmt sie in einigen Wochen auf, damit sie unbemerkt das Baby bekommen kann. 
Beide Tanten sagen nichts den Eltern. 

Hast du jemanden, der dich mal in den Arm nimmt? 
Mit dem du reden kannst? 
Sie braucht niemanden. 
"Mir geht es gut! RICHTIG gut!".

Ich kann sie nicht knacken. 
Ich biete ihr an, dass ich da bin. 
Dass ich sie jederzeit in den Arm nehme, wenn sie das einfach mal braucht. 
Sie dankt. Aber braucht es ja nicht. 

Ich bin so geplättet von all dem. 

Du kannst das Baby jederzeit behalten. Dich umentscheiden. Es gibt Wege, wenn du es möchtest. Ich würde dir helfen. Du musst es nicht weggeben. 
Es sei reiflich überlegt. Sie will es nicht. 
Bleibt weiter so teilnahmslos als besprächen wir gerade Belangloses, was sie nicht tangiert. 

Auch wenn du das Baby weggibst, dein Baby - deinen Sohn - und du ihn nicht mehr sehen wirst, darfst du nie vergessen: Du wirst dein ganzes Leben lang von nun an eine Mutter sein. Seine. 

Sie blickt mich an. Da! Ich sehe etwas. Flüchtig. Ganz versteckt, aber da. 
"Ich weiß", seufzt sie. 


Eure mitgenommene Penny ❤️



Montag, 23. Februar 2015

Der Tag an dem Bert(a)-Balkenbraue mich wütend machte

Sie sitzt mit ihren aufgemalten Bert-Balkenaugenbrauen im dunkelsten Schwarz regelmäßig missmutig an ihrem Platz. Ihre billigen, ebenfalls schwarzen Extensions fallen schulterlang. 
Sie arbeitet eigentlich stets fleißig mit, doch jedes Wort, sei es noch so voller Lob oder spaßig, um sie aus der Reserve zu locken, scheint ihr zu viel. 
Oft rollt sie angenervt mit den Augen. 
Wenn sie sich meldet und etwas richtig Gutes sagt, wirkt sie gleichgültig. 
Ihre Figur würde man als moppelig bezeichnen, hier und da einige Speckröllchen, besonders am Bauch. 
Das hält sie jedoch nicht davon ab eng anliegende Kleidung zu tragen. Im Gegenteil: Sie trägt die hautengste Leggins mit einer großen Würde. 
Gerne würde ich ihr nur ein einziges Mal ein Lächeln abringen. Ein Mal sehen wie ihre versteinerte Maske entspannten Gesichtszügen weicht. 
Doch gerade heute scheint dieses Ziel noch weiter in die Ferne gerückt...


"Frau Herzmoleküüül, wie geht es Ihrem Beeeeeeeeebiiiiii?".
"Oh, es geht ihm prima. Danke!".
"Wissen Sie, dass *Bert(a)-Balkenbraue auch ein Beeeeebiiiii bekommt?".

Ich blicke zu Bert(a) herüber. Sehe wie sich ihr Gesicht noch mehr verfinstert. Ich weiß nicht recht wie ich reagieren soll, wähle aber den für mich in diesem Moment einzig richtigen Weg:
"Ist das wahr, Bert(a)? Das ist ja schön!".
Sie nickt unmerklich. Blickt mich böse an. 
Ich trete näher:
"Man sieht das ja gar nicht".
Sie bewegt ihren Oberkörper einige Zentimeter Richtung Stuhllehne. Ich blicke auf einen Wollcardigan, der mit einem breiten Gürtel verschlossen ist. Dazwischen erahne ich etwas. Es ist ein Bäuchlein, jedoch eher weicherer Art. 
"Wann bekommst du das Baby denn?".
"Juni!".
"Im Juni schon? Wann genau?".
"Die sagen Ende Juni. Mir egal!".
"Hast du keinen Entbindungstermin?".
Sie antwortet nicht. 
"Freust du dich auf das Baby?".
Sie blickt wütend auf, schüttelt angewidert den Kopf: "NEIN!".
Ich fühle mich beklommen. Eine tiefe Traurigkeit überkommt mich. Zudem spüre ich diesen Hass. Diese Wut und zugleich diese Kälte, die sie dem Ungeborenen entgegenbringt. Ihrem Ungeborenen. 
"Behältst du das Baby?".
"NEIN!", sagt sie energisch. 
"Gibst du es zur Adoption frei?".
Ich kann nicht aufhören zu fragen. Ich bin erschrocken. Verzweifelt. Und nun auch wütend. 
"Meine Tante nimmt DAS!".
Ich kann nichts mehr sagen.
So viel Emotionslosigkeit lassen mich erstarren. Ich bin fassungslos. Kann das nicht verstehen. 
Sie ist gerade 18 Jahre alt geworden. 
Sie ist so verdammt kalt. So. So. So. 

Auch nach Stundenende sitzt der Kloß im Hals. 
Ich wende mich an meine Kollegin. Bin irritiert, dass diese Schwangerschaft nicht mir gegenüber thematisiert wurde. 
"Weißt du, dass Bert(a) schwanger ist?"
"War!".
"Nein, ist. Zumindest sagt sie das!".
"Ich bin verdutzt. Sie hat mich letztes Jahr um eine freie Woche gebeten, weil sie abtreiben wollte!".

Jetzt weiß ich nichts mehr. 
Lügt Bert(a) gerade? 
Warum tut sie das? 

In solchen Momenten ist es nicht leicht als Lehrerin zu funktionieren. 
Überall sehe ich Menschinnen, die sich sehnlichst ein Baby wünschen. Die hoffen. Bangen. Verzweifeln. 
Und dann das. Heute. 
Ich würde sie am Liebsten schütteln. 
Anschreien. Laut. 

Ich werde am Mittwoch ein Gespräch mit ihr führen. Unter vier Augen. Und zwei Bert-Brauen. 




Sonntag, 22. Februar 2015

Mein Doppelkeksrollendasein

Ich stille das Minimolekül nachts zwei Mal. 
Das dritte Mal bekommt es die Flasche mit der guten MuMilch von Papa.
Dieser würde auch die komplette Nachtschicht übernehmen, aber das braucht er nicht. 
So komme ich drum herum abzupumpen und mal ehrlich: müde wäre ich so oder so.  
Nach einer weiteren Flaschenmahlzeit am Morgen, hält der kleine Mister seine Vormittagssiesta, während derer ich dann auch bereits wieder zurückkehre. 
Es klappt. Und zwar nicht irgendwie so wie "ganz gut" oder "es muss ja irgendwie", sondern "wunderbar. Problemlos"!
Papa und Baby verbringen die 3-4 Zeitstunden ohne mich entspannt. 
Ich pumpe einmal in der Schule (ich habe einen eigenen Raum von meinem Kollegen zur Verfügung gestellt bekommen. Die Schulleitung hat sich bis jetzt noch nicht gekümmert!) und so schaffen wir es, dass der Kleine vollständig von MuMilch ernährt wird. 
Das geht. 
Wenn ich morgens zur Schule fahre und mein schlummerndes Baby neben mir küsse, bin ich selig und dankbar. 
Ebenso verhält es sich, wenn mein dazugehöriger Herr Herzmolekül mir verschlafen zuflüstert, dass ich vorsichtig fahren soll. 
Ich vermisse meine Beiden, sobald ich die Tür hinter mir zuziehe. 
Aber ich bin nicht beunruhigt. 
Ich kann ganz gelassen zur Schule fahren und unterrichten. 
Mit einer unbändigen Sehnsucht im Herzen. 
Und wenn sie mich droht richtig zu ergreifen...dann sind meine Stunden schon fast vorrüber und ich fahre heim. 
Ich habe einen wunderbaren Ehemann und er ist der perfekte Papa. 
Ja, das ist er. 
Und so klappt das. 
Durch ihn funktioniert es. 
Weil ich zwar sehnsüchtig bis zum Anschlag bin, aber ohne Panik. 
Sie machen das zusammen. Das ist toll. 


In der Schule selbst ist es so als wäre ich nie weg gewesen. 
Ich diskutiere welche Beweggründe es geben könnte in einem vollbeheizten Raum mit dicker Eskimopelzjacke zu sitzen! 
Ich erkläre, dass man sein Smartphone definitiv nicht in den Rucksack packen kann, wenn dieser noch auf dem Rücken verweilt. 
Ich meckere, weil ich es nicht verstehen kann, wie man OHNE jegliches Schulmaterial ("Frau Herzmoleküüüüül, walla...isch hab mich verschlafen. Da hab isch Rucksack vergessen!") zur Schule kommt. 
Ich zeige voller Stolz Minimolekülbilder. Und Videos! Lachende! Und notiere mir Pluspunkte für jedes "Aaaaaaboooooo, voll krass schöne Augen!".
Ich stehe vorne an der Tafel und hasse weiterhin die Kreide an den Fingern. 
Die wasche ich ebenso weiterhin nach jedem Anschrieb ab. Und ich schreibe oft und viel. 
Ich stehe und laufe und lache und das alles ist so gleich und so anders. 
Ich bin Lehrerin Penny. Wie eh und je. 
Nicht weniger oder mehr böse. 
Meine Schülerwahrnehmung ist keine andere. 
Wer doof spielt, bekommt es weiterhin von mir gesagt. 
Wer nervt sowieso. 
Ich bin weiterhin ich. 
Das hat sich nicht verändert. 
Und doch ist alles anders. 

Wenn ich zur Tür hereinkomme, bin ich nicht mehr Lehrerin Penny. 
Ich stelle meine wunderschöne Schultasche in die Ecke und tausche sie gegen die geliebte Wickeltasche. 
Ich setze mich auf die Kaffeeplauderbank, berichte von meinen Schulerlebnissen und warte darauf, dass ich mein kleines Baby nach seinem Mittagsschläfchen endlich wieder in den Arm nehmen kann. 
Mein Leben ist perfekt. 
So wie es ist! ❤️

Macht euch euer Leben perfekt. Es gibt keinen falschen oder richtigen Weg. Es gibt nur den perfekten. Für euch. 
Ich hoffe ihr findet ihn. 

Eure Penny ❤️





Dienstag, 17. Februar 2015

Was würde Turnvater Jahn dazu sagen?

WIch bin gerade darüber traurig, dass so viele liebe Menschinnen derzeit schwere Zeiten durchmachen müssen. 
Und weil ich gar nicht wirklich weiß, wie man in solchen Momenten Trost spenden kann (und das auch manchmal gar nicht gefragt ist), so schildere ich jetzt einfach mal meine salopp formuliert desaströs peinliche Sportstunde nach laaaaaanger Zeit. 

Letzte Woche Freitag musste ich zum Sport. 
Ja, richtig: MUSSTE! 
Mein Körper hat ja jetzt monatelang echt den Mund gehalten. 
Hat sich Einiges gefallen lassen (nun jaaaaa...ich finde allerdings...gut, gut, gut...). 
Aber irgendwann in den letzten zwei Wochen muckte er auf. 
Zudem kam noch der innere Schweinehund ganz durstig um die Ecke geflitzt, aber dem habe ich es gezeigt. Paaah, als er kam, nahm ich eine Mettwurst und schob sie ihm so weit in seine kleine Schweinehundfresse...der ist jetzt erstmal still. 
Jedenfalls hatte ich eine Körperintervention so mit Banner und alldem, die sich gewaschen hat. 
"Penny", sagten Arme, Beine, Bauch und Po im Chor: "Wir wollen wieder gefordert werden. Sieh zu!".
Und ich sah zu. 
Allerdings ohne vorher mal abzuchecken, ob meine alten Sportsachen auch zusahen. Oder besser: mitmachten.
Das fiel mir dann just in dem Moment ein als meine Eltern zum Aufpassen des kleinen Minimoleküls angefahren kamen. 
Nun denn...mit etwas Fantasie (also 5 kg weniger!, athletisch durchtrainierte Beine und blabla) ging das wohl. Ich kam rein. Und schloss ab da meine Augen. 
Hab ich schon einmal gesagt, dass es mittlerweile ziemlich sehr praktisch ist, wenn man sich erst einmal der Würde entledigt und daran gewöhnt hat? 
Probiert es aus. Das geht.
Und ich bin fast so weit zu sagen: "Geh mich wech damit. Dat will ich nich mehr sehn, dat fiese Würdedingens!".
Ohne ist es deutlich stressreduzierter. 
So fuhren wir also, nicht ohne dass ich in allerletzter Sekunde noch daran dachte mir mein letztes Paar Tageslinsen in die Äuglein zu pfriemeln, los. 
Angekommen. Zack, Eintrittskarte vergessen. 
"Macht nichts", sagt mein Mann!
"Scheiss drauf", sagt mein Körper. 
"Ach, komm wir drehen um. Du siehst verdammt lächerlich und sooooo unsportlich aus", brüllt der Verstand mir ins Ohr.
Gut ist, dass er längst keine Überhand mehr hat. Der Verstand meine ich. 
Und wer hier lacht...also bitte...findet ihr das nicht ein kleines bisschen unverschämt? 
Hinein in die gute Stube. 
Was sich alles in einem Jahr verändert hat. 
Wahnsinn. 
Diese Matten...also diese neuen...ich bin begeistert und schnappe mir eine davon. 
Ich ziehe Schuhe und Socken aus (küsse mich selber dankend, denn YEAH YEAH die Fußnägel sind tippitoppi lackiert...du bist die BESTE Penny!) und warte, dass es losgeht. 
Und das tut es. 
Mit der Begrüßung und der steten Frage, wer denn neu hier sei? 
Also iiiiiiiiiich fühle mich nicht angesprochen. Ich stehe wie eine rhythmische Sportgymnastikdame vor meiner Matte. Selbstsicher. Stilvoll. Mit explodierendem Milchbusen. So what. 
Ich betrachte diesen Vorbau im Sporttop fasziniert. Hebe die guten Stücke verträumt an. Die Musik erklingt...
Vielleicht sollte ich sie dann doch mal loslassen und mitmachen? 
Kein Ding. 
Wir wärmen uns auf. 
Ich ziehe mir meine Überziehjacke doch nochmal drüber. Frisch hier. 
Ich versuche emsig der Choreo zu folgen. Turne gekonnt ins Krokodil. Und in die Kobra. 
Mir wird warm. 
Besser doch die Jacke wieder ausziehen. 
Ich vergesse, dass sie einen Zipper hat. 
Alles um mich herum turnt und das Jäckchen steckt oben am Kopf fest. Der Zipper ist irgendwo an meinem
Mund, die Arme sind gestreckt nach oben. Es geht nicht weiter. 
So verharre ich. Fluchend. Ein Anflug von Peinlichkeit. Aber nur der Anflug. 
Ich zappel hin und her und befreie mich letztlich, während der Trupp schon längst bei den Twists angelangt ist.
Ich twiste noch etwas mit. 
Und dann machen wir Dinge für die Bauchmuskeln. "Oh fein", freue ich mich, um mir einen Sekundenbruchteil später mit der flachen Hand auf die Stirn zu hauen: Haaaaallooooo? Du hast gar keine Bauchmuskeln mehr. Die sind futsch! 
Ja, danke sehr. Merke ich nun auch. 
Ich bewege mich unkoordiniert. Schwabbelig. Eben ohne Muskeln. 
Wo sind die denn hin? Kommt bitte zurück! Ihr ward mitunter das einzig trainierte Körperteil. Och büddeeeee! 
Vielleicht erhören sie mich. Irgendwann. Ich bleibe dran.
Nach einer Stunde sind wir fertig.
Abschließend soll ich meinen Körper innigst lieben. 
Und während die Trainerin das vorne meditativ vorträgt und ich eigentlich schon wieder losprusten möchte, da halte ich kurz inne und liebe ihn wirklich. Denn er ist ein guter Körper. Eine Maschine von Körper. Mit kleinen Macken, aber wer hat die nicht? 

Ich verlasse erschöpft das Sportstudio, bin stolz auf mich, dass ich mich nicht mal zehn Wochen nach der Geburt dazu aufgerafft habe und löffle Zuhause zur Belohnung einen riesigen Pott Ben&Jerry's! 

Grüßt euren inneren Schweinehund von mir!

Eure sportive athletische Penny ❤️





Mittwoch, 11. Februar 2015

Donna Quijote

Ich bin es gewohnt. 
Ich mache es unentwegt. 
Ich kämpfe. 
In der Schule leider gegen Windmühlen. 
Ich muss mir meine mir rechtlich zustehenden Stillpausen erkämpfen. 
Ich kämpfe dafür, dass ich nicht genau dann, wenn ich abpumpen müsste, für die Pausenaufsicht eingeteilt werde. 
Dass ich nicht all die zusätzlichen Vertretungsstunden (man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ich hatte sogar Vertretungszettel ohne Ende in meinem Fach für Tage, an denen ich mich noch im Mutterschutz befand!) geben muss, weil ich Zuhause ein Baby habe. Und es genügend andere Kollegen gibt. Jene, die NIE für solche Vertretungen eingesetzt werden, weil...
Ja, warum eigentlich nicht? 
Ich weiß es nicht. 
Auch ist es mir schleierhaft, warum man freie Tage in den Stundenplan einbauen kann, wenn Kollege "Faulste Socke der Welt" freitags immer Golfstunde hat, aber einer Mutter, die einen Säugling daheim
hat und die trotzdem mit voller Stundenzahl zurück kommt, nicht. 
Obwohl man es ihr versicherte. 
Plötzlich habe ich eben "Pech"!
Und ja, DAS macht es schwer. 
Die Klassen wiederrum nicht. 
Ich liebe meinen Beruf und auch wenn ich am Montag mit einem Gefühl der Nacktheit das noch schnorchelnde Herzmolekül-Nest verließ, so war ich in den Unterrichtsstunden ruhig und gelassen. 
Denn ich weiß, dass meine Beiden die paar Stunden gut alleine ohne mich auskommen. 
Und so erlebte ich in den ersten beiden Tagen als Mutter UND Lehrerin liebenswerte Schüler mit denen das Arbeiten wieder so viel Spaß machte. 
Lustige Anekdoten, die ich bereits nach dem ersten Tag daheim auf der Kaffeeplauderbank erzählen konnte. Dieses Mal hörte einfach noch ein weiteres Persönchen zu, als ich von einer verwirrten Seele und seinem Praktikumsrauswurf berichtete. 
Wenn ihr meint, dass das schon spannend klingt, dann muss ich euch enttäuschen, denn der Dienstag bot noch mehr Highlights. Ich sage nur Bundesverfassungsschutz und Autoschieberei. Aber dazu in einem gesonderten Post mehr...ihr müsst ja neugierig gemacht werden. Und ich kann schon mal verraten: Beides Stories haben es in sich. 

Ich weiß nicht wie meine langfristige Zukunft an dieser Schule sein wird, denn es sind zu viele Windmühlen gegen die ich gezwungen bin zu kämpfen. 
Das macht mich mürbe. 
Ich erwarte gar nicht viel, aber wir sind eben offenbar auch im Schulbetrieb nicht ganz so familien- und mütterfreundlich, wie immer suggeriert wird. 

Ich kämpfe weiter. 
Für meine Rechte. 
Für meine Familie. 

Ich bin Donna Quijote. 
Und reite am Ende des (Schul)Tages weiterhin mit Liebe überfülltem Herz zu meinen beiden Jungs! 
Dort ist kein Kampf. 
Dort wohnt die Liebe. 

Lasst euch nichts gefallen! 
Eure unterrichtende Mama-Penny, deren Minimolekül lacht. Und zwar so sehr, dass aus meinem Herzen die Liebesmoleküle nur so flattern. ❤️

Samstag, 7. Februar 2015

Ich bin dann mal BEIDES, nech?!

Also die Mama Penny, ne, die ist ja schon so ein richtiges Weicheimuttertier. 
So ne Mutti-Pussy. 
Ganz schlimm. 
Am Mittwoch habe ich einen schrecklichen Unfall mit unserem Minimolekül gebaut. Mit dem MaxiCosi. Ich mag nicht viel darüber schreiben, weil mir die Bilder des Grauens noch sehr im Herzen wehtun, denn es war furchtbar und bescherte dem Kleinen (und mir, aber das ist ja völlig schnuppe) eine Nacht im Krankenhaus. 
Mutti mit dicken Heulklüsen, schuldbehaftet und ein Minimolekülmann, der wenige Momente nach dem Unglück bereits fröhlich grinsend die Welt bestaunte. 
War uns gleich. Sicher ist sicher. Und so verbrachten wir nun die Nacht eine Etage tiefer genau dort, wo er vor etwas mehr als 8 Wochen mit seinem atemberaubenden Schrei die Welt begrüßte. 
Letztlich wurden wir am nächsten Vormittag mit der Diagnose: Nix passiert. Baby ist fit und glücklich und gesund entlassen, aber mein extrem blutiges Mutterherz muss das erstmal verarbeiten. 
Dies sieht dann leider dementsprechend nicht soooo gut für den Kleinen aus, denn meine Eigentherapie besteht aus extremer Babybelästigung: kuscheln. Knutschen. Kuscheln...jaaaaa, es ist sicher sehr anstrengend für ihn. Aber er ist noch zu klein, um das Jugendamt über diesen Missstand zu informieren. 
Und Babyamnesty kennt er auch nicht. Also komme ich vorerst ungeschoren davon! Praktisch oder? 

Das Gute für ihn: Ab Montag bekommt er streckenweise etwas Erholung. 
Meine Männer können sich nun so einen richtigen Männermorgen machen. Ich stelle mir vor, dass sie sich beide morgens gehen lassen. Gemeinschaftlich pupsen oder rülpsen. Oder was auch immer so richtig lässige Jungs morgens ohne Mutti so treiben mögen. 
Vielleicht will ich es gar nicht wissen? :))

Jedenfalls bin ich dann mal wieder in meiner anderen Superwomanrolle unterwegs. Mama Penny spielt ein bisschen Lehrerin. Und wie das ausschauen wird, durftet ihr ja bereits vor einiger Zeit lesen. 
Böööse! Seeeeeeehr böse! 

Es ist eine Herausforderung, der ich mich da stelle. Der wir uns alle beide stellen, denn Mr Herzmolekül ist ja mit an Bord. 
Und ich habe keinerlei Zweifel daran, dass wir dieser gewachsen sind. Dass wir sie meistern. 
Mein Stundenplan ist prima, sodass ich bereits mittags wieder daheim sein werde. Bei meinen Jungs. 
Dass das purer Luxus ist und es generell ein wahres Luxusjahr für uns als Familie sein wird, weiß ich zu schätzen. 
Ich bin sehr gespannt wie meine ersten Schritte als (noch stillende!) Mama UND oberkrasse Lehrerin sein werden. 
Also, vielleicht seid ihr ja weiter dabei, wenn ich hier den Spagat mache zwischen Weichspülermum und Rohrstockpädagogin. 
Ich bin etwas aufgeregt, aber das gehört wohl dazu. 

Eure Penny, deren Minimolekül nächste Woche die Geburtstagsauslosung übernehmen wird! Jaaaaawooooohl! ❤️

Montag, 2. Februar 2015

Eischlüpftag der Molekülwelt

Heute vor einem Jahr wurdest du geboren. 
Ich erschuf dich aus dem Gefühl heraus, die bewegenden Dinge des Lebens, die molekülgeladenen Emotionen und Gedanken, endlich wieder niederzuschreiben. 
Ich wußte nicht, was das Jahr 2014 bringen würde und um ehrlich zu sein fing es auch ziemlich bescheiden an. 
Alles war irgendwie in der Schwebe. 
Anträge wurden ewig lang bearbeitet. 
Und im Herzen waren Hoffnung, Zuversicht und schrecklich viel Angst. 

Ich erschuf dich, meine heißgeliebte Molekülwelt und so viele Andere begannen auch dich zu entdecken. 

Raumschiffe landeten. Einige verweilten. Andere kamen ab und zu vorbei und wiederrum andere winkten nur kurz, machten keine Rast und zogen weiter. 

Wer auch immer auf diesem Planeten hier landet und es weiterhin tun wird: Ihr seid immer Willkommen. 
Herzlich. 
So wie sich das gehört auf einem friedlichen Planeten.

Ich hätte am 2. Februar 2014 nicht gedacht, dass so viele von euch den Weg zu mir finden.
Über jeden Einzelnen und jede Einzelne (ob klammheimlich oder lautstark) freue ich mich. 
Ihr macht diese Welt mit euren so unterschiedlichen Molekülen unfassbar vielfältig. Kunterbunt. So wie es sein soll. 
Deswegen sage ich Danke! 
Von Herzen. 
Und führe den Tanz der Moleküle auf. 
Zur Feier des Tages. 

Danke für bisher
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die ihr unter 173 Posts von mir gesetzt habt.

Danke für alle eure Klicks aus aller Welt. 
Ob Schweiz (Sali), Österreich (Servus), England (Hi), Spanien (Hóla), Türkei (Selam), Niederlande (Hallo) und, und, und...

Ich bin immer noch sprachlos, wenn ich in den Statistiken sehe, woher ihr alle kommt! 

Ihr seid mit mir durch ein turbolentes Blogjahr gegangen. Ward immer dabei. 
Ich habe es immer sehr kryptisch gehalten, aber wer sich dafür interessierte, wußte, wann unsere Glücksbohne zu uns kam und blieb. 
Ihr habt das Minimolekül zum Minimolekülmann heranwachsen "lesen", ihr habt Mini-Herzmoleküls ersten Schrei mitgelesen. 
Es war ein einzigartiges Bloggerjahr für mich und vielleicht auch für dich oder dich oder dich? 

Ich hoffe wir feiern weitere Bloggeburtstage zusammen? 
Und weil es so schön ist, lassen wir die Korken knallen und da das ja nicht alles sein kann, verlose ich unter allen Kommentaren unter diesem Post eine Kleinigkeit! 

Also fasst euch, auch die sonst heimlichen :) LeserInnen, ans Herz und macht mit. 


Eure glückliche Penny ❤️

P.S.: Natürlich erfreue ich mich auch an meinen Followern und würde mich freuen, wenn ihr auch dazu gehört! :)