Dienstag, 11. Oktober 2016

Wuselkopf -SSW 9 (Rückblick Teil II)

Am Dienstag durfte ich mich unverhofft davon überzeugen, dass es euch weiterhin gut geht. Eure winzigen Herzen wummern in mir. Ihr bekommt langsam Arme und Beine. Einer von euch hat damit gewedelt, das war so niedlich. 2 cm große Wedelkinder wachsen in mir. 

Durch meinen Kopf schießen- neben ganz verrückten Hormonen - wilde Gedanken. Und ich habe Angst. Angst vor der Zeit. Und Angst, dass euer großer (doch noch so kleiner) Bruder zu kurz kommen könnte, wenn ihr da seid. Ich weiß ja wie viel Aufmerksamkeit er allein für sich derzeit bekommt. Das wird sicher nicht einfach für ihn werden, wenn er jetzt ganz unbedingt etwas möchte und ihr parallel dazu wein...äh schreit, weil ihr hungrig seid. Puuuh, und schon ist der dicke Kloß im Hals. Eine Mischung aus dieser beschriebenen Angst und auch Scham. Ich möchte nicht so denkem. Ich möchte mich nur freuen und doch mache ich mir Sorgen. Um fast alles. 

Mein Bauch gleicht in der 9. Woche einem 4Monatsbauch. Ordentlich füllig bin ich. Abends ist es zwar noch schlimmer, aber auch tagsüber kann ich es nicht mehr kaschieren. Die Kollegen gucken. Ich ziehe den Bauch ein, kann das aber nicht lang durchhalten, weil ich ja ungünstigerweise atmen muss. 

Deshalb wandern jetzt schon langsam Schwangerschaftssachen in meine virtuellen Warenkörbe. Ein wunderschönes Herbstkleid ist bereits hier eingezogen und ich freue mich sehr darauf dieses bald mit meinem Fesselballon auszufüllen. 

Dann überlege ich, ob ich eine Hebamme möchte. Also eine Vor- und Nachsorgehebamme. Die erste, die ich beim Minimolekül hatte, hat mich gestresst und genervt und war alles andere als eine Wohltat. Sie hat mich oft vergessen, vergaß aber auch das Absagen und kam immer mindestens eine bis zwei Stunden zu spät. Fand ich nicht witzig, denn sie hatte eh immer lustige Besuchszeiten: "Morgen um 21 Uhr!" Und dann kam sie um 22 Uhr, ich total müde, das Minimolekül quengelig. Ne, danke. Aber bei Zwillingen, die ich gerne versuchen möchte zu stillen (Herr Herzmolekül findet das ist ein Wahnsinn. Ich - mit Verlaub - finde das auch in der Vorstellung plus Kleinkind! sehr krass, aber ich werde es dennoch versuchen. Vielleicht schaffe ich nicht jede Mahlzeit mit der Brust zu geben, aber die beiden Zwerge sollen genauso Mumilch bekommen, wie ihr Bruder), wäre so eine erfahrene Hebamme nicht schlecht. Ach, ich weiß auch nicht. Es muss passen. Ich werde mal anfangen zu suchen, auch wenn jetzt schon einige Ladies hier die Hände über den Kopf schlagen und "zu spät, schon viel zu spät" murmeln. Kann sein, muss aber nicht. Ich bin entspannt, bitte lassen Sie mich.  

In knapp zwei Wochen werde ich es in der Schule kundtun. Endlich. Irgendwie freue ich mich langsam mehr und mehr darauf von diesem Doppelwunder zu erzählen. Verstecken kann ich es eh nicht mehr lange. Zudem war ich jetzt öfter wegen diverser Übelkeitsanfälle krank geschrieben. Mir ist es furchtbar unangenehm deswegen zu schwindeln und irgendwelche Magen-Darm-Stories zu erfinden, aber ich bzw. wir wollen es nicht so früh preisgeben. Aus etlichen Gründen. Gerade wird auf sämtlichen Kanälen bereits in der 7. oder 8. SSW die frohe Botschaft in die Welt posaunt. Kann man machen, aber ist nicht meins. 
Aber bald, ganz bald, da werden wir unser Doppelgeheimnis lüften. 


So, ich muss hier mal aufräumen, gleich kommt eine Gutachterin und schaut sich unser Sanierungsergebnis an. 

Eure Penny, die so vor sich hin kopfschmerzt. Tag für Tag. ❤️



Montag, 10. Oktober 2016

Go-Gong bei 7+2 (ein Rückblick)

In mir flattern zwei schlagende Herzen. In etwa 1 cm großen Babies. Unglaublich.
Unglaublich übel ist mir auch. Ich wusste nicht, wie viel man brechen kann. Manche Tage sind besser, manche einfach ziemlich schlimm. Dazu bleiernde Müdigkeit. Nahezu komatös bin ich. Und das mit Kleinkind und Beruf. Uff. Das haut mich gerade so um, bin bereits mittwochs nach meinem Unterricht absolut erschöpft. Der Kleine darf und soll aber nicht zu kurz kommen. Nach der KiTa wird gespielt. Gekuschelt. Zusammen Mittagschlaf gehalten. Getobt. 
Abends dann geht nicht mehr viel.  

Ich liebe das alles. Meine Familie, die ich jeden Tag um mich habe und die zwei kleinen flimmernden Herzwürmer. 

Wir sollten Lottospielen, ganz vielleicht. ❤️ 

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Die Wege des Dienstherrn sind unergründlich und auch sonst ist's schräg

Vorgeschichte:
Vor zwei Wochen - als noch niemand von unserem dynamischen Duo wissen sollte - kam es zu einem unangenehmen Vorfall in meiner Schule. 
Ein mir bis dato unbekannter Schüler schubste mich absichtlich und ziemlich harsch zur Seite, als ich gerade dabei war meinen Klassenraum zu betreten. Der Grund war trivial und liest sich kindisch (leider ist das aber mein tagtägliches Erleben): Einer meiner Schüler hatte ihm seine Mütze vom Kopf gerissen, rannte damit in den Raum und der andere wetzte ihm nun völlig fokussiert auf dieses Pillepalleding hinterher. Stieß mich gegen die Wand und ich schrie ihn fassungslos an, dass er aber mal ganz sofort verschwinden soll. 
Danach war ich wirklich aufgewühlt. Emotional sind die Klassen, die ich unterrichte, auch unschwanger eine Herausforderung, aber DAS ging mir einfach gefühlsmäßig komplett zu weit. I
Ich saß nach Unterrichtsende etwa 20 Minuten völlig geladen, wütend und auch ziemlich erschrocken im Auto und traute mich nicht loszufahren, weil ich so voller Adrenalin war. 
Zuhause heulte ich mich richtig aus und Herr Herzmolekül wurde stinkesauer. Wir beschlossen, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt wäre die Schulleitung über die Schwangerschaft und natürlich über den Vorfall zu unterrichten. 

Gesagt, getan. 
Der Schulleiter schickte mich - so ist das offizielle Prozedere - zur amtsärztlichen Untersuchung (welche nur ein lachhaftes Gespräch ist, der Eine oder Andere erinnert sich vielleicht noch an die Berliner Schnauze?) um mir bestätigen zu lassen, dass ich trotz Schwangerschaft weiter unterrichten darf. 

Das Gespräch - oder: Woll'n Sie mich verarschen?

Natürlich hatte der kleine Minimolekülmann am Tag der Untersuchung Fieber. KiTa fiel aus, Mann war arbeiten, also nahm ich den Knirps kurzerhand mit. 
Und was ich da erlebte, werde ich - so originalgetreu und unübertrieben wie möglich - in Dialogform wiedergeben. Denn DAS muss man erlebt haben. 

"Frau Herzmolekül, ich stelle Ihnen ein paar Fragen! Unterrichten Sie potentiell aggressive Kinder und Jugendliche?"

"Ja (es folgte eine Erläuterung des Vorfalls sowie eine ausführliche Beschreibung meines Schülerklientels)."

Der Amtsarzt machte daraufhin einige Kreuze auf einem Formular, aus dem hervorgeht, dass er zu einem absoluten Beschäftigungsverbot rät (bei Umgang mit aggressiven Jugendlichen).
Dann ging das Gespräch weiter, das hat jetzt nichts mit der eigentlichen Thematik zu tun, ist aber so abgefahren schräg, dass ich es gerne aufschreiben würde. Wer nur zur Thematik weiterlesen will, möge mit seinen kleinen Äuglein zur nächsten fetten Überschrift hopsen.

"Soll ich Ihnen noch was über die chemischen, physikalischen und psychischen Gefahren aufklären?"
"Nein. Das brauchen Sie nicht. Ich habe keine weiteren Fra..."
"Also gut. Zu den chemikalischen Gefahren...die Mama (wendet sich zum malenden Minimolekül), trinkt ja kein Wasser aus Plastikflaschen, nech? Und die Mama isst auch keinen abgepackten Käse, weil der dem Baby auch schadet. Da sind Weichmacher drin, das weiß die Mama ja, ne?"

"Die Mama trinkt natürlich Wasser auch aus Plastikflaschen."

"Was? Damit schadet die Mama aber ihrem Baby. Das will die Mama aber nicht und ab jetzt lässt sie das sein..."

Alter Falter, ich war auf 180. Wäre der Zwerg nicht dabeigewesen, hätte ich mich komplett vergessen. Stattdessen sagte die Mama:

"Die Mama bekommt sogar ZWEI BABIES!", und dachte sich nur: Du dummer Arsch. Mein MuPa liegt vor dir. Den hast du dir angeblich angeguckt. Dann solltest du das wissen!!!!

"Jetzt wirklich? Dann muss die Mama aber noch viel mehr aufpassen. Sie wissen ja, dass Sie sich immer schön die Hände waschen müssen? Und dass Sie sich nicht mehr einfach so eincremen dürfen. Denn in vielen Cremes ist ja Alkohol enthalten und dann trinken Ihre Babies ja Alkohol. Aber das weiß die Mana ja alles, nech? 

Die Mama verkloppte den Schwachmaten vor ihrem geistigen Auge. Blanker Hass sprühte aus meinen Poren. Ich schaute den Irren nicht mal mehr an und widmete mich des Minimoleküls künstlerischen Seins. 

"Und die Mama tankt jetzt auch nicht mehr. Denn dann atmen die Babies ja das Benzol ein. Und das schadet ihnen gaaaaaaaaaanz schlimm!"

In meinen Gedanken (ich hab' da sehr hässliche) schmiss ich ihn gerade richtig wunderschön einen hohen Turm runter und genoss den Aufprall. 

"Und die Mama sagt ihrem Körper jetzt immer VORHER, dass sie dich gleich hochhebt. Denn sie darf jetzt ja gar nicht schwer tragen. Und wenn sie morgens aufsteht und ihre Zähne putzt, dann sagt sie das ihrem Rücken, damit er nicht aus Versehen einen Nerv einklemmt!"

Und die Mama haut dich gleich. Ganz feste. 

"Und die Mama lässt jetzt immer nur die Freude in ihre Seele. Dafür ist sie jetzt verantwortlich. Denn wenn die Mama keine Freude in sich lässt, dann haben die Babies auch keine Freude. Und welche Auswirkungen das hat, das wissen wir erst, wenn die Kinder nach Jahren in eine THERAPIE müssen."

Die Mama - also ICH - war jetzt bereit in echt zu töten. Ohne Skrupel. Deswegen signalisierte ich dem Verrückten, dass das Gespräch (also sein einseitiger Monolog) EXAKT hier beendet sei,  nahm mein Kind und ging. 

Das Urteil
Mit der Empfehlung des Psychopathens ging ich zur Schule. Der Schulleiter ließ sich von mir zusätzlich schriftlich geben, welche aggressiven Verhaltensweisen ich oftmals erleben muss. 
Dies leitete er dann an die zuständige Dienststelle. 
Diese verstand natürlich überhaupt nicht, dass ich ein Beschäftigungsverbot erhalten sollte und so kam es dann kurz und knapp zu der Entscheidung:
Wir wissen zwar, was wir wissen, aber hey: No risk, no fun. 
Solange noch NICHTS SCHLIMMES passiert ist, kann die Frau Herzmolekül bitte/danke weiterhin ihren Dienst leisten. 

Das Jetzt
Und so fahre ich nun zur Schule, unterrichte weiterhin verhaltensgestörte Schüler, führe Gespräche mit ihren Bewährungshelfern und bete einfach, dass NICHTS passiert. 

Eure Penny, die schon auch so'n wenig dieses System verteufelt. ❤️


 

Dienstag, 4. Oktober 2016

Hello World

Hier stand ein Text. Ein seeeeeeeehr langer sogar, liebevoll zusammengewurschtelt während einer meiner derzeit wieder ewig dauernden Minimoleküleinschlafbegleitungen (okay, ohne das Einschlafen so richtig damit zu erzielen, aber das steht hier gerade nicht zur Debatte!).
Und dann habe ich einige Tage verstreichen lassen, immer mal wieder ein paar Formulierungsgedanken im Gehirn versteckt und tja...letztlich alles gelöscht. Weil's schon auch ziemlich pennylike geschrieben ist und es wirklich umfangreich dargestellt war und generell passte, aber dann irgendwie doch nicht. 

Es ist konfus, aber da müssen wir jetzt alle durch. Ich erlaube mir zu schreiben: Ich darf das. 
Ich darf so Einiges. 

Mich beispielsweise von Schülern gerade konsequent auf die Palme bringen lassen oder von der Bürokratie des Lehrerdaseins. Darf ich alles. 

Ich darf mir gerade die wildesten Träume, wenn ich denn in die Tiefschlaftraumphase gelange (das Minimolekül...)
angucken und nicht wegrennen, weil das geht ja in den meisten Träumen unpraktischerweise nicht. 
Ich darf mir unser wirklich wunderschön gewordenes Haus angucken, durch die Zimmer streifen und laut denken: "Ah, ja, das könnte passen. So funktioniert's sicher!"

Ich darf Herrn Herzmolekül mit meinen wirren Gedanken beeindrucken (also seiner Meinung nach nicht, aber naja, mit Verlaub: Die zählt da gar nicht) und ich darf durch's Internet stöbern und mich in dessen schier endlosen Shoppingwelten verirren.   
Einiges ist voll gut von dem, was ich darf!

Ich darf nervös und vorfreudig und total panisch und voller Liebe und Sorge und Zuversicht und zwischendurch dann wieder dezenter Panik unser schönes Leben leben und genießen. 

Und mir über meinen Bauch streicheln. 
Das darf ich auch. 
Darf ja jeder. Also jeder bei sich natürlich. 

Ich hingegen streichle mir über meinen Bauch und darf das große Glück, die wahnsinnige Achterbahnfahrt mit einer weiteren Schwangerschaft erleben. 

Denn ja: Wir werden wieder Eltern. 

Und es sind zwei. 
Zwei verdammt süße Paddelbabies in meinem Bauch. Jetzt gerade. Da drinnen.  


Ich sage also: "Hello World!"
I am back. Mit zwei weiteren Molekülen im Gepäck!