Wofür?
Na, ich bin wieder da.
Kann hier am virtuellen Leben wieder teilnehmen.
Und ja: Das ist etwas Besonderes.
Denn seit gut einer Woche waren meine Ladekabel sagen wir ZERFETZT, weswegen ich nur noch sporadisch online sein konnte.
Also natürlich habe ich vorsorglich für Ersatz gesorgt, aaaaber hier scheinen die bestellten Dinge dann doch noch per Fahrrad angeliefert zu kommen, weswegen sich meine Bestellung eine laaaaange, sehr, sehr lange Woche hinauszögerte.
Mit unserem Hans-Peter bin ich ja weiterhin auf Kriegsfuß. Den rühre ich nur im äußersten Notfall an. Paaah!
Jedenfalls bin ich wieder da...taaaadaaaa! So richtig.
Mit dicker Brandblase.
Aber das ist mir jetzt allemal lieber als noch am Mittelfinger diesen winzigen Tannenzapfen kleben zu haben.
Sicher, er war äußerst schmuckhaft und man hätte meinen können: Das soll so.
Aber irgendwie riss ich das Ding vorhin panisch ab. Kann auch am sehr heißen Heißkleber gelegen haben. Der tat weh.
Deswegen tippe ich jetzt übrigens gerade mit weggespreiztem Mittelfinger. So wie ein Stinkefinger, nur im anderen Winkel, versteht ihr, nicht?
So, nachdem das nun geklärt ist, kommen wir zur Sache:
Letzte Woche hatten wir das Geburtsplanungsgespräch im Krankenhaus.
Das macht man jetzt nämlich in der heutigen Zeit so.
Gehört zum guten Ton werdender Eltern. Und man wird auch schräg von der Seite angeschaut, wenn man sagt: "GeburtsWaaaaaas?"
Ne, ne.
Man wird ja Profi.
Und als solcher habe ich ja bereits sämtliche Kurse der Schwangerschafts- und Geburtsvorbereitung geflissentlich missachtet.
Ich bin da recht eigen. Falls man das noch nicht wusste?
Auf alle Fälle hatten wir jetzt den wichtigen Termin der Geburtsplanung.
Und ich nehme solche Termine, wenn ich sie denn dann mache, auch absolut ernst.
Generell fand ich es ja toll, was heute so alles möglich ist. Denn Geburtsplanung, sorry, das hört sich für mich wahnsinnig vielversprechend und eben planerisch an.
Ich stellte mir also vor, dass ich denen da genau sagen kann, wie meine Geburtsvorstellungen sind:
Genauer Tag der Geburt.
Genauer Zeitpunkt der einsetzenden Wehen.
Exakte Vorstellungen von der Wehenanzahl bis der Minimolekülmann geschlüpft ist.
Und so weiter und so fort.
Ja, wenn die hier schon so große Namen haben und es GEBURTSPLANUNG nennen, bitte, dann wollte ich hier auch von A bis Z planen.
Die Realität ist dann - oh Wunder - eine andere:
Zunächst wurde Mr Minimolekül (so nebenbei, bald ist er dann Mini-Herzmolekül) nochmal geschallt und seine Lage beurteilt.
Ein streberhaftes kleines Menschlein, das sich kopfüber offenbar pudelwohl fühlt und wie sagte der Arzt so schön: "Ein absolutes Durchschnittsbaby ist!"
Übrigens mit ganz normaler Fruchtwassermenge. Alles ganz normal.
Durchschnitt ist wunderbar. Wunderbar beruhigend. Ganz ehrlich. Man freut sich drüber.
Nach dem US wird dann abgecheckt wie die Walin so drauf ist. Und dann, wenn man sich als lässige entspannte "Ich möchte bitte auf ganz natürlichem Weg gebären" Walin entpuppt, ach, dann strahlen und funkeln die Äuglein der Ärzte und Hebammen.
Wenn ihr mal einem Arzt eine Freude bereiten wollt: Dann sagt das einfach mal so dahin. Irgendwas wie: "Also ich würde immer die normale Geburt bevorzugen. Trotz Schmerzen und Anstrengung!".
Ihr werdet in glückliche Augen schauen.
Leider ist es nur so, dass man sich ganz selten darum schert einen Arzt happy zu machen. Machen die ja auch oft nicht.
Aber der Arzt, ach, der hatte es schon verdient.
Wenn das Thema "Wunschkaiserschnitt" (übrigens noch immer für mich das (Un)Wort des Jahres!) vom Tisch ist, wird man in den Kreissaal gebracht.
Und das, meine Lieben, ist speziell. Und komisch.
Man sitzt da in einem der Räume, in denen in wenigen Wochen oder Tagen das Minimolekül geboren wird. Nicht könnte eventuell und irgendwann. Nein: Wird. Definitiv.
Und dann sitzt man da auf dem Bett, beantwortet geduldig 2350 äußerst uninteressante Fragen der Hebamme und ist gedanklich im Grunde ganz weit weg.
Man betrachtet den gegenüber stehenden Tisch für die Erstversorgung. Die Wärmelampe. Die Tücher und die Waage. Und man denkt sich nur: "OH mein Gott!"
Es ist kein ängstliches OH mein Gott. Nein, es ist eher so immer noch ein begriffsstutziges. Ich weiß, dass es so weit sein wird, aber ich kann das trotzdem weiterhin nicht so richtig fassen.
Wird das erst der Fall sein, wenn wir ihn zum ersten Mal sehen?
Ich spüre und sehe ihn da in meinem Bauch. Seine Füße, seine Knie, sein Popo und sein Rücken sind ständig richtig greifbar. Und doch kapiere ich es nicht so richtig.
Mein Kopf ist völlig GAGA!
Weiter im Text: Diese Hebamme ist also auch hocherfreut, dass ich eine natürliche Geburt anstrebe. Sie ist zwar so sehr eigentümlich und versteht meine Witze nicht wirklich, sondern schaut konsequent wortlos und irritiert, während ich mich halb aufgeregt und eben halb witzig wegkichere, weil ich wieder was verdammt Lustiges im Kopf herumschwirren habe, aber egal.
Sie freut sich. Natürliche Geburt ist ihr Ding.
Dann kommt sie zur letzten Frage:
"Kann ich sonst noch etwas für Sie tun? Haben Sie noch irgendwelche Wünsche?"
In meinem Kopf geht es wieder los. Ich schmeiße mich innerlich weg und denke: "Ja, Herzchen. Bifi. Leberwurstbrot. Mettbrötchen!", zügle mich aber es rauszuhauen, denn meine vorherigen Witzeleien sind ja bereits im Wind verpufft und das wollte ich mit diesen eigentlichen Oberkrachern nicht erleben.
Stattdessen höre ich meinen süßen Herrn Herzmolekül sprechen:
"Ja, einfach ein gesundes Baby. Mehr möchten wir nicht!"
So, verehrtes Publikum: Der Vorhang fällt jetzt wieder. Schaut hinter die Kulissen.
Aber nicht luken: Ich muss Pipi!
Eure später wieder akupunktierte Witzbold-Penny ❤️