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Mittwoch, 11. Januar 2017

Toni

Du heißt eigentlich mit Vornamen gar nicht Toni. Du heißt so wenig Toni, wie ich Annette oder Ayse heiße. Du hast einen sehr muslimischen Vornamen. Aber dein Nachname, der reimte sich so wunderbar auf Toni (so wie Toni Maccaroni), dass ich vor fünf oder sechs Jahren (ich weiß es nicht mal mehr genau) im Lehrerzimmer stand und du schlakstest da so herein und es war klar: Du bist Toni. 

Mit der Zeit habe ich deinen eigentlichen Vornamen nur noch dir gegenüber formuliert. Insgeheim warst du für alle Toni. Manchmal, wenn du mich in meiner Pausenaufsicht zuquatschtest, da rutschte mir fast versehentlich: "Boar Toni, lass mich mal in Ruhe hier stehen" heraus. Und ich vergaß deinen wirklichen Vornamen im Gespräch oft. Wer dann nicht zum Inner "Toni"-Circle gehörte, der schaute schon echt komisch. Aber egal, du bist Toni. Du wirst das auch bleiben.

Du bist vor vielen Jahren aus einem afrikanischen Land zu uns gekommen. Dass ich das Land nicht genauer definieren kann, macht mich seit zwei Tagen ziemlich traurig. Ich weiß es nicht (mehr). Ich habe es vergessen. Es ist nicht so, dass ich mich nicht für deine Herkunft interessiert habe, aber es war immer wahnsinnig anstrengend für mich und alle Anderen sich mit dir auf Deutsch zu unterhalten. Wie oft kamen Schüler zu mir und sagten: "Der Herr T., der ist total nett. Aber wir verstehen kein einziges Wort von dem, was er sagt/erklärt!" und ich versuchte ihnen immer Mut zu machen dann eben 25678 Mal nachzufragen oder dir direkt zu sagen, dass sie dich nicht verstehen.

Ich war immer ehrlich zu dir. Du hast mich manches Mal absolut in den Wahnsinn getrieben. Du hast so eine Art, die mir immer sagte:" Hallo, kleines, dummes Mädchen. Ich erkläre dir mal die große, weite Welt des Lehrerberufes!" Puuuuh, ich weiß gar nicht wie oft ich dich im Lehrerzimmer angeblufft habe oder dir manche Morgende auch regelrecht aus dem Weg ging, weil ich schlichtweg keinen Nerv auf weitere Belehrungen deinerseits hatte. Und das habe ich dir auch gesagt: "Toni, bitte quatsch mich um 7 Uhr nicht wegen XYZ an. Später, ja?"
Nie nahmst du mir das krumm. Meist hast du gelacht, irgendwas in dich hineingefaselt, was ich nicht verstand und gut war.

Bei deinen Schüler lässt du Milde und Güte walten. Und das hat dich schon sehr oft an deine persönlichen Grenzen gebracht. Sie respektierten dich als muslimischen Älteren, aber nicht als Pädagogen. Dazu bist du zu weich. Zu nachlässig. Zu lieb.

Als ich vor 3 Monaten die Schule verließ, hatten wir zuvor große Probleme in meiner Klasse. Die Schüler waren aufmüpfig und frech. Besonders zu dir. Es war dir meist gar nicht möglich dort zu unterrichten. Unzählige Gespräche, Sanktionen und andere pädagogische Maßnahmen versagten. Das tat mir aufrichtig leid für dich. Denn du bist ein Guter. Wirklich.

Wenn du nicht gerade eine deiner Belehrungen (die du übrigens, so bin ich sicher, niemals böse meinst, nur leider nicht bemerkst, wie falsch das ankommt!) losgelassen hast, kamst du immer - und ich meine IMMER - zu mir und hast mir irgendetwas zu essen angeboten. Okay, du warst da auch schon sehr penetrant, denn wenn ich morgens um 8 Uhr noch keine mit Zwiebeln gefüllten Hackfleischrollen essen mochte, dann hieltest du mir die Tupperdose trotzdem stur weiterhin vor die Nase. Und noch einen Zentimeter. Und noch einen. Jetzt sitze ich hier und grinse. 
Und du hattest immer kiloweise Obst dabei, damit du das gesamte Kollegium notfalls hättest durchbringen können.

Damit deine fünf Kinder es besser/leichter haben würden als du, hast du ihnen die bestmöglichste Ausbildung angedeihen lassen. Und so leben sie alle mit deiner Frau seit nunmehr drei Jahren in England. Deine älteste Tochter hat dort gerade einen Studienplatz ergattert und du hast mir davon zu recht wahnsinnig stolz erzählt.
Gerade das finde ich sehr bemerkenswert an dir. Du, der tiefgläubige Moslem, dessen Töchter ausnahmslos Kopftuch tragen müssen, du wolltest, dass sie was lernen. Nicht nur deine Zwillingssöhne, sondern mindestens genauso deine Töchter. Sie sollten einen Beruf erlernen. Selbständig werden. Sich selber ernähren können. Und dafür nahmst du schon diese vielen Jahre des Getrenntseins in Kauf. FAST JEDES Wochenende fuhrst du mit dem Auto zu ihnen. Und wenn dann mal eine Zahnspange fällig war, dann holtest du "mal eben" eines deiner Kinder sonntags ab und brachtest es dann freitags einfach wieder zurück. Ich weiß noch, dass ich dir häufig sagte, wie zeitintensiv diese Fahrerei sein müsste und du hast es jedes Mal abgewunken. 

Toni, du siehst (wenn du das auf deiner Wolke oder in deinem Paradies unter einem Apfelbaum im Schatten sitzend liest) mir fällt es schwer über dich in der Vergangenheit zu schreiben. Ich kann es nicht verstehen, dass du - fast auf den Tag ein Jahr nachdem H schon so jung aus unserem Kollegium und unserer Welt gegangen ist - auch gegangen bist.
Es macht mich unfassbar traurig, dass du so allein, ohne deine Familie so plötzlich von heute auf morgen gehen musstest. Dass du samstags vor Schmerzen ins Krankenhaus gehst und sonntags nicht mehr aufwachst. Das ist alles unbegreiflich. Bestürzend. Traurig.

Ich war - wie ich schon schrieb - ganz oft genervt von dir. Aber ebenso wie ich genervt war, habe ich dich immer als sehr lieben, gutmütigen Menschen betrachtet.
Du wirst fehlen. Wieder einer wird fehlen. Wieder wird ein schwarzes Band um das Kollegiumsbild im Eingangsbereich der Schule hängen und wieder einmal werde ich schlucken müssen, wenn ich es sehe. Oder wenn ich dein Fach sehe. Oder wenn ich afrikanische Hackfleischrollen sehe.


Penny

Freitag, 30. Dezember 2016

Nun denn

Tschüssi, 2016.
Mehr möchte ich hier dazu nicht schreiben. Unser Jahr 2015 endete ziemlich katastrophal und ich war wirklich nahe dran in ein schlimmes Loch zu plumpsen. Auch 2016 fing mehr als holprig und verzweifelt an. Es war eine schlimme Talfahrt, der wir als Familie ausgesetzt waren. Unfreiwillig, wie das bei Talfahrten meist so ist. 
Und doch, so kann ich rückblickend sagen, war es okay. Denn wir wären nicht hier, in einem wahnsinnig schönen neuen Zuhause, unserem EIGENEM Heim, wo wir tun und lassen können, was wir wollen und schriebe jetzt, während das Minimolekül gemütlich wie eh und je in seinem Kinderwagen sein Schläfchen hält  und Herr Herzmolekül und ich gemeinsam füßelnd auf der Couch abhängen, diese Zeilen. 
Dass wir dann quasi zu meinem Geburtstag im Sommer das besondere, niemals unterschätzte Glück der beiden Zwillingsmoleküle erfahren durften, ist obendrein unfassbar. Ich habe Angst, dass sich dieses Glück wie eine Zuckerwattewolke am Horizont zersetzen könnte, aber ich bin nicht starr vor Angst. Ich danke jeden Tag für alles in meinem Leben, denn nach vielem Kummer und Chaos, ist es doch unsagbar unperfekt wunderschön. 

Zur Zeit empfindet mich Herr Herzmolekül als anstrengend. Versuche ihm deutlich zu machen, dass ich ihn selbst unschwanger auch oft ziemlich nervenraubend finde, winkt er ab. Ich rolle dann mit den Augen, eine meisterhafte Augenrollleistung wie ich selber finde, und gegebenenfalls Kullern ein paar Tränen. Das macht aber alles nichts und trügt nicht das Wissen, dass ich immer diesen einen, schrägen Vogel lieben werde. 
Zwischendurch ist's dann wieder recht harmonisch und wir füßeln halt oder machen andere harmonische Sachen wie uns gegenseitig Mandarinen pellen. Oder, oder, oder heute Morgen beispielsweise, da war es total schön als ich noch im Bett liegen blieb, während die beiden Herzmolekülmänner schon diverse Dinge machten (der eine saugte mit seinem Ministaubsauger - übrigens EIN HÖLLENTEIL! - während der andere seine Morgenwäsche verrichtete und um ihn herum gesaugt wurde) und als Herr Herzmolekül dann zurück ins Schlafzimmer kam, da tat er total lustig entsetzt und sagte zum Minimolekül: "Schau mal, in unserem Bett ist ja ein Wal gestrandet!" Das war toll. Ich habe es mir dementsprechend auch nicht nehmen lassen einen anständigen Pottwal zu imitieren. 
Es ist also so in seiner Gesamtheit betrachtet alles schön und mit Liebe vollgestopft. 

Der Bauch ist zunehmend, ja was soll ich sagen, groß? Monströs? Überwältigend? Passt schon alles, aber hauptsächlich ist er schön. Und rund. Nach vorne. Und nach wie vor schaffe ich es mein kleines 14 kg Minimolekül zu tragen. Nicht minutenlang, aber zum Trösten und Kuscheln reicht es noch längst. Auch wenn ich abends ins Bett falle und jeden Muskel spüre. Sorry, bei Muskel muss ich selber lachen, aber ein wenig Würde muss schon noch sein. Und irgendwann sind da bestimmt wieder Muskeln. Irgendwo. 

Ich hoffe jeder hier rutscht so ins neue Jahr 2017 wie er es mag. Ob bei Feuerzangenbowle oder Apfelsaft. Ob in trauter Zweisamkeit oder auf einer glamourösen Party, Hauptsache schön. Und schön ist alles, was gefällt. Und zwar nicht der Nachbarin, der eigenen Mutter oder der Postbotin, sondern einem jeden EINZELNEN hier. 

Alles Liebe für 2017

Eure kugelrunde Penny ❤




Freitag, 11. November 2016

Es sind nicht die Hormone. Oder wenn, dann nur ein bisschen.

Fast (glücklicherweise gibt es auch noch einige Optimisten in unserem Umfeld) jeder kommentiert unsere angekündigten Zwillingsmoleküle mit: "Das wird sicher totaaaaaaaaal heftig! Gleich zwei Babies! Da werdet ihr euch ganz schön umgucken."
Und ich werde immer wütender. Und außerdem verletzt mich das. Es sind Kinder. Unsere Kinder. Gewollt. Geliebt. Erhofft. Natürlich werden die ersten Monate absolut chaotisch. Ich mache mir da nichts vor. Mein Mann auch nicht. Wir haben das schon mit einem Nichtschläferbaby durch. Ich erwarte nicht, dass die beiden Zwerge jetzt Bobo Siebenschläfer alle Ehre machen. Nein. Ich erwarte nicht, dass hier alles aufgeräumt ist, dass hier permanenter Babyflausch herrscht, dass alles supirosarosig ist. Ich bin ja nicht gänzlich auf den Kopf geknallt. 
Aber ich erwarte, dass mir unbeteiligte Personen (und sorry, außer Herrn Herzmolekül, Herrn Minimolekül und mir sind ALLE unbeteiligt) nicht sagen, dass wir uns da aber echt umgucken werden. 

Was soll der Scheiss?
Habe ich danach gefragt?
Um superhilfreiche Kommentare gebeten?

Schon komisch, wenn man zum ersten Mal Elter(n) wird, sagt einem auch niemand: "Heftig. Echt heftig. Ein Kind! Wie unglaublich krass ist das bitte!!!??" Und mit Verlaub, wenn, dann wäre das an dieser Stelle zwar immer noch absolut  unangebracht, aber nachvollziehbar. Denn das erste Kind ändert alles. Nicht nur deinen Rhythmus, sondern deine Denkweise, deine Gefühle, einfach alles. 
Ich weiß jetzt was los ist. Ich weiß wie laut Babygeschrei sein kann, ich weiß wie müde man trotzdem funktioniert. Ich weiß wie verzweifelt und kraftlos und ätzend man sich fühlen kann. Alles durch. 


Ich weiß aber auch, was ein Lächeln, was eine kleine Hand in meiner, ein liebevoller Blick, ein in die Arme vor Sehnsucht gesprungen kommen und ein "Mama!" bedeuten. Ich weiß, was es heißt bedingungslos zu lieben und geliebt zu werden. 

Und deswegen akzeptiere ich diese negativen Phrasen nicht mehr. Stattdessen darf man uns gerne dazu gratulieren, dass wir DREI MAL KINDER lieben und in ihrem Leben begleiten dürfen. 

Und das überwiegt. Für immer. ❤️

Eure ziemlich angenervte Penny. 

Donnerstag, 10. November 2016

Ganz einfach

"Du, Djaaaaaaaahaaaaan? Ich muss dir was erzählen. Ich habe einen winzigen Blog. Und weil ich gestern von deiner Nachtkind Geschichte sehr bewegt war, habe ich darüber geschrieben. Natürlich under cover ohne eure Namen zu nennen. Und diese Geschichte wurde bis jetzt fast 8000 Mal gelesen. Und ganz oft bei Facebook und Twitter geteilt. Und ich soll dir von so vielen Menschen ausrichten, dass das wirklich wunderbar und selbstlos von dir und deiner Familie ist. Und die Menschen sind sehr berührt von so viel Liebe."

Und was macht Djan?

Sie steht da vor mir, während ich dem Minimolekülmann seine Jacke anziehe und weint. Und dann sagt sie: 
"Ich habe nur das getan, was ich fühlte. Das war ganz einfach!"

Mittwoch, 9. November 2016

Tim* - Ein Nachtkind

Heute Morgen brachte ich den kleinen Minimolekülmann in die KiTa. Das mache ich morgens ja erst seit ein paar Tagen, da das sonst mein Herr Herzmolekül vor der Arbeit erledigte, weil ich den weiteren Weg und den früheren Unterrichtsbeginn habe/hatte. 
Als wir zur Tür hereinkamen, kam mir nun zum wiederholten Male ein kleiner Junge im Grundschulalter entgegen und begrüßte uns: "Ich bin der Tim. Ich muss jetzt in die Schule!" "Guten Morgen, Tim," antwortete ich und wünschte ihm einen ganz schönen Schultag. Ihm fiel auf, dass er seine Mütze vergessen hatte, weswegen eine der beiden TaMü, die uns ebenfalls gerade begrüßte sagte, er solle dann seine Kapuze der Winterjacke aufsetzen, was ihm als Lösung ausreichte. Ich hatte mir das vertraute Treiben zwischen Kind und TaMu wohl sehr interessiert angeschaut und fragte mich schon seit ein paar Tagen, weswegen der Kleine, der ja längst aus dem Betreuungsangebot der U3 Kinder herausfiel, noch hier zugegen war? Gleichzeitig wollte ich aber nicht zu neugierig erscheinen und fragte deswegen - ganz entgegen meiner Natur - nicht nach.
Der Kleine fand es ziemlich spannend, wie ich den Minimolekülmann gerade aus seinen Sachen schälte und ob der gemütlichen Atmosphäre geriet er ins Plaudern: "Ich bin schon sieben Jahre alt und die Djan* (TaMu) kenne ich schon seitdem ich drei Jahre alt bin. Meine Mutter ist nämlich da gestorben."

Uff, das saß. Ich bin schon immer - was solche Dinge anbelangt - sehr zart besaitet gewesen und diese Schwangerschaft trägt nun nicht gerade dazu bei, dass mich solche Informationen weniger treffen. Im Gegenteil: Ich bin da regelrecht schutzlos. Verwundbar. "Oh, Tim. Das tut mir furchtbar leid", stammelte ich absolut ehrlich und nahezu den Schmerz fühlend. Es ist wirklich so: Ich fühlte den Verlust, den ich persönlich glücklicherweise noch nicht erleben musste. Ich fühlte ihn aus Sicht einer Mutter. Ich dachte an meinen kleinen Zwerg, der sich gerade geduldig seine Pantöffelchen anziehen ließ, dachte an die beiden Walzertänzer in meinem Bauch und war tieftraurig. 
Nun musste Tim aber wirklich los und Djan* begann zu erzählen.
Tim verlor seine Mutter ganz plötzlich im Alter von drei Jahren. Der Vater, nun alleinerziehend, ist Bäcker. Es gibt keine Großeltern, keine Geschwister, niemand gab Halt.
Glücklicherweise gingen Tim und einer von Djans Söhnen zu dieser Zeit in den gleichen Kindergarten. Dort wurde Djan von einer der Erzieherinnen angesprochen, dass dieser kleine Mensch gerade einen großen Verlust erlebt habe, der Vater sechs Mal in der Woche nachts nicht da ist und sich niemand um das Kind kümmern kann. Die Existenz dieser kleinen Familie war bedroht.
Und Djan, diese verrückte, liebenswerte Nudel, die sagte ohne mit der Wimper zu zucken: "Ich nehme ihn. Der Vater soll ihn bringen!"
Seit diesem Tage kommt der Kleine jeden Sonntagabend um 18:30 Uhr im Schlafanzug zu Djans Familie. Ihre beiden Söhne spielen dann noch ein bisschen mit ihrem "Nachtbruder" und dann gehen sie alle drei ins Kinderzimmer, denn sie teilen sich eins.
Am nächsten Morgen kommt Tim mit in die KiTa und geht dann von dort aus zu der gegenüberliegenden Grundschule. Danach wird er von seinem Vater abgeholt und abends wieder zu Djan gebracht. Manchmal hat sie ihn auch 24 Stunden bei sich. Normalerweise geht Djans Übernahme von Sonntag bis Freitag. Das heißt: Einen Tag in der Woche schläft Tim Zuhause. In seinem Bett. Jetzt aber, in der stressigen Weihnachstzeit ist es so, dass er die ganze Woche über nachts bei Djan schläft. "Ich will dieses Kind nicht mehr hergeben. Er ist wie meins", sagt sie und ich glaube es ihr. Ihre warmen, herzlichen Augen sprechen eine ganz deutliche Sprache. "Mir ist es egal, dass die Zeit zwischen 0 und 6 Uhr nicht einmal vergütet wird. Ich würde das auch komplett ohne Bezahlung machen!", auch das glaube ich ihr.
Ich bin beeindruckt. Diese Selbstlosigkeit einer ganzen Familie macht mich sprachlos. Die beiden Jungs teilen ihr Zimmer mit noch einem weiteren. Einfach so. Weil´s eben richtig war für die Familie das zu tun. 

In Zeiten wie diesen sind es doch solche Geschichten, die zeigen, dass es noch viel Gutes in der Welt gibt. Und das machte mich auf dem Rückweg nach Hause verdammt glücklich.

Eure Penny, die jetzt 36 Bifis essen könnte und es natürlich nicht macht. Aber ich könnte. Ernsthaft. 



* sowohl Tims als auch Djans Name sind natürlich frei erfunden. Der Rest stimmt.

Dienstag, 8. November 2016

Zeit

Ich habe vorhin Einladungskarten gestaltet. Was mich das an Nerven gekostet hat, lasse ich an dieser Stelle aus...Schnappatmung sage ich nur. Sehr, sehr extreme Schnappatmung.
Zurück zum Wesentlichen. Geburtstag. Einladungen. Zum zweiten Geburtstag. Unseres kleinen Menschleins. Ich will keineswegs angeben oder so, aber dieses Kind ist einfach großartig. Ich meine, gut, es schläft nicht so wirklich (derzeit Mittagsschlaf NUR gemeinsam auf der Couch, ich singe Lieder, die er fordert, er kuschelt sich auf mir liegend ein und schnaaaaaaaaaaarch. Abends/Nachts: Naja, lassen wir das mal außer acht. Es ist eben sehr gemütlich nach Monaten des Durchschlafens im eigenen Bettchen zwischen uns zu liegen. Ich kann´s verstehen, liege ja selber auch gerne in unserem Bett!) und es ist immer seeeeeeeehr früh wach, das kleine goldigste Geschöpf der Welt, aber es ist wirklich der HAMMER.
Jeden Tag bin ich auf´s Neue erstaunt, was unser Minimolekül alles kann, in welchem rasanten Tempo er etwas lernt und begreift. Ich will auch noch EINMAL in meinem Leben eine solch hohe Aufnahmebereitschaft haben. Dann lernte ich Japanisch, denke ich. Und eventuell auch das Kochen, aber so weit will ich mich jetzt nicht aus dem Fenster lehnen.
Gestern beispielsweise, da war ich nämlich (trotz Erkältung und Rachenentzündung) so fensterherauslehnig drauf, dass ich kochte. Gut, es waren nur Fertigkloßteig, aus jenem ich mit meinen zarten Kochfingerchen verdammt niedliche Klöße formte und Rotkohl aus dem Glas und von der Sauce reden wir bitte nicht, aber ich habe zusätzlich auch noch Bratwürstchen (NIE MEHR WIEDER! SO EINE SAUEREI) angebraten und hatte somit vier!!!!! Gasflammen gleichzeitig an und das war äh...gar nicht schön. Ich weiß nicht wie man daran Spaß haben kann stundenlang vor dem Herd zu stehen. Ich hatte danach auf alle Fälle keine Lust mehr. Und das ist jetzt ziemlich unpraktisch, denn ich habe mit großer Fresse Herrn Herzmolekül verkündet, dass ich einen Wochenplan erstellen werde, danach einkaufen gehe und das dann ab jetzt auf den Tisch kommt. Und er so:"Prima. Du machst das dann. Voll cool!!" Und ich im Kopf so:"Häääääääääh? Was hat er gesagt?"
Wie dem auch sei, irgendwie scheint er zu glauben, dass ich mich jetzt regelmäßig in die Gasflammen stürze, aber unter uns - kann er vergessen. Das ist einfach nichts für mich. Ich backe gerne Kuchen. Muffins. Irgendwas. Aber mit kochen habe ich es einfach nicht.

Ich bin schon wieder ganz galant abgedriftet. Das liegt an meinem vollen Kopf UND an der Tatsache, dass ich nach Monaten mal wieder einen Post mit dem Laptop tippe und nicht vom Handy aus. Da fliegen die Finger jetzt über die Tastatur.
Das Minimolekül. Das versteht natürlich noch nicht die Konsequenz des Ganzen, hat aber mehr und mehr ein Gespür dafür, dass wir bald noch ein Paar Babies hier herumliegen haben. Von Babies ist er derzeit ziemlich verzückt und ich werde einen Teufel (boar, die Teufelin. Gutes Stichwort. Ich könnte ja jetzt wieder abschweifen...) tun und ihm die Realität "Die werden sehr viel schreien. Und sehr viele Bautürme zerstören. Und sehr viel dich nerven." vor Augen halten. Nö, ich sage ihm stattdessen, dass es verdammt saulässig ist, dass er bald großer Bruder sein kann und das findet er - so glaube ich - auch und deswegen ist alles gut. Und wenn er sie dann wieder umtauschen möchte, dann können wir ihm immernoch verklickern, dass das nicht mehr drin ist. Aber wer weiß: Vielleicht will er sie ja auch behalten. Also freiwillig. Das wäre natürlich das Tollste für mein Mutterherz.  

Und jetzt wird er zwei. Zwei Jahre. Mein Baby. Es ist krass. Und auch toll. Ich weiß noch wie ich heulte, als ich die 56 und die 62 und die 68...aussortieren musste. Weltuntergang im Pennyland. Tränenmeere. Ich wollte das nicht. Aber, so jetzt als total erfahrene Mutter, kann ich sagen: Doch, doch. Ist schon alles richtig. Es ist wunderschön, wenn sie Kuschelknautschbabies sind und stundenlang auf einem Liegen. Ohne sich zu wehren. Aber es ist ebenso ein unglaublich großes Glück seine Kinder aufwachsen sehen zu dürfen. Ihre Entwicklung mitzuerleben. Sie dabei zu begleiten. Mit ihnen Knetschnecken zu zaubern, Kreidestriche ÜBERALL wo sie nicht hingehören zu entfernen, zu erzählen und zu staunen. Denn man staunt ja unentwegt, wenn man das alles miterleben kann. Ich erinnere mich noch wehmütig an die Planungen des ersten Geburtstags. Das war hart. Sentimental. Teilweise ganz schwer. Und jetzt? Jetzt freue ich mich total, dass er schon alles bewusster miterleben kann. Dass er sich einen "Burtstagskuma" -> Geburtstagskuchen wünscht und überhaupt, dass er sich mitteilen kann, was er toll findet. Das ist so schön.


Und ich habe für die Planungen dieses Geburtstags Zeit. Wahnsinnig viel Zeit. Und auch das genieße ich in vollen Zügen: Wir haben jetzt zusammen nochmal ganz intensiv viel Alleine-Zeit. Für alles, wofür es dann im kommenden Jahr hektischer sein wird, wenn auch die Zeit füreinander bleiben wird. Denn sie ist mitunter das Wichtigste. Zeit. Und Liebe! >3


Donnerstag, 3. November 2016

AUUUUUUUUUUUS! AUUUUUUUUUS! Das Spiel ist auuuuuuus!

Ich fühle mich ein bisschen so wie eine Verrückte. Okay, vielleicht bin ich das auch einfach. Mag sein. Jedenfalls ist es stets so: Baby 1 und 2 klopfen und tocken um die Wette. Wenn ich sie spüre, dann ist es für mein Gehirn total logisch, dass sie da in mir rumhousen. Fleißig tapezieren oder was weiß ich, was sie da so Buntes treiben. 
Und ich blicke auf die Kugel, werde überall mit "Hooooorrrrrhoooooorrrrhoooooor, ist der Bauch schon groß!" allerliebst begrüßt oder angetatscht oder beides und dann isses auch voll logisch, dass da zwei Menschlein in mir wachsen. 
Und dann gehe ich aufgeregt zu meiner Vorsorge, blicke im Wartezimmer die hässliche Muräne im Aquarium an und bin nahezu sicher, dass man da gleich gar keine Babies sieht, weil weiß ich auch nicht. 
Und dann wuchte ich mich auf die Liege, schaue auf meinen bereits jetzt fast vollständig UMGEPLÖPPTEN Bauchnabel und dann kommt das Glitschgel und schwupp: "Aaaaaaah, voll krass, da sind ja zwei Babies! ZWEI! Krass!" Und dann staune ich gebannt und fasziniert und überhaupt sehr dankbar auf den Monitor, beobachte jede Bewegung und dann ist es auch total logisch. 
Und nun, drei Stunden später, da liege ich auf der Couch, es klopft gerade nicht und mein Hirn so: "Ach wat! Das sind doch keine Babies drin. Das war vorhin eine FATA MORGANA!"
Gut, und dann muss ich husten. Oder niesen. Und dann tröpfelt es in meinem Schlüppi herum und dann erinnere ich mich daran, dass ich wohl doch wirklich und wahrhaftig schwanger sein darf. 

Und neben all dem möchte ich noch erwähnen, dass ich auch noch nicht so ganz begriffen habe, dass ich ab heute bis ganz lange Zeit aus dem schulischen Verkehr gezogen wurde. Auch das ist sehr unbegreiflich für mich. Und ich bin erleichtert. Gestern kam es zu solch einem weiteren heftigen Ausflippers eines sehr aggressiven Schülers in meiner Klasse und ich sah nur sechs Scheren im Raum liegen und hatte wirklich Angst, dass er damit gleich auf mich losgeht. 
Natürlich ist das Ganze auch gespickt mit einer Prise schlechten Gewissens. Klingt doof, ist aber so.  Aber das wird vergehen, da bin ich sicher. 

Und wenn ich mal wieder einen Verrücktheitsanfall bekomme, lese ich einfach diesen Post und dann hat sich das auch wieder erledigt. 

Eure verrückte Penny, die das so wunderbar lustige und schöne und kluge und trotzige und sprachgewandte Minimolekül Tag für Tag anschaut und sich denkt: "HAMMER! Bald haben wir DREI VON DEINER SORTE! Kann man eigentlich vor Liebe überschwappen?"
❤️