Vorgeschichte:Vor zwei Wochen - als noch niemand von unserem dynamischen Duo wissen sollte - kam es zu einem unangenehmen Vorfall in meiner Schule.
Ein mir bis dato unbekannter Schüler schubste mich absichtlich und ziemlich harsch zur Seite, als ich gerade dabei war meinen Klassenraum zu betreten. Der Grund war trivial und liest sich kindisch (leider ist das aber mein tagtägliches Erleben): Einer meiner Schüler hatte ihm seine Mütze vom Kopf gerissen, rannte damit in den Raum und der andere wetzte ihm nun völlig fokussiert auf dieses Pillepalleding hinterher. Stieß mich gegen die Wand und ich schrie ihn fassungslos an, dass er aber mal ganz sofort verschwinden soll.
Danach war ich wirklich aufgewühlt. Emotional sind die Klassen, die ich unterrichte, auch unschwanger eine Herausforderung, aber DAS ging mir einfach gefühlsmäßig komplett zu weit. I
Ich saß nach Unterrichtsende etwa 20 Minuten völlig geladen, wütend und auch ziemlich erschrocken im Auto und traute mich nicht loszufahren, weil ich so voller Adrenalin war.
Zuhause heulte ich mich richtig aus und Herr Herzmolekül wurde stinkesauer. Wir beschlossen, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt wäre die Schulleitung über die Schwangerschaft und natürlich über den Vorfall zu unterrichten.
Gesagt, getan.
Der Schulleiter schickte mich - so ist das offizielle Prozedere - zur amtsärztlichen Untersuchung (welche nur ein lachhaftes Gespräch ist, der Eine oder Andere erinnert sich vielleicht noch an die Berliner Schnauze?) um mir bestätigen zu lassen, dass ich trotz Schwangerschaft weiter unterrichten darf.
Das Gespräch - oder: Woll'n Sie mich verarschen?
Natürlich hatte der kleine Minimolekülmann am Tag der Untersuchung Fieber. KiTa fiel aus, Mann war arbeiten, also nahm ich den Knirps kurzerhand mit.
Und was ich da erlebte, werde ich - so originalgetreu und unübertrieben wie möglich - in Dialogform wiedergeben. Denn DAS muss man erlebt haben.
"Frau Herzmolekül, ich stelle Ihnen ein paar Fragen! Unterrichten Sie potentiell aggressive Kinder und Jugendliche?"
"Ja (es folgte eine Erläuterung des Vorfalls sowie eine ausführliche Beschreibung meines Schülerklientels)."
Der Amtsarzt machte daraufhin einige Kreuze auf einem Formular, aus dem hervorgeht, dass er zu einem absoluten Beschäftigungsverbot rät (bei Umgang mit aggressiven Jugendlichen).
Dann ging das Gespräch weiter, das hat jetzt nichts mit der eigentlichen Thematik zu tun, ist aber so abgefahren schräg, dass ich es gerne aufschreiben würde. Wer nur zur Thematik weiterlesen will, möge mit seinen kleinen Äuglein zur nächsten fetten Überschrift hopsen.
"Soll ich Ihnen noch was über die chemischen, physikalischen und psychischen Gefahren aufklären?"
"Nein. Das brauchen Sie nicht. Ich habe keine weiteren Fra..."
"Also gut. Zu den chemikalischen Gefahren...die Mama (wendet sich zum malenden Minimolekül), trinkt ja kein Wasser aus Plastikflaschen, nech? Und die Mama isst auch keinen abgepackten Käse, weil der dem Baby auch schadet. Da sind Weichmacher drin, das weiß die Mama ja, ne?"
"Die Mama trinkt natürlich Wasser auch aus Plastikflaschen."
"Was? Damit schadet die Mama aber ihrem Baby. Das will die Mama aber nicht und ab jetzt lässt sie das sein..."
Alter Falter, ich war auf 180. Wäre der Zwerg nicht dabeigewesen, hätte ich mich komplett vergessen. Stattdessen sagte die Mama:
"Die Mama bekommt sogar ZWEI BABIES!", und dachte sich nur: Du dummer Arsch. Mein MuPa liegt vor dir. Den hast du dir angeblich angeguckt. Dann solltest du das wissen!!!!
"Jetzt wirklich? Dann muss die Mama aber noch viel mehr aufpassen. Sie wissen ja, dass Sie sich immer schön die Hände waschen müssen? Und dass Sie sich nicht mehr einfach so eincremen dürfen. Denn in vielen Cremes ist ja Alkohol enthalten und dann trinken Ihre Babies ja Alkohol. Aber das weiß die Mana ja alles, nech?
Die Mama verkloppte den Schwachmaten vor ihrem geistigen Auge. Blanker Hass sprühte aus meinen Poren. Ich schaute den Irren nicht mal mehr an und widmete mich des Minimoleküls künstlerischen Seins.
"Und die Mama tankt jetzt auch nicht mehr. Denn dann atmen die Babies ja das Benzol ein. Und das schadet ihnen gaaaaaaaaaanz schlimm!"
In meinen Gedanken (ich hab' da sehr hässliche) schmiss ich ihn gerade richtig wunderschön einen hohen Turm runter und genoss den Aufprall.
"Und die Mama sagt ihrem Körper jetzt immer VORHER, dass sie dich gleich hochhebt. Denn sie darf jetzt ja gar nicht schwer tragen. Und wenn sie morgens aufsteht und ihre Zähne putzt, dann sagt sie das ihrem Rücken, damit er nicht aus Versehen einen Nerv einklemmt!"
Und die Mama haut dich gleich. Ganz feste.
"Und die Mama lässt jetzt immer nur die Freude in ihre Seele. Dafür ist sie jetzt verantwortlich. Denn wenn die Mama keine Freude in sich lässt, dann haben die Babies auch keine Freude. Und welche Auswirkungen das hat, das wissen wir erst, wenn die Kinder nach Jahren in eine THERAPIE müssen."
Die Mama - also ICH - war jetzt bereit in echt zu töten. Ohne Skrupel. Deswegen signalisierte ich dem Verrückten, dass das Gespräch (also sein einseitiger Monolog) EXAKT hier beendet sei, nahm mein Kind und ging.
Das Urteil
Mit der Empfehlung des Psychopathens ging ich zur Schule. Der Schulleiter ließ sich von mir zusätzlich schriftlich geben, welche aggressiven Verhaltensweisen ich oftmals erleben muss.
Dies leitete er dann an die zuständige Dienststelle.
Diese verstand natürlich überhaupt nicht, dass ich ein Beschäftigungsverbot erhalten sollte und so kam es dann kurz und knapp zu der Entscheidung:
Wir wissen zwar, was wir wissen, aber hey: No risk, no fun.
Solange noch NICHTS SCHLIMMES passiert ist, kann die Frau Herzmolekül bitte/danke weiterhin ihren Dienst leisten.
Das Jetzt
Und so fahre ich nun zur Schule, unterrichte weiterhin verhaltensgestörte Schüler, führe Gespräche mit ihren Bewährungshelfern und bete einfach, dass NICHTS passiert.
Eure Penny, die schon auch so'n wenig dieses System verteufelt. ❤️