Besonders tragisch daran ist wohl, dass das Minimolekül, obgleich vollkommen frei von jeglicher Schuld, mit verbannt wurde.
Wobei, ehrlich gesagt ist ihm offensichtlich schnuppe an welchem Ort der Welt wir uns aufhalten.
Es ist schließlich morgens. Und morgens fängt das Prenatale-Aerobic-Telekolleg an. Heute lernen wir steppen. Fühlt sich jedenfalls gerade so an.
Wo eigentlich?
Hier im Auto, welches beschlossen hat das Zeitliche zu segnen.
Da hier alles einen Namen hat, berichte ich also kurz von Twiggy.
Twiggy ist wahnsinnig klapprig, trotzdem ganz niedlich. Sie wird von uns als Zweitwagen genutzt und da ich ja mit einem sehr beschützenden Helden verheiratet bin, darf ich sie auch kaum ausführen. "Nur für kurze Strecken", klare Ansage, versteht ihr?
Normalerweise fahre ich immer unseren großen Wagen, aber da wir vorletzte Woche beschlossen hatten, dass wir in den Ferien Twiggy abmelden werden und offensichtlich etwas laut darüber sprachen, ist sie seitdem in einen Streik getreten. Allerdings nicht ganz so konsequent. Denn sie streikt nur, wenn der Motor heiß wird. Ich als Laie mutmaße mal, dass die Zylinderkopfdichtung eben nicht mehr ganz dicht ist.
Twiggy hat also einen Schaden.
Nicht mehr alle Kerzen im Leuchter.
Jedenfalls ist unsere Putzfee gerade daheim, die ich eigentlich gerne abbestellen möchte, wozu mein Mann aber nicht bereit ist.
Ich könnte jetzt schön putzen und das Haus richtig von oben bis unten auf Vordermann bringen, aber ich soll das die Putzfee erledigen lassen.
Diese trägt ihren Namen übrigens völlig zu unrecht. Sie ist eine hundsmiserable Putzfee. Das einzige, was einer Fee würdig ist, ist der zurückgelassene Staub. Allerdings nicht mal Feenstaub.
Und DAS hat mich letzte Woche ziemlich rasend gemacht.
Ich bin da nicht penibel, aber wenn die Rollos nicht mal hochgezogen sind, dann stellt man sich doch die Frage, wie sie denn ordentlich sehen konnte?
Nachdem ich sie dann nachmittags hochzog, erschloss sich mir, dass sie das eben gar nicht konnte.
Alles war staubig. Der Esstisch war nicht mal von Wochenend-Frühstückskrümeln befreit, die Küchenarbeitsplatte war grob gewischt, sodass ich als ich unseren Zuckerpott nur um 2 cm verschob, dachte mich trifft der Schlag und selbst der Fliesenspiegel über dem Herd, auf dem sich einige Tomatenspritzer von Sonntag befanden, sah noch aus wie ein Fliesenspiegel mit Tomatenspritzern.
Und ja, da war ich leicht angesäuert, schließlich kommt sie jede Woche, verdient dabei wirklich nicht schlecht und ich finde da könnte man solche Grundreinigungen schon erwarten.
Jedenfalls schrieb ich ihr einen Brief, vergewisserte mich bei Herrn Herzmolekül, dass dieser nett und dennoch mit Ansage sei und habe mich seitdem aus dem Staub (höhö) gemacht, weil ich ihr jetzt nicht begegnen mag.
Ne, sie soll mal in Ruhe darüber nachdenken. Und wenn möglich auch sauber putzen. Danke.
Um mir die Zeit totzuschlagen, war ich so wie eine richtige Hausfrau heute morgen bei einem großen bekannten Discounter um mich erstmalig und LETZTMALIG mit lauter Verrückten um Lätzchen und Babystrumpfhöschen zu kloppen.
Fazit: Die Ausgeburt der Hölle, wer das erfunden hat.
Überall sprangen und wühlten und schubsten diese Leute.
Als ich von einem verlodderten Lumpenjüngling beiseite gefegt wurde, musste ich mich kurz aufregen. Sein Kommentar:" 'Tschuldigung. Ich stehe hier nicht seit 4 Stunden rum und Sie hätten mir ja mal sagen können, dass Sie schwanger sind!"
Ähm, es war 8:07 Uhr. Der Laden war seit 8 Uhr erst auf.
Unverfroren.
Nachdem ich den Kampf rasch aufgab, beschloss ich meine neu erworbene Schwangerschaftsjeans zum Schneider zu bringen.
Kurze Frage: Wird man während einer SS im Normalfall nicht nur dick, sondern auch lang?
Meine Hose hatte nämlich gut und gerne ca. 15 cm zu lange Beine. Oder ich zu kurze.
"Ich mach dich das schön. Bis morgen. 8€!", versprach mir die entzückendste griechische Schneiderin der Welt, wegen der ich den Nahkampf von eben sofort vergaß. Hier wollte ich bleiben, beschützt zwischen ihren Stecknadelkissen und Garnrollen und weiter ihrem so lieben Akzent lauschen.
Aber vermutlich wäre das schräg rübergekommen.
Also ging ich, kaufte mir ein Schokocroissant und einen heißen Kakao, zückte mein Smartphone und tippe euch diese belanglosen Zeilen aus dem Leben einer Frau, die sich an diesem Montagmorgen selbst verbannt hat.
So, und nun starte ich Twiggy, hoffe, dass sie nicht auch noch meine Lästerzeilen lesen kann und fahre zur Post, um mir unter anderem diese entzückenden "Der kleine Prinz"-Briefmarken zu sichern. Und um meine Box of Beauty (die höchstwahrscheinlich direkt wieder retour geht) abzuholen.
Ihr lest von mir, ihr Lieben!
Eure verbannte Penny ❤️