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Montag, 15. September 2014

Aus dem Exil

Macht euch keinen Stress, wenn ihr es lest, aber: Ich bin verbannt und kann gerade nicht nach Hause. 
Besonders tragisch daran ist wohl, dass das Minimolekül, obgleich vollkommen frei von jeglicher Schuld, mit verbannt wurde. 
Wobei, ehrlich gesagt ist ihm offensichtlich schnuppe an welchem Ort der Welt wir uns aufhalten. 
Es ist schließlich morgens. Und morgens fängt das Prenatale-Aerobic-Telekolleg an. Heute lernen wir steppen. Fühlt sich jedenfalls gerade so an. 
Wo eigentlich?
Hier im Auto, welches beschlossen hat das Zeitliche zu segnen. 
Da hier alles einen Namen hat, berichte ich also kurz von Twiggy. 
Twiggy ist wahnsinnig klapprig, trotzdem ganz niedlich. Sie wird von uns als Zweitwagen genutzt und da ich ja mit einem sehr beschützenden Helden verheiratet bin, darf ich sie auch kaum ausführen. "Nur für kurze Strecken", klare Ansage, versteht ihr?
Normalerweise fahre ich immer unseren großen Wagen, aber da wir vorletzte Woche beschlossen hatten, dass wir in den Ferien Twiggy abmelden werden und offensichtlich etwas laut darüber sprachen, ist sie seitdem in einen Streik getreten. Allerdings nicht ganz so konsequent. Denn sie streikt nur, wenn der Motor heiß wird. Ich als Laie mutmaße mal, dass die Zylinderkopfdichtung eben nicht mehr ganz dicht ist.
Twiggy hat also einen Schaden. 
Nicht mehr alle Kerzen im Leuchter. 
Jedenfalls ist unsere Putzfee gerade daheim, die ich eigentlich gerne abbestellen möchte, wozu mein Mann aber nicht bereit ist. 
Ich könnte jetzt schön putzen und das Haus richtig von oben bis unten auf Vordermann bringen, aber ich soll das die Putzfee erledigen lassen. 
Diese trägt ihren Namen übrigens völlig zu unrecht. Sie ist eine hundsmiserable Putzfee. Das einzige, was einer Fee würdig ist, ist der zurückgelassene Staub. Allerdings nicht mal Feenstaub. 
Und DAS hat mich letzte Woche ziemlich rasend gemacht.
Ich bin da nicht penibel, aber wenn die Rollos nicht mal hochgezogen sind, dann stellt man sich doch die Frage, wie sie denn ordentlich sehen konnte?
Nachdem ich sie dann nachmittags hochzog, erschloss sich mir, dass sie das eben gar nicht konnte. 
Alles war staubig. Der Esstisch war nicht mal von Wochenend-Frühstückskrümeln befreit, die Küchenarbeitsplatte war grob gewischt, sodass ich als ich unseren Zuckerpott nur um 2 cm verschob, dachte mich trifft der Schlag und selbst der Fliesenspiegel über dem Herd, auf dem sich einige Tomatenspritzer von Sonntag befanden, sah noch aus wie ein Fliesenspiegel mit Tomatenspritzern. 
Und ja, da war ich leicht angesäuert, schließlich kommt sie jede Woche, verdient dabei wirklich nicht schlecht und ich finde da könnte man solche Grundreinigungen schon erwarten. 
Jedenfalls schrieb ich ihr einen Brief, vergewisserte mich bei Herrn Herzmolekül, dass dieser nett und dennoch mit Ansage sei und habe mich seitdem aus dem Staub (höhö) gemacht, weil ich ihr jetzt nicht begegnen mag. 
Ne, sie soll mal in Ruhe darüber nachdenken. Und wenn möglich auch sauber putzen. Danke. 
Um mir die Zeit totzuschlagen, war ich so wie eine richtige Hausfrau heute morgen bei einem großen bekannten Discounter um mich erstmalig und LETZTMALIG mit lauter Verrückten um Lätzchen und Babystrumpfhöschen zu kloppen. 
Fazit: Die Ausgeburt der Hölle, wer das erfunden hat. 
Überall sprangen und wühlten und schubsten diese Leute. 
Als ich von einem verlodderten Lumpenjüngling beiseite gefegt wurde, musste ich mich kurz aufregen. Sein Kommentar:" 'Tschuldigung. Ich stehe hier nicht seit 4 Stunden rum und Sie hätten mir ja mal sagen können, dass Sie schwanger sind!"
Ähm, es war 8:07 Uhr. Der Laden war seit 8 Uhr erst auf. 
Unverfroren. 
Nachdem ich den Kampf rasch aufgab, beschloss ich meine neu erworbene Schwangerschaftsjeans zum Schneider zu bringen. 
Kurze Frage: Wird man während einer SS im Normalfall nicht nur dick, sondern auch lang?
Meine Hose hatte nämlich gut und gerne ca. 15 cm zu lange Beine. Oder ich zu kurze. 
"Ich mach dich das schön. Bis morgen. 8€!", versprach mir die entzückendste griechische Schneiderin der Welt, wegen der ich den Nahkampf von eben sofort vergaß. Hier wollte ich bleiben, beschützt zwischen ihren Stecknadelkissen und Garnrollen und weiter ihrem so lieben Akzent lauschen. 
Aber vermutlich wäre das schräg rübergekommen. 
Also ging ich, kaufte mir ein Schokocroissant und einen heißen Kakao, zückte mein Smartphone und tippe euch diese belanglosen Zeilen aus dem Leben einer Frau, die sich an diesem Montagmorgen selbst verbannt hat. 
So, und nun starte ich Twiggy, hoffe, dass sie nicht auch noch meine Lästerzeilen lesen kann und fahre zur Post, um mir unter anderem diese entzückenden "Der kleine Prinz"-Briefmarken zu sichern. Und um meine Box of Beauty (die höchstwahrscheinlich direkt wieder retour geht) abzuholen. 

Ihr lest von mir, ihr Lieben!

Eure verbannte Penny ❤️

Donnerstag, 11. September 2014

Wenn die Mission vorerst scheitert

So, da bin ich wieder um kurz meinen gestrigen Post zu vertiefen. 

Vorneweg: Ich liebe meinen Beruf. 
Mir ist das sehr wichtig, dass es so verstanden wird, denn ich kämpfe gerade mit mir und meinem Gewissen. Sehr. 

Auch meine Schule, trotz sozialem Brennpunkt (oder sogar deswegen!), möchte ich nicht verlassen. 
Zumindest nicht in den nächsten Jahren. 
Besonders die Arbeit mit Jugendlichen aus einem sehr schwierigen sozialen Umfeld hat es mir angetan. 
Ich bin dort freiwillig. 
Ohne Zwang. 
Und normalerweise auch gerne. 
Es ist oft eine undankbare Aufgabe, bei der ich -vor allem als Frau- oftmals an meine Grenzen gebracht werde. 
Aber wenn ich am Ende des Schuljahres meine Arbeit sehe, sie sogar am veränderten sozialen Verhalten oder an nun vorhandenen Strukturen ablesen kann und selbst wenn mir das nur bei ganz wenigen Schülern gelingt, so bereichert mich das ungemein. 
Das ist die einzige Belohnung und Anerkennung meines Berufes, die mich zufrieden und glücklich macht. 
Und die meinen Tank wieder, so leer er auch im Laufe des Schuljahres wurde, auffüllt. 
Dafür lohnt es sich all die Zeit und Mühe aufzuwenden und auch den Frust zu ertragen. 

Was ich aber im Laufe der Jahre auch langsam begreife, ist, dass ich nicht jede Seele retten kann. 
Es gibt eben diejenigen, die sich a) nicht mehr retten lassen wollen oder können und b) diejenigen, die es zwar irgendwann nach jahrelanger intensiver Betreuung doch schaffen könnten, es aber dann doch nicht schaffen, weil sie bei uns maximal zwei Jahre Zeit haben, um sich zu sammeln und wohlmöglich zu finden. 
Zu akzeptieren, dass ich manchmal einfach nicht weiter komme, fällt mir auch heute noch ziemlich schwer. 
Für mich gleicht das einem persönlichen Scheitern. Auch wenn das vielleicht Quatsch ist: Hakt der PC am Arbeitsplatz im Büro und löscht meine gesamten Daten, kann ich es auf die Technik schieben. Wer sagt da schon: "Das liegt an mir?"
"Haken" Menschen und man arbeitet mit ihnen, geht das nicht so einfach. 
Natürlich tragen sie alle ihr Paket auf dem Rücken, haben schwerwiegende Probleme und all das. 
Aaaaaaaber trotzdem fühle ich mich immer (manchmal ein größeres, manchmal ein kleineres) Stück für sie verantwortlich, solange ich sie begleite. 

Ein älterer Kollege sagte mir mal, als ich wegen eines Schülers wirklich am Boden war: "Du musst verstehen, dass du nicht alle retten kannst. Und im Grunde ist das auch gar nicht deine Aufgabe. Du bist keine Heimerzieherin, keine Sozialpädagogin, keine Bewährungshelferin. Du bist Lehrerin!"

Wums! 
Er hat Recht. Allerdings fungieren wir gerade bei den "Spezies" von denen ich hier immer berichte, in all diesen Funktionen. Hinzu kommen noch: Mama, große Schwester, Freundin!

Jeder braucht eine bestimmte Rolle von mir. Mal streng, bemutternd, fordernd, meckernd, Trost spendend. 

Und jeden Tag auf's Neue liegt es an mir zunächst herauszufinden, welches Hampelmännchen heute beim jeweiligen Schüler benötigt wird, um mit ihm arbeiten zu können. 

Bereits am Montag probierte ich bei einem der "Fresse Polierer" von letzter Woche mehrere Rollen. 
Zunächst verständnisvoll, dann humorvoll, letztlich aber, als er mich verbal bedrohte ("Passen SIE GUT AUF!")  und so manch Anderes vom Stapel ließ, war die einzige Option die sachlich knallharte Pädagogin zu spielen, auf die er übrigens dann auch gar nicht klar kam. 

Gestern dann spielten sich wahnsinnig aggressive Szenen in meinem Klassenraum ab, die den Minimolekülmann vermutlich durch meinen Adrenalinschub verursacht, extrem unruhig und so heftig zum Toben brachten, dass ich es mit der Angst um unser Kind zu tun bekam. 
Selbiges lief dann zwei Stunden weiter in der nächsten Doppelstunde ähnlich ab, sämtliche Rollen, die mein Lehrerinnenreportoire hervorzaubern kann, waren bereits durch und es fruchtete nichts. Gar nichts. 
Wenn von 18 Schülern vier konsequent am Rad drehen, sprengt das alles. 

Jedenfalls war ich zu dieser Zeit bereits an einem Punkt gelangt, dass ich mir vor Schmerzen den Bauch hielt, ihn beruhigend streichelte und versuchte ruhig zu bleiben. 

Am Ende des Schultages traf ich dann eine meiner beiden Kolleginnen, die mit mir in dem Team arbeiten und sie berichtete mir von ihrem Höllentag mit gleichen Schülern. Zudem erzählte sie mir noch, dass selbst unsere gestandenen Werkstattlehrer (Pfundskerle!) sich weigern würden mit diesen Jungs weiter zu arbeiten. 
Zumindest war ich dahingehend beruhigt, dass es ein allgemeines und kein Frau Plauze spezifisches Problem ist. 

Ich schleppte die steinharte, krampfende Plauze mit ihrem so kostbaren Inhalt zum Auto und war einfach durch. 

Daheim sah mein Herr Herzmolekül sofort, dass die Hütte brannte. 
Ich bin so dankbar dafür, dass er so liebend und kümmernd ist, dass er mich einfach zunächst in den Arm nahm und hielt, während ich in unserem Nest endlich meinen ganzen Gefühlen freien Lauf lassen konnte. 

Den weiteren Tag verbrachte ich leicht panisch liegend auf der Couch, denn die Schmerzen waren so zwar auszuhalten, aber sobald ich aufstand oder saß, hatte ich das Gefühl mein Bauch explodiere gleich vor Druck. 

Und dann erreichte mein Mann zuerst den Punkt, den ich gerade noch nicht vollständig erreicht habe. 
Er sagte mir, es seien jetzt noch verflixte drei Wochen bis zu den Ferien und ich werde mich morgen bis dahin krankschreiben lassen. 
Prioritäten setzen! 
An das Wichtigste jetzt denken, und dass sind eben nicht andrer Leut's verkorkste Kinder, sondern unseres. 

Ja, das stimmt. 
Ich weiß es. 
Und ich sehe es genauso. 
Trotzdem beschleicht mich ein Gefühl der Unzufriedenheit. Ich wollte noch vor den Ferien alle anstehenden Arbeiten geschrieben, korrigiert und zurückgegeben haben. Ich wollte einen sauberen Schnitt machen. Nichts unerledigt hinterlassen. 

Nun komme ich gerade frisch von meiner bestürzten FÄ, die mich nach meiner Erzählung natürlich bis zu den Ferien von sich aus krankschrieb, habe bereits in der Schule dies mitgeteilt und die Rückmeldung bekommen, dass das Wohl des Kindes doch wohl vor allem ginge, liege hier wie durch den Kakao gezogen auf dem Sofa (ich glaube eine Erkältung ist auch noch im Anmarsch), der Bauch ist noch immer ein angespanntes Etwas und fühle mich dennoch wie eine verantwortungslose Lehrerin. Wie eine Verdrückerin. 

Vielleicht sollte ich mir auf meine Hand tätowieren:
"Du spielst jetzt die einzig wichtige Rolle deines Lebens: Mama werden und sein!"

Macht es gut ihr Lieben!

Eure bedröppelte Penny 




Mittwoch, 10. September 2014

Punkt erreicht.

Heute ist der Punkt erreicht. 
Der Punkt, an dem wir im Haus Herzmolekül beschließen, das geht so nicht mehr weiter. 
Schultechnisch toppt diese Woche bereits jetzt schon die letzte Höllenwoche.
Es ist gerade unfassbar anstrengend. Und ätzend. Und macht mich ziemlich traurig. 
Morgen berichte ich mehr. 
Für heute genieße ich einfach die beruhigende Hand meines Mannes auf meiner Plauze, während der Minimolekülmann irgendwas recht Spektakuläres da drinnen treibt. 

Montag, 8. September 2014

Knoten ins Taschentuch: Denkedran, Frau Denkenichtdran

Gestern Abend ging ich ziemlich missmutig ins Bett. 
Allein. 
Das macht sonntags immer noch mehr gute Laune als sonst so. 
Und sonst so ist es schon einfach ätzend. 
Jedenfalls nahm ich meinen Mutterpass noch ein Ründchen zum "ins Fotoalbum schauen" mit in die Koje. 
In dem Moment mochte das so aussehen als täte ich dies einfach aus purer Freude Herrn Minimolekül zu sehen. 
Dann aber klappte ich die erste Seite auf und fand folgenden Vorsorgeeintrag: 08.09.!
Ähm ja, kopfkratz, Herrn Herzmolekül angetextet: "Schatz, wieso ist der VU-Termin nicht am Donnerstag, sondern morgen?"
Von ihm kommt vollkommen selbstverständlich, er habe schon die ganze Zeit (wenn ich von "Hach, Donnerstag sehen wir ihn endlich wieder" und "Hach, Donnerstag ist ein schöner Tag" und lauter solche Donnerstags-Lobeshymnen losließ) gedacht: "Der Termin ist ja eigentlich am Montag!"
Aber anstatt dass der liebe Herr mich mal aufklärt, mir dezente Hinweise gibt so von wegen "Könnte es sein, dass" oder andere subtile Zaunpfahlwinkereien, nöööö, er lässt mich weiter vom tollen Donnerstag schwärmen. 
"Warum sagst du denn nicht mal was?"
"Weil du dir so sicher warst!"
Süß, oder?
Er wollte meine Selbstsicherheit nicht zerstören und sagt deshalb nichts. 
Einfach liebenswert. 
Und auch etwas fahrlässig. 
Denn ich bin weiterhin die terminlich verpeiltste Frau der Welt. 
Und wir reden nicht vom kleinen muckeligen Molekülkosmos, sondern von der echten weiten Welt. 
Und das ist mir das Unbegreiflichste überhaupt: Ich, Frau Terminplanerin im Kopf! Frau "Ich schreibe alles auf an Terminen und das ohne Grund, denn Termine vergesse ich NIE. NIE. NIEMALS" und erst recht keine Minimolekültermine!
Ich habe nichts mehr im Griff. 
Beim letztens Vorsorgetermin wollte ich lässig um 15 Uhr hin. Um 13 Uhr drängelte mein Mann. Voll der Stresser. 
Gut, in den MuPa geschaut, hatte sich da wohl jemand heimlich dran gemacht und den Termin von 15:30 Uhr auf 13:30 Uhr vorverlegt. 
Meine Mutter erinnert mich jetzt ein Mal wöchentlich daran, wann wir unseren Nähkurs haben. Jedes Mal beantwortet sie mir geduldig zwei Fragen: Welches Datum? Welche Uhrzeit?
Mittlerweile weiß ich wann er terminlich startet. Die Uhrzeiten habe ich irgendwo aufgeschrieben und müsste jetzt tatsächlich nachschauen. 
Ich bin mit zwei Freundinnen an unterschiedlichen Tagen zu unterschiedlichen Uhrzeiten nächste und übernächste Woche verabredet. 
Ich weiß noch im Kopf mit wem ich zuerst verabredet bin. Das war es. 
Ohne meinen Lehrerkalender wäre ich aufgeschmissen. 
Dort versammeln sich alle schulischen und privaten Termine meines Lebens. 
Wenn der verloren geht, bin ich es auch. 

Jedenfalls durften wir gerade ein entzückendes kleines Minimolekül in 3D bewundern. 
Man sah sein kleines so süßes Gesicht und wir bekamen auch zusätzlich nochmal einige Bewegungssequenzen auf DVD gebrannt. 
Zudem geht es dem Zwerg wirklich prima. Er denkt unglaublich viel nach (zumindest sieht seine Hand an den Kopf fass-Stellung ganz danach aus!) und ist einfach zauberhaft. 
Und bei all dem Termin-Wirrwarr war es wundervoll ihn heute unverhofft schon sehen zu können. 
Wir haben übrigens ganz lässig die 1100 Gramm erreicht (man merkt es beim Treten!)!
Und weil das alles so wundervoll ist, habe ich jetzt auch den ganzen Tag über meinen morgigen Termin vergessen: 
Kolloquium beim Chef. Beamtenrechtliches. Yeah. 
Noch nichts dafür getan, aber ich hoffe einfach, dass er sich von mir etwas zuquatschen lässt. Darauf hoffen, dass er diesen Termin vergisst, brauche ich wohl nicht. 
Passiert ja nicht jedem/jeder! 

Habt einen tollen Wochenstart, ihr brütenden und gackernden und bereits gelegten Eierdamen und -herren!

Eure verpeilte Penny ❤️

Freitag, 5. September 2014

Verrückt? Ausgedacht? Quatsch, bloß eine stinknormale Schulwoche

Montag:

Ich weiß nicht woran es liegt, aber Schüler Nummer zwei in nun erst drei Schulwochen meint kollabieren zu müssen. 
Also zumindest führt er sich kreideweiß im Stuhl sitzend so auf, als tue er dies jetzt. 
Auf mein besorgtes Fragen reagiert er nicht mehr. 
Irgendwer spricht ihn auf Türkisch an. Beruhigenderweise scheint nur sein Deutsch-Sprachzentrum gestört, denn er plaudert und erklärt nun seine Problematik. 
Ich bekomme übersetzt, dass er wohl Migräne habe. 
"Was machst du dann immer? Nimmst du dagegen Medikamente?"
Das weiß er wieder nicht. 
Ich schicke ihn einfach nach Hause. 
Soll er sich von Mama pflegen lassen. 

Zudem sitzt in dieser Klasse, sagen wir, das deutsche Eck.
Drei furchtbar unangenehme 16Jährige. Großfressig. Unsympathisch. Hohes Aggressionspotenzial. Und despektierlich. Auch mir gegenüber. 
Unmotivierte Äußerungen wie "Nennen Sie Ihr Kind doch Adolf!" oder "Kiffen Sie mal, dann bekommt Ihr Kind was Ordentliches zu rauchen!", bringen mich an den Rand meiner Geduld. 
Augenlaserblitze und extrem scharfe Worte meinerseits lassen sie zwar vorerst verstummen, führen aber letztlich dazu, dass dieser (und andere Vorfälle) nun mit Schulordnungsmaßnahmen geahndet werden. 
Manchmal geht es eben nicht anders. 
Auch das intensive Gespräch mit einem der asozialsten von den Dreien ergibt nur: "Ich habe ein Aggressionsproblem. Das ist aber jetzt schon viel besser. Sie hätten mich mal vorher kennenlernen sollen."
Dass der Vater seit ein paar Jahren im Knast sitzt, erfahre ich hinterher von einer anderen Kollegin, die gleiche Erfahrungen (nur ohne Plauze) in der Klasse sammelte.
1. Tag der dritten Schulwoche: Ich mag eigentlich nicht mehr. 

Dienstag:
Ich sitze mit einer Kollegin kurz im Lehrerzimmer. Irgendwer hat(te) Geburtstag, denn auf dem Konferenztisch steht ein Blech Pflaumenkuchen. Ich weiß nicht von wem der ist, also lasse ich die Finger davon. Abgesehen davon, dass Pflaumen eh nicht so meins sind.
Einer der älteren Geizhalskollegen kommt rein. Sieht uns da sitzen, holt sich einen Porzellanteller und schaufelt sich etwa 20 Küchenstücke drauf. Stapelt. Quetscht und schiebt, damit auch möglichst viele drauf passen. Das Blech ist nun halb leer. Mit den Worten: "Schön was für Zuhause" und "Wehe ihr verpetzt mich!", zieht er von dannen. Ich schüttle nur meinen Kopf, meine Kollegin sagt: "Lass ihn doch", frei nach dem Motto "Der hat doch sonst nichts!".

Es stellt sich heraus, dass die Montags-Asiklasse tadaaaaaaa die Klasse von Kollege "Verstopfte Nase" ist. 
Ich war mir ja schon lange sicher, jetzt wurde es bloß mehrfach bestätigt: Da ist leider ein bisschen mehr verstopft als nur das Näschen!
Dieser ist nämlich ganz verwundert als wir über seine Klasse berichten. Auch kennt er noch nicht die Namen (was zumindest eine Erklärung dafür ist, weswegen er bis heute kein Klassenbuch schafft anzulegen!). 
Ganz verwundert erfährt er davon, dass ein äußerst schwerwiegender What's App-Mobbingvorwurf gegen einen Großteil der Klasse erhoben wird (betreffender Schüler ist freiwillig aus der Klasse geflohen, der Vater des Jungen möchte Strafanzeige erheben) und all die anderen Vorfälle.

Mittwoch: 
Was für ein fast entspannter Tag. Ich setze einen der Hyperaktiven um. Er diskutiert und behauptet, das ginge gar nicht, denn DAS wäre sein Platz (nicht der, dem ich ihm zuweise vorne bei mir!). Ich vergewissere mich, dass weder an Stuhl noch Tisch sein Name eingraviert ist und verfrachte ihn dann unbarmherzig nach vorne. 
Dort legt er sich dann mit dem gesamten Oberkörper trotzig auf den Tisch, erblickt mein Schlüsselband und gibt es mir jetzt richtig: "Manno! Werder Bremen ist DOOF!"
Putzig! 

Donnerstag:
Während sich in der 3. und 4. Stunde bei mir noch alles weitgehend ruhig verhält, polieren sich zwei Schüler danach bei meinem Kollegen die Fresse. 
In der Parallelklasse zwei Stunden weiter wird er dann mit nassen Papierkügelchen und Kreide beworfen. Warum? Weil sie es lustig finden, dass er (mein Kollege) so nett ist und sich nicht wehrt. 
In meiner 7. Stunde rastet ein Schüler komplett aus. 
Wir lesen einen Zeitungsartikel über Jugendgewalt in dem u.a. steht:"...wurde ein Rentner brutal überfallen!"
Der Schüler flippt ab. Schreit rum, dass das nicht stimmt. Dass das nicht so gesagt werden könne und ich stopfe ihm erstmal seinen Mund. 
Nachdem alle mit dem Text arbeiten, setze ich mich neben ihn, um ihm Gelegenheit zu geben nochmal in Ruhe zu erklären, was ihn so aufbrachte. 
"Wenn Sie überfallen werden und ich Ihnen eine Waffe an den Kopf halte OHNE ABZUDRÜCKEN und Sie geben mir dann Ihr Geld, ist das gar keine Gewalt und erst recht nicht brutal! Sie machen das ja dann freiwillig!"
Diese Worte sind brutal für mich.
Jetzt mag ich wirklich nicht mehr. 
Freitag, wo bist du?

Freitag:
Heute machen wir es uns mal gemütlich, denn der Schulleiter kommt vorbei. 
In meinem Unterricht. 
Meine Beurteilung zur Lebenszeitverbeamtung steht an und da ist es das normale Prozedere. 
Erst läuft alles okay. 
Bis einer der Schüler wütend rumschreit, seine Mitschüler beleidigt und darauf pfeift, dass hinten eben der Chef sitzt. 
Ich finde es gut. 
Er wollte "normalen" Unterricht sehen. 
Den hat er bekommen. 
Naja, halbwegs. 
Denn im Normalfall wäre es nun zu verbalen Aussetzern und großer Gereiztheit der gesamten Klasse gekommen. 
Dieses blieb aus. 

Wochenende?
Bitte. Danke. 


In diesem Sinne...euch allen ein schönes Wochenende! 

Brutal-Penny ❤️



Mittwoch, 3. September 2014

Ein bisschen Du und ein bisschen Ich

Meine Herzmoleküle sprudeln nur so aus mir heraus.
Verstreuen sich. 
Flattern eine Runde durch die Molekülwelt und verlassen dann diese um sich im gesamten Kosmos zu verbreiten. 
Sie setzen sich nieder. 
Auf deine Nasenspitze (also falls dich in diesem Moment etwas kitzelt...), auf eine verlassene Bank im Wald, auf eine vorbeirauschende U-Bahn in der Großstadt. 
Und du allein, du kleiner Mensch, du bewirkst das. 
Du lässt mich dich so sehr spüren. 
Du tanzt. 
In mir. 
Weil auch deine Moleküle, so winzig sie jetzt auch noch sein mögen, herumschwirren. 
Im Wasser blubbern. 
Zu etwas Großem heranreifen. 
Niemals habe ich dieses Gefühl auch nur erahnen können, welches mich seit dem Tag deiner Anreise-Bestätigung Tag für Tag begleitet. 
Das Gefühl dich auf ewig beschützen zu müssen. 
Das Gefühl für dich bereits als kleines Senfkorn in meinem Bauch so viel Liebe zu empfinden. 
Das Gefühl deine Mutter von nun an zu sein. 
Es ist unbeschreiblich was für wunderschön verrückte Dinge du mit mir anstellst. 
Ich bin unfassbar gerührt von der Vorstellung, dass wir dich bald halten dürfen. 
Manchmal wünsche ich mir die Zeit ganz schnell vordrehen zu können, weil mich eine unglaubliche Sehnsucht nach dir überkommt. 
Dann wiederum ist es so, dass ich dich so gerne in mir herumtrage, dass ich fast wehmütig werde, wenn ich daran denke, dass das bald nicht mehr so ist. 
Was mich dann aber noch zufriedener macht, ist der Gedanke, dass dein Papa dich dann endlich auch beschützend in seine Arme nehmen kann. 
Denn er wartet ebenso sehnsüchtig auf dich. 
Auf unser Wunder. 

Nun bin ich ein UHU. Wir haben es so weit geschafft. 
Ich kann dich täglich mehrere Stunden fühlen, merke wie du dich auf das Leben außerhalb meines Bauches vorbereitest, wie du immer stärker wirst. 
Und nichts bereitet mir mehr Glücksmoleküle als die Vorstellung, wenn wir dich kleinen Menschen das erste Mal sehen dürfen. Wenn wir deine kleinen Powerfüße in die entzückendsten Söckchen stecken (und sie vorher zart küssen!), wenn wir dir eines deiner coolen Mützchen aufsetzen und du mit uns durch das Leben gehst. 

Wachse noch ein wenig. 
Renoviere ruhig noch einmal dein Bauch-Appartement.
Und probe weiter fleißig den Molekültanz. 

Und ehe wir uns versehen, werden wir dich in den Arm nehmen, dich, unseren ein bisschen Du-ein bisschen Ich-Minimolekülmann! 

❤️❤️❤️❤️



Montag, 1. September 2014

Tobe-Post

Es gäbe heute - kaum hat die Woche begonnen - schon wieder lustige Heiterkeiten aus der Welt des Lernens zu berichten, aber da ich bis jetzt am Schreibtisch sitzend verbracht habe, und mich eine private Sache gerade verärgert, müssen wir das vertagen. 
Aber da die Woche ja noch frisch ist, sammeln wir einfach ein wenig und dann lege ich hier los. Haha, das wird ein Festival der guten Laune. Oder der Absonderlichkeiten. Oder beides. 

So, zurück zum Privat-Toben. 
Meine Freundin. 
Ja, ein ganz heißes Thema. Freundschaften sind irgendwie manchmal so kompliziert. Und unsere hat im letzten Jahr arg gelitten, da meine gute alte Freundin irgendwie meinte sie müsse keine Partei ergreifen, damit ihr ein Vorteil nicht flöten geht. 
Das hat mich grantig gemacht, verhielt es sich doch so, dass sie weiterhin der Teufelin fröhlich Kinderklamotten andrehte, obwohl sie wusste, was für eine Zerstörertour die gute Dame gerade innerfamiliär abzog. Und obgleich sie immer über sie lästerte, kein gutes Haar an ihr ließ, musste sie trotzdem ganz opportunistisch "Die kauft ja immer so viel!" weiter Kontakt zu ihr aufnehmen. Das ärgerte mich ziemlich. Ich hätte wirklich mehr Loyalität erwartet. Sie ist auch überaus hasserfüllt, wenn es um ihre Schwägerin geht. Ich würde niemals gerade dann, wenn es echt brenzlig ist, Kontakt zu ihr aufnehmen. 
Ich habe es ihr auch mehrfach gezeigt, dass ich es ziemlich ätzend finde. Schließlich ist es meine Freundin seit der Schulzeit und die Klamottenweitergabe erfolgte nur durch mich, weil sie sich so nicht kannten. Und dann für etwa 30€ eine Freundschaft solchen Turbolenzen auszusetzen...naja...missfiel mir. Mich hat einfach gestört, dass sie mir das auch immer unter die Nase rieb. "Heute war die Teufelin wieder da. Sie macht gerade Dies und Das. Und eure Nichte war auch dabei!"
Vielleicht meinte sie auch damit mir ihre Loyalität zu zeigen. So nach dem Motto: Ich bin ganz offen und erzähle dir das. 
Leider bedachte sie dabei nicht, dass es schon ganz schlimm verletztend zwischen den Fronten hergegangen war und es zudem einen Stich ins Herz versetzte, wenn sie von UNSERER Nichte berichtete. 
Wie auch immer, nach gut einem Jahr versuchen wir ja wie berichtet mittlerweile für die Kinder normal miteinander umzugehen. Vergessen werde ich Vorgefallenes nie, aber das ist auch okay. Jedenfalls ist dadurch die Situation zwischen meiner Freundin und mir diesbezüglich entspannter geworden. 
Nun das nächste:

Wir sind beide Lehrerinnen. 
Sie hat zwei Kinder. Eines davon mittlerweile ein Schulkind, das andere im Kindergarten. 
Seitdem die Kinder da sind, hat sie drei Jahre Elternzeit genossen, seitdem diese um sind, leidet sie unter 10 Stunden Unterricht, die sie gibt. 
Und ja, ich meine wirklich leiden. 
So leiden, dass jetzt schon täglich: "Ich bin ferienreif"-Nachrichten eintrudeln. 
Hinzu kommt, dass sie NICHTS im Haushalt macht. Das macht ihr Mann, der übrigens zu seinem vollen Lehrerjob auch noch nebenbei arbeitet, damit der Laden läuft. Das bedeutet: Damit der Shoppingtrieb ausgelebt werden kann. Denn das ist das, was bei ihnen zählt. 
Soll mir gleich sein. 
Die Bügelwäsche erledigt die Schwiegermutter!!! seitdem beide zusammen sind. Also auch in der kinderlosen Zeit. 
Kochen? Er. 
Wischen und saugen? Auch er. 
Das Bad? "Iiiiih, das kann ich gar nicht!" Sowieso er. 
Einkaufen? Er. 
Kann er ja gut nach seinem vollen Schultag auf dem Rückweg erledigen, während Mutti sich um 14 Uhr Shopping Queen reinpfeift.
Ja, sie hat es echt schwer in ihrem Leben. 
So schwer, dass wir es nicht geschafft haben uns ein einziges Mal in den Sommerferien zu treffen, obwohl wir vielleicht 20 Minuten auseinander wohnen. 
Von ihr kam zwischendurch mal immer wieder was von wegen...bla bla bla...unbedingt treffen, aber wenn ich dann schrieb, ja gerne mal abends, dann war das sofort gestorben. 
Warum? 
Ich weiß nicht genau was dahinter steckt. 
Wie gesagt, sie geht ständig shoppen. Das sind dann ihre MUTTI-freien-Tage. Und damit ist von morgens bis spät abends gemeint. Das geht also. 

Gestern Abend kam von ihr:" Du musst unbedingt mit dem Minimolekül mal wieder vorbeikommen!"
Erst wollte ich schreiben: "Ja, klar. Spar es dir doch! Wir sehen uns im KH!"
Egal. 
Sie schlug mir drei Termine vor. 
Ich schrieb ihr daraufhin, dass ich dann und dann könnte, erwähnte aber direkt, dass es mir abends besser passen würde, damit wir einfach so quatschen können. 
Wenn ich nämlich nachmittags dort aufschlage (regt mich übrigens auch auf, dass ich da wieder aufschlagen soll. Kann sie nicht mal kommen?), dann werde ich von beiden Kindern in Beschlag genommen. 
Versteht mich nicht falsch, ich liebe die beiden Mäuse echt. Sie sind toll. 
Aber auch mit ihren sechs und drei Jahren sehr anstrengend. Normalerweise sieht mein Besuch so aus: Hallo sagen, Kaffee bekommen, der dann aber sehr kalt wird, weil ich dann schon oben ins Kinderzimmer geschleppt wurde und wir toben und spielen. 
Ich mache das gerne. Ich liebe es. 
Aber ich finde es im Moment ziemlich anstrengend mit meinem echt schweren 7Monatsplauzbauch zu toben und auf dem Boden rumzukriechen. 
Außerdem habe ich sie auch schon so lange nicht mehr gesprochen, denn wenn die Kinder dabei sind, kommt man ja nicht zum privaten Frauenplausch. 
Das stört mich. 
Auf alle Fälle kam dann von ihr: "Also mit abends muss ich mit meinem Mann sprechen. Und dann darf ich das nur heimlich machen, weil der Große sich immer so freut, wenn du kommst. Und dann kann ich mich nicht mit dir offen treffen!"
Ich dachte erst ich lese nicht richtig. 
Oder mir ist was ins Gehirngetriebe geraten, weswegen ich jetzt plemplem bin. 
Aber nichts. Es steht da so. 
Ähm, sie kann sich ständig mit Menschinnen treffen. Shoppen. Schwimmen. Was auch immer. 
Aber mit einer ihrer ältesten Freundinnen geht das nicht, wegen des Kindes?
Entschuldigung, aber hier läuft was verkehrt. 
Natürlich schmeichelt es einerseits. Irgendwie. Aber mehr überwiegt ein gewisses Maß an Unverständnis und auch Wut. 
Ja, ich bin wütend, weil es so rüberkommt, als sei ich eine total tolle Nachmittagskinderbespaßung, aber mehr auch nicht. 
Und das mag ich einfach gerade nicht (nur) sein. 
Wie gesagt: Ich habe beide Kinder in mein Herz geschlossen. Das wird sich nicht ändern. Aber ich bin halt auch gerne noch Freundin. Oder anders gesagt: Manchmal einfach nur Freundin, ohne dass mir eines der Kinder gerade bunte Haarspangen ins Haar knotet, während das andere solange auf mir herumhopst, bis ich es auskitzle. 

Ist das denn zu viel verlangt? 

Eure Tobe-Penny ❤️